Durchwachsenes Fazit vorm Endspurt der Gartenschau

IGA Berlin: ein Meer aus Tropfen

06.10.2017, Marcel Gäding

Gut beraten ist, wer zur IGA einen Schirm mitnimmt. Fotos: Marcel Gäding

Marzahn-Hellersdorf. Weniger Besucher als erwartet und ein Umsatzminus von 10 Millionen Euro: Bei strömendem Regen wurde am Donnerstag eine vorläufige Bilanz der Internationalen Gartenausstellung IGA Berlin 2017 präsentiert, die vor allem einen roten Faden aufweist – schlechtes Wetter. Die Macher der IGA läuten indes zum Endspurt ein und wollen Besucher bis zum 15. Oktober insbesondere durch verbilligten Eintritt und große Veranstaltungen locken. Motto: „Grüner wird’s nicht!“

Um kurz vor 10 Uhr steht die Seilbahn, das Markenzeichen der IGA Berlin 2017. Nichts geht mehr. Wegen einer Unwetterwarnung bleibt das Gelände der Gartenschau an jenem Donnerstag geschlossen. Sicher ist sicher. Das Bild passt in die verregnete Bilanz der Internationalen Gartenausstellung, die mit dem Slogan „Ein MEHR aus Farben“ bereits mit einem Schauer zur Eröffnung im April gestartet war. Nun also soll zum Endspurt Bilanz gezogen werden – vor der Kulisse eines verwaisten Parks und nicht enden wollenden Niederschlägen. Eigentlich müsste der Leitspruch der IGA daher lauten: ein Meer aus Tropfen. Eilig hat man an der Tür zum Besucherzentrum am Blumberger Damm – dort findet die Pressekonferenz statt – Scheuerlappen ausgelegt, um das leidige Nass nicht auch noch ins Trockene zu lassen.

Mit teilweise ernsten Mienen stehen die Gesprächspartner der Bilanzpressekonferenz vor den Vertretern der Hauptstadtpresse. Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär in der Innenverwaltung und Aufsichtsratsvorsitzender der IGA Berlin 2017 GmbH, blickt aus dem Fenster, als er sagt: „Ein bisschen ist das da draußen symptomatisch für das, was die IGA begleitet hat.“ Später liefert IGA-Geschäftsführerin Katharina Lohmann die passenden Fakten: Jeden zweiten Tag hat es wie aus Eimern gegossen. Auf einer anschaulichen Grafik mit den meisten Niederschlägen zeigt sie auf eine Kurve, die nur einen Schluss zulässt: viel Regen, wenig Besucher. Bis zum Ende der IGA am 15. Oktober soll die 1,6 Millionen-Marke geknackt werden – gut eine halbe Million weniger als ursprünglich mal veranschlagt. Das wirkt sich auch auf die erwarteten Einnahmen aus: Statt 30 Millionen Euro werden es nur 20 sein. „Wenn ich mir das anschaue, dann wird mir noch wehmütiger“, sagt Katharina Lohmann und blickt ebenfalls auf den Regen vor den raumhohen Glasfenstern. Staatssekretär Gaebler erklärt ganz trocken: „Das Wetter kann man eben schwer vorhersagen.“ Immerhin wird 2017 als regenreichstes Jahr in die Geschichte der Wetteraufzeichnung eingehen. Gut möglich, dass bei deutlich mehr Sonnenstunden auch die Vorab-Kalkulationen aufgegangen wären.

IGA Berlin: Millionenschwer in Nachhaltigkeit investiert

Bei allem Ärger über das Wetter – unterm Strich kann sich die IGA-Bilanz sehen lassen. Ein paar Beispiele: Mit einer Investition aus Landesmitteln von knapp 40 Millionen Euro in das 100 Hektar große Areal blieb die IGA gut 4 Millionen Euro unter dem Budget. Rund um die IGA flossen zudem 125 Millionen Euro in die Gestaltung des Umfeldes. An die 50.000 Kinder und Jugendliche besuchten das IGA-Umweltbildungszentrum, zudem wurden 33.000 Dauerkarten verkauft. „Die Investition in den neuen Park und das Umfeld sei gut angelegtes Geld“, sagt Christian Gaebler, auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit: „Hier wurde ein tolles Naherholungsgebiet geschaffen.“ Er sehe in der IGA einen großen Erfolg für Marzahn-Hellersdorf, „aber auch für Berlin“. Stefan Tidow (Bündnis 90/ Die Grünen) ist Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz und freut sich darüber, dass die IGA mehr als eine Blumenschau war. So habe man eng mit den Naturschutzverbänden zusammengearbeitet, das nahe Wuhletal renaturiert, den Kienberg als Lebensraum für Insekten und Vögel ertüchtigt und beispielhaft naturnahe Wiesenpflege betrieben. Am Ende sei der Bezirk derjenige, der am meisten von der IGA profitiere, sagt die Marzahn-Hellersdorfer Bezirksstadträtin Juliane Witt (Die Linke). „Jetzt haben wir einen noch grüneren Bezirk.“

Seilbahn soll Teil des Nahverkehrs werden

Bewegung soll auch in die Frage kommen, ob die privat betriebene Seilbahn zwischen Hellersdorf und Marzahn Teil des öffentlichen Nahverkehrsnetzes wird. Bis Ende des Jahres wolle man sich dazu unter anderem mit der BVG verständigen, kündigt Christoph Schmidt, der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, an. „Für viele wäre es schön, wenn die Seilbahn im Bezirk erhalten bleibt“, pflichtet ihm Juliane Witt bei.

Bevor sich die IGA-Tore am 15. Oktober ganz schließen, gibt es noch einmal ein voll gepacktes Programm zum Endspurt. Höhepunkte sind das Herbstfest am 8. Oktober (12-17 Uhr) und das Abschlussfest am 15. Oktober (10-18 Uhr). An diesen Tagen kostet die Tageskarte 10 Euro.

Unmittelbar nach dem IGA-Ende wird übrigens mit dem Rückbau von Zäunen auf Hellersdorfer Seite begonnen. Der Kienbergpark ist dann ab dem Frühjahr kommenden Jahres ohne Eintritt zugänglich. Anfang Dezember übernehmen die Gärten der Welt dann den Rest des Areals. Wie hoch dort künftig der Eintritt sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

Die IGA ist bis zum 15. Oktober täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Tickets und weitere Infos unter www.iga-berlin.2017.de

 

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