Unternehmerin sammelt Judo-Anzüge für Flüchtlinge

Judo: Auf die Matte, fertig – los!

06.02.2017, Marcel Gäding

Kleine Judoka unterschiedlicher Herkunft trainieren beim PSV Olympia Berlin e.V. Fotos: Marcel Gäding (Zum Vergrößern anklicken)

Marzahn/ Friedrichsfelde. Brigitta Nöthlich steht am Rand der Gummimatten, auf denen Judo trainiert wird. Aufmerksam verfolgt sie im Sportzentrum KICK Marzahn an der Fichtelbergstraße das Training von Carsten Fischer, der gerade dabei ist, eine kleine Horde von Jungen und Mädchen zu bändigen. In Reih und Glied stehen sie nun da, die jüngste gerade einmal zwei Jahre alt. Gut eine Stunde präsentieren die kleinen Judoka, was sie alles bereits bei Carsten Fischer gelernt haben – zur Freude von Brigitta Nöthlich. „Wenn ich das so sehe, bekomme ich richtig Lust, mitzumachen!“

Es kommt nicht mehr oft vor, dass sich Brigitta Nöthlich ein Judotraining anschaut. Zu sehr ist die Unternehmerin trotz ihres Alters beruflich und privat eingespannt. Obwohl sie dieses Jahr 73 Jahre jung wird, betreibt sie unter anderem einen kleinen Laden für Lebensmittel und Gebrauchtwaren in Lichtenberg, engagiert sich politisch in der SPD und auch in ihrem Kiez in Karlshorst. Dabei war Nöthlich mal in Sachen Judo eine große Nummer: 38 Jahre leitete sie als Vorsitzende den von ihr mitgegründeten Arashi Judo Karate-Club. „Ich selbst habe mit 14 Jahren mit dem Judo angefangen“, sagt die zierliche Frau. Damals sei es ihr Ziel gewesen, dass sie sich als Mädchen im Fall der Fälle wehren kann. Und weil sie fand, dass das auch etwas für ihren Sohn ist, nahm sie den damals Zehnjährigen ab 1978 mit zum Training. „Beim Judo geht es unter anderem darum, Werte zu vermitteln, zu denen unter anderem der Respekt gehört“, sagt Carsten Fischer, der Jugendwart vom PSV Olympia Berlin, dem größten Judoverein der Stadt. Im Training komme es auf die Gruppe an, während man im Wettkampf auf sich alleine gestellt sei.

Erste Spendenaktion brachte viele Judo-Anzüge

Irgendwann im vergangenen Jahr kam Brigitta Nöthlich auf die Idee, Kindern von geflüchteten Menschen den Zugang zum Judotraining zu ermöglichen. Doch es gab ein entscheidendes Problem: Viele der Kleinen hatten bei ihrer Ankunft gerade einmal einige Klamotten dabei, doch für das Judotraining braucht es die bekannten weißen Anzüge. Weil so eine Ausstattung schon mal um die 35 Euro kostet, kam ihr ein Aufruf in den Sinn, den auch das Bezirks-Journal druckte und mit dem sie gebrauchte Judoanzüge suchte. „Die Resonanz war überwältigend“, sagt Nöthlich. 25 Anzüge, darunter auch ganz neue Exemplare, konnte sie vor wenigen Wochen an Carsten Fischer übergeben.

Der Jugendwart beim PSV Olympia Berlin e.V. freut sich über dieses Engagement – wird damit doch den geflüchteten Kindern der Einstieg in den Judosport ermöglicht. Sein Verein ist berlinweit unter anderem an 54 Schulen aktiv. Er selbst trainiert nicht nur in Marzahn, sondern auch an der Friedrichsfelder Schule an der Rummelsburger Straße. „Dort befinden sich 140 Flüchtlinge in der Betreuung“, sagt Fischer. „Außerschulische Sportangebote gibt es jedoch kaum.“ Und so erfreut sich sein Judo-Unterricht bei geflüchteten und deutschen Kindern gleichermaßen großer Beliebtheit. Schöner Nebeneffekt: Auf sportlicher Ebene kommen sich die Kinder unterschiedlicher Herkunft näher, lernen sich kennen und einander verstehen. Platz für Vorurteile bleibt da keiner. Ganz im Gegenteil. Auf der Matte wirken die kleinen Judoka sehr vertraut.

Brigitta Nöthlich will eine weitere Sammelaktion starten und sucht bereits wieder nach gebrauchten Judo-Anzügen. Spender können sich im NOE-Markt, Fanningerstraße 58, 10365 Berlin, immer dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr oder unter Tel. 0177 508 82 81 melden.

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