Museum Lichtenberg würdigt Pfarrer und Wissenschaftler

Julius Kurth: der kreative Pfarrer

12.10.2017, Christine Meier

Julius Kurth. Foto: Förderverein Schloß Hohenschönhausen

Hohenschönhausen. Er war Pfarrer und Wissenschaftler und Künstler. Er zeichnete Gebäude, Blumen und Tiere, wie der Mensch oder die Natur sie schufen. Er schrieb Geschichten für seine Enkelkinder und malte dazu zauberhafte Bilder. Er verfasste Gedichte in seiner für ihn so typischen beinahe filigranen Schrift. Julius Kurth lernte Japanisch und noch heute kennt und verehrt ihn beinahe jedermann in diesem fernöstlichen Land als den Mann, der sich mit dem japanischen Farbholzschnitt wissenschaftlich beschäftigte, der japanische Gedichte übersetzte und sogar ein Theaterstück schrieb. Kurth liebte die Ägyptologie und er nannte eines der ältesten Papyrus sein eigen.

Zählt man all die Themen auf, mit denen sich Julius Kurth in seinem Leben beschäftigt hat, kommt man aus dem Staunen ob der Vielfalt nicht heraus. Und doch kennt ihn in Deutschland kaum einer. Zwar verwaltet das Archäologische Museum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg seinen Nachlass, doch in seinem Geburtsort Hohenschönhausen war er bisher ein beinahe Unbekannter. Das sollte sich jedoch ändern. Bärbel Ruben, Leiterin des mit der Bezirksfusion geschlossenen Heimatmuseums Hohenschönhausen „grub“ Julius Kurth aus. Ein Autorenteam des Fördervereins Schloß Hohenschönhausen machte sich ab 2009 daran, die Stationen seines Lebens zu dokumentieren. Barbara Mewis, Dirk Moldt und Knut Käpernick erarbeiteten die Texte für die Schautafeln und stellten sie dem Autorenteam zur Diskussion. Gunnar Müller zeichnete für die grafische und farbliche Umsetzung verantwortlich, Setzuko Kuwabara und Hartmut Walravens widmeten sich der japanischen Seite seines Schaffens. Und obwohl es bereits 2010 im Schloß Hohenschönhausen eine kleine Ausstellung zu Julius Kurth gab, sollte es beinahe acht Jahre dauern, bis anlässlich der deutschlandweiten Veranstaltungen zu 500 Jahre Reformation die Ausstellung „Julius Kurth – die Strahlkraft von Wissen und Glauben“ im Lichtenberger Museum im Stadthaus am 7. Mai 2017 eröffnet wurde. Wohltuend für den Betrachter, weil es in dieser Ausstellung nicht ausschließlich um Luther geht. Und überaus spannend für den interessierten Besucher, weil das Leben eines Mannes dokumentiert wird, der ob seines vielfältigen Schaffens zu den Großen der Geschichte gehören sollte.

Nicht das beste Zeugnis für Julius Kurth

Friedrich Erdmann Julius Kurth wurde am 15. Mai 1870 in einer Lehrerfamilie geboren. Schon frühzeitig zeigte sich seine künstlerische Begabung. Im Alter von vier Jahren zeichnete er beinahe originalgetreu das Haus seiner Familie. Von 1883-1890 besuchte er das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Dort legte er auch sein Abitur ab. In seinem Abgangszeugnis wurde ihm nur ein mangelhaftes Wissen bescheinigt, was ihn jedoch nicht daran hinderte, von 1890-1894 an der Friedrich-Wilhelm-Universität, heute Humboldt-Universität, Theologie und Christliche Archäologie zu studieren. Angeregt durch seinen Lehrer Prof. Nicolaus Müller promovierte er 1896 in Heidelberg zum Thema „Die christliche Kunst unter Gregor dem Großen“. Zu diesem Thema hatte „noch niemand eine Doktorarbeit geschrieben“, erklärt der Historiker Dr. Knut Käpernick.

1910 wurde Julius Kurth Pfarrer der Evangelischen Kirche, der Taborkirche in Hohenschönhausen. Es sollten die fruchtbarsten Schaffensjahre in seinem Leben werden. Er gestaltete sein Pfarrhaus zu seinem privaten Museum, schrieb Bücher und Artikel zur Kunst des japanischen Holzschnittes, zur Geschichte des Christentums und zur Kultur des Orients. Julius Kurth illustrierte zahlreiche Bücher, bebilderte sie mit schwarz-weiß-Fotos.

Zeit seines Lebens war Kurth kein wohlhabender Mann. Weil das Geld immer knapp war, konnte er seine Frau erst spät ehelichen, obwohl sie schon zusammen lebten. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, Julius und Wolfram. 1935 wurde Friedrich Erdmann Julius Kurth pensioniert. Wegen des Krieges ab 1944 mehrfach mit seiner Familie evakuiert, starb er 1949 in Gerbstedt. Von den „Größen“ des Dritten Reiches hat er sich niemals einvernehmen lassen.

Die Ausstellung im Lichtenberger Museum im Stadthaus ist dem Leben eines Mannes gewidmet, der als Christ gelebt hat, der als Wissenschaftler seinen ungeheuren Drang nach Erkenntnissen stillte, und diese auch an andere weitergab, der als Illustrator und als Literat seine künstlerische Seite auslebte. Die Ausstellung wird voraussichtlich am 5. November 2017 geschlossen und die Exponate sollen dann wohlverpackt im Archiv ruhen. Schade, dass sie dadurch nicht mehr Menschen zu Gesicht bekommen.

Veranstaltungshinweise: 18. Oktober, 19 Uhr, Vortrag „Julius Kurth und die Ostasienforschung seiner Zeit“, Referent Dr. Alexander Hofmann, Museum für Asiatische Kunst/Staatliche Museen zu Berlin. 1. November, 18 Uhr, Vortrag „Japan-Exlibris und Julius Kurth“, Referentin Dr. Setsubo Kuwabara, ehem. tätig im Deutsch-Japanischen Zentrum Berlin.

Das Museum Lichtenberg im Stadthaus, Türrschmidtstraße 24, hat geöffnet: Di-Fr und So von 11-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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