Ausstellung „Die Fabrikstadt Lichtenberg“

Industriegeschichte im Wandel

08.05.2018, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding (1), Museum Lichtenberg (2,5,6), Peter Thieme (3-4)

Lichtenberg. Die Industriegeschichte von Lichtenberg steht im Fokus der neuen Wanderausstellung „Die Fabrikstadt Lichtenberg“, die vom Museum Lichtenberg und dem bezirklichen Regionalmanagement konzipiert wurde. Mit ihr werfen die Autoren einen Blick zurück auf die Anfänge der Industrialisierung, ihre Blütezeit und den Wandel des Standortes nach dem Fall der Mauer.

Erinnerungen an die Gründerjahre

Die Spuren der Vergangenheit verblassen, sind aber noch sichtbar: An der Fassade eines unscheinbaren Hauses an der Rummelsburger Hauptstraße ist der Schriftzug des „VEB Kunststoffwerk Aceta“ auch nach Jahrzehnten gut zu erkennen. Hinter den backsteinroten Mauern wird schon lange nichts mehr produziert, Fenster sind eingeschlagen, das Gebäude steht leer.

Dabei ist die Geschichte der einstigen Anilin-Fabrik bewegend, erinnert sie doch an die Gründerjahre in Lichtenberg. 1867 hatte Paul Mendolssohn Bartholdy – ältester Sohn des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy – das vier Hektar große Areal an der Hauptstraße erworben. In dem chemischen Werk wurden aus Teer stammende Materialien hergestellt, die später für die Produktion von Farben dienten. Später stellte man um auf die Herstellung hochwertiger Kunststoffseide. Höhepunkt in der Firmengeschichte war zweifelsohne die Produktion von Perlon, das deutlich preiswerter war als Nylon. Zu DDR-Zeiten wurde der Betrieb verstaatlicht. Bis 1970 wurde an der Hauptstraße Dederon erzeugt.

Alles, was man zum Leben brauchte

Bis heute ist Rummelsburg ein wichtiger Industriestandort. Dort befindet sich nicht nur das altehrwürdige Kraftwerk Klingenberg. Mittlerweile haben in der Hauptstraße auch moderne Druckereien und Handwerksbetriebe ihren Sitz. Dort wie auch rund um die Herzberg- und Siegfriedstraße qualmen aber schon lange keine Schornsteine mehr. „Ziel der Wanderausstellung ist es, Lichtenberg als Industriestandort zu porträtieren“, sagt Dr. Thomas Thiele, der Leiter des Museums Lichtenberg. Zwischen 1850 und 1945 sei in Lichtenberg alles produziert worden, „was man zum Leben braucht“: Hundekuchen von Spratt’s Aktiengesellschaft, Fleisch, Wurst und frisches Brot von der Konsum-Genossenschaft, Kühleis vom Rummelsburger See und Pflüge von der Landmaschinenfabrik H.F. Eckert. „Lichtenberg war als industrieller Standort von besonderem Gewicht“, sagt Thiele. Sieht man von einigen Ausnahmen ab, gibt es die einstigen Betriebe jedoch nicht mehr. Die erste große Zäsur erlebte der Standort mit dem Zweiten Weltkrieg; der zweite Einschnitt kam mit dem Fall der Mauer. Dieser bedeutete für viele meist staatliche Betriebe das Aus, zigtausende Menschen mussten sich einen neuen Job suchen.

Inzwischen hat sich der Bezirk zu einem Wirtschaftsstandort der neuen Zeit entwickelt. Neben kleinen, mittelständischen Unternehmen haben in Lichtenberg auch Firmen ihren Sitz, die ihre Produkte auf der ganzen Welt vertreiben. Größter Arbeitgeber ist die BVG: Das Verkehrsunternehmen betreibt nicht nur zwei Betriebshöfe und Werkstätten in Lichtenberg, sondern auch die Leitstellen der Berliner U- und Straßenbahn. „Während die Phase nach 1990 von einem radikalen Abbau gekennzeichnet war, verzeichnet der Bezirk seit zehn Jahren wieder Zuwächse“, sagt Thiele.

„Die Fabrikstadt Lichtenberg“ wird am Mittwoch, 9. Mai, um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 1. Juli dienstags bis freitags sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Adresse: Museum Lichtenberg, Türrschmidtstraße 24, 10317 Berlin.

 

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