Drinnen + draußen

In der Globalisierungsfalle

29.10.2017, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Hand aufs Herz, wie halten Sie es mit dem Lebensmitteleinkauf? Schnell und billig oder mit Bedacht und auch mal teurer? Ich bemühe mich um Letzteres, wobei ich aber auch mal schnell und billig kaufe. Weil keine Zeit ist oder am Monatsende das Portemonnaie nicht mehr so gut gefüllt ist. Im Wesentlichen versuche ich jedoch Lebensmittel so zu erstehen, dass es nicht nur meinem Geldbeutel gut tut, sondern auch der Gesundheit. Und der Umwelt ebenfalls. Nicht unbedingt Bio (darf auch sein), aber wenigstens regional produziert und nicht über Tausende Kilometer herangekarrt. Leicht wird es einem dabei nicht gemacht, wenn wir uns mal in den herkömmlichen Supermärkten umschauen. So finden sich in den Geschäften von Marzahn-Hellersdorf, nur wenige Kilometer entfernt vom Brandenburger Obstanbaugebiet um Werneuchen, beispielsweise jede Menge Äpfel aus Italien, ja sogar vom anderen Ende der Welt, aus Chile und Südafrika. Doch Brandenburger Äpfel gibt es dort nur in vergleichsweise geringen Mengen.

Schön anzusehen, aber kaum Geschmack

Gemüse wie Paprika, Tomaten und Gurken kommen bei Rewe, Edeka, Lidl, Penny und wie sie alle heißen größtenteils aus Spanien, dort unter Plastikfolien herangezogen, die beispielsweise in Andalusien die Landschaft stark verschandeln. Sie werden auf ihrem Weg zum Verbraucher transportsicher nochmals in Plastik verpackt. (Irgendwann werden wir am Verpackungsmüll noch mal ersticken!) Der Geschmack, weil unreif geerntet, lässt häufig ziemlich zu wünschen übrig. So wie es einstmals mit Holland-Gemüse war: Schön anzuschauen, aber kein Genuss für den Gaumen. Während die Holländer anscheinend daraus gelernt haben – inzwischen gibt es nicht mehr gar so viel an ihren Frischeprodukten auszusetzen –, scheinen die Spanier deren vormalige Rolle übernommen zu haben. Was natürlich nicht an mangelndem Können der dortigen Bauern liegt, sondern an der Einkaufs- und Vertriebspraxis der großen international agierenden Handelskonzerne. Schließlich liegt denen ja nicht am Herzen, dass Lebensmittel gesund sind und ihren Kunden schmecken, sondern vor allem, dass sie von Großerzeugern billig kaufen können und beim Verkauf dann ordentliche Profite herausschlagen.

Krüppelige Tomaten meist besser als Normgemüse

Nicht schlecht staunten wir, als wir kürzlich im Urlaub in Sardinien (ein Teil Italiens, wo die Sonne durchaus intensiver und Monate länger scheint als in Deutschland) in den Supermärkten ebenfalls viele Früchte und Gemüse aus Spanien entdeckten – die „Freuden“ der Globalisierung. Sardische Produkte waren dort Mangelware. Immerhin konnte man diese wenigstens auf zahlreichen Märkten erwerben. Die Tomaten beispielsweise waren da zwar kein Normgemüse, weniger formschön, manche sogar etwas krüppelig – aber sie schmeckten so, wie Tomaten schmecken müssen und nicht nach Wasser in roter Hülle.

Gute Vorsätze

Was kann der Kunde tun? Ich habe jedenfalls beschlossen, mich aus dieser Globalisierungsfalle zu befreien. So gut es geht. Vorsatz Nummer Eins: Tomaten und andere Früchte/Gemüse werden nur noch zu jener Jahreszeit gekauft, wo sie üblicherweise in unserer Heimat reifen, keine Treibhauserzeugnisse mehr. Im Winter gibt es Getrocknetes oder Eingemachtes. Vorsatz Nummer Zwei: Mehr auf Märkte gehen, nach wirklich guten und bezahlbaren Frischeprodukten Ausschau halten (am Maybachufer in Kreuzberg/Neukölln, in der polnischen Grenzregion oder aber auch im Bezirk, wo einige Brandenburger Bauern Stände haben). Vorsatz Nummer Drei: Das Selbstpflücken in den nahen Obstanbaugebieten (Blumberg, Wesendahl, Werneuchen) nicht wie in diesem Jahr verpassen. Da kriegt man nämlich wirklich Schmackhaftes für kleines Geld. Und Spaß macht das Selberpflücken auch noch.

 

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