Einstiges Stadtbad wird 90 – Machbarkeitsstudie zur Rettung geplant

Hubertusbad – “Zurück auf Los!”

10.04.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Für die Vertreter der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die auf Bitte des Bezirks eine seit Jahren erste Begehung des einstigen Stadtbades Lichtenberg im Beisein der Presse ermöglichte, schien es wie ein Krampf: „Wir erteilen gar keine Auskünfte und dabei bleibt es – Entschuldigung – fragen Sie den Bürgermeister“, sagte Holger Hetzel, Vertriebsleiter der BIM, auf Fragen kurzangebunden.

Immer wieder hatte es in der Vergangenheit vergebliche Versuche gegeben, Investoren zu finden, die das Bad restaurieren und reaktivieren. Mittlerweile werden die Kosten für eine Wiederherstellung und Inbetriebnahme auf 30 bis 35 Millionen Euro geschätzt (2014 sprach man noch von 25 bis 30 Millionen). Ein von der BIM 2015 initiiertes „Wettbewerbliches Dialog- und Konzeptverfahren“ zum Verkauf des Objektes, dessen Eigentümer – samt dem 4.200 Quadratmeter großen Grundstück – das Land Berlin ist, war im Oktober 2016 gescheitert. LiMa+ berichtete mehrfach. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil die Immobiliengesellschaft auf dem Denkmalschutz des Gebäudeensembles beharrte, dem eine Nutzung als Bad angeblich zuwiderlaufe.

In einer Pressemitteilung vom 2. November 2016 sah der damalige Bezirksstadtrat für Immobilien, Dr. Andreas Prüfer (Die Linke), das Land Berlin als Eigentümer in der Pflicht, da offenbar der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes privat nicht möglich sei. Deshalb habe er, „als absehbar wurde, dass erneut kein Investor gefunden wird, vorgeschlagen, dass nun neue Wege gegangen werden und ein Projektmanagement installiert wird.“ Wurde aber bisher nicht.

Verwirrung statt Transparenz

Wie der BIM-Vertriebsleiter auf Nachfrage erklärte, soll nun in einem erneuten Anlauf eine Machbarkeitsstudie die Basis für weitere Maßnahmen bereiten. Dazu müssten zunächst „geeignete Kandidaten“ gefunden werden, bewerben könne sich – zöger und drucks – jeder. Im Ergebnis soll ein Teilnehmer den „Zuschlag“ erhalten, der dann seinerseits von der BIM vorhandene Ideen zur Entwicklung des ehemaligen Stadtbades abfragen könne. Ein Steuerungsausschuss, bei dem auch der Bezirk mit am Tisch sitzt, würde dann die Entscheidungen treffen, was weiter geschieht. Noch in diesem Jahr soll die Machbarkeitsstudie abgeschlossen werden. Auf die Frage, worin denn die neue Qualität im Vergleich zu vorangegangenen Versuchen liege, die Sache nun zu einem Erfolg zu führen, antwortete Hetzel: „Wir sagen jetzt gar nichts mehr.“

Bezirk will Zwischennutzung

Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) bat um Verständnis: Die BIM dürfe sich in einem laufenden Verfahren durch voreilige Auskünfte nicht angreifbar machen. Da die Aussichten, kurzfristig einen Investor zu gewinnen, jedoch nicht besonders groß seien, habe der Bezirk Interesse an einer Zwischennutzung. Die könnte zum Beispiel auch kultureller Art sein. „Ich will, dass das Haus nicht weiter gänzlich leer steht“, sagte er. Es müsse der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. „Wir brauchen in Lichtenberg dringend mehr Schwimmhallen-Kapazität“, so der Bürgermeister, denn es gebe im Bezirk den bedauerlichen Trend, dass immer weniger Kinder Schwimmen lernten. „Das Problem ist, dass von den 30 Millionen Euro Instandsetzungskosten für das alte Stadtbad drei neue Schwimmbäder gebaut werden könnten.“ Vielleicht finde sich ja doch noch ein Mäzen, der der nicht nur die 30 Millionen, stemmen könnte, sondern jährlich auch noch eine zusätzliche Million, falls sich das Stadtbad zunächst nicht rechne, meinte Michael Grunst. Doch in seiner Stimme schwang Skepsis über die Wahrscheinlichkeit eines solchen Glücksfalles.

Gruselgeburtstag oder Zukunftsperspektive

Im kommenden Februar wird das Stadtbad Lichtenberg 90 Jahre alt. 1928 war es fertiggestellt – und 1991 nach einer Havarie vollständig geschlossen worden. Vor 26 Jahren! Seitdem verfällt es zusehends. Zwischenzeitlich undichte Dächer und Vandalismus hatten verheerende Auswirkungen auf die Räumlichkeiten. Das Gebäudeensemble ist mittlerweile in einem erbärmlichen Zustand. Gutachten ergaben jedoch, dass die Bausubstanz der Häuser immer noch gut ist. Die Statue „Mädchen mit Badekappe“ in einem der Innenhöfe wurde schon 2012 gestohlen und gilt seitdem als verschollen. Nur der Sockel steht noch verlassen da (siehe Foto).

Jürgen Hofmann von der Projektgenossenschaft Stadtbad Lichtenberg und vom Förderverein Stadtbad Lichtenberg e.V., die sich seit Jahren für den Erhalt des Hauses engagieren, sprudelt nur so vor Ideen für mögliche neue Nutzungen, vom Fitness-Studio, über Räume für Rehabilitationsbehandlungen und Physiotherapie bis hin zu medizinischen Anwendungen mit Brause- und Wannenabteilung im Nordflügel des Ensembles in Zusammenarbeit mit dem benachbarten Sana Klinikum Lichtenberg und den Krankernkassen. „Aber selbst um Zwischennutzungen zu ermöglichen, müssten 10 bis 15 Millionen Euro in die Hand genommen werden“, sagte er ernüchtert.

Kosten für ein geschlossenes Bad

Wie die Beantwortung einer schriftlichen Anfrage des Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg (Die Linke) vom November 2016 offenlegte, „sind der BIM GmbH seit dem 01.01.2011 Kosten in Höhe von insgesamt rd. 173.000 Euro“ im Rahmen der Notbewirtschaftung des Objektes entstanden. Noch einmal 137.000 Euro hat das gescheiterte mehrstufige Ausschreibungsverfahren mit vorgeschaltetem EU-weitem Teilnahmewettbewerb gekostet. „Nach Abschluss des ‚Wettbewerblichen Dialogverfahrens‘ ist deutlich geworden, dass die Interessen potenzieller Investoren und die Anforderungen an den Denkmalschutz nicht in Einklang zu bringen sind“, heißt es in der Beantwortung des Senats auf Grundlage einer Stellungnahme der BIM.

Trotz allem spricht Bezirksbürgermeister Michael Grunst von einem „Juwel für Lichtenberg“. Das nach wie vor große Interesse der Lichtenberger und ihre Anteilnahme am Schicksal ihres einstigen Hubertusbades scheinen ihm recht zu geben. „Deshalb steht ein Abriss auch nicht zur Debatte.“ Die Immobiliengesellschaft BIM habe zugesichert, dass der Förderverein und die Genossenschaft bei der nun bevorstehenden Machbarkeitsstudie mit einbezogen werden, informierte Michael Grunst.

Nach der Begehung des Objektes wurde die von der BIM installierte Alarmanlage im Innern wieder scharf geschaltet. Nun ist das Stadtbad Lichtenberg wieder sicher und verrammelt.

Nachtrag:
Die BIM bewirtschaftet, verkauft und verwertet im Auftrag des Landes Berlin rund 4.500 landeseigene Immobilien in der ganzen Stadt.

 

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