Wohnungsneubau nimmt Fahrt auf

Hochhaustürme auf Allkauf-Fläche?

10.03.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Bis zu 35-geschossige Hochhäuser könnte sich Christian Gräff (CDU) auf der früheren Allkauf-Fläche an der Trusetaler Straße/Märkische Allee vorstellen. Der Stadtrat setzt hinzu: „Allerdings nur mit ansprechender, begrünter Fassade, mit innovativen architektonischen Lösungen.“ Darüber, dass die Brache, über deren Bebauung schon seit Jahren diskutiert wird, nach ursprünglich geplanter Handelsnutzung nun auch für Wohnungsneubau im Gespräch ist, informierte Gräff am Donnerstag, 10. März. Er hatte eingeladen, um eine Bilanz des Wohnungsbaus im Bezirk zu ziehen und neue Projekte vorzustellen.

Baugenehmigungen mehr als verdoppelt
Denn in Marzahn-Hellersdorf, wo zwischen 2002 und 2007 im Rahmen des Stadtumbau Ost rund 4.700 Plattenbauwohnungen wegen massiven Leerstands abgerissen wurden, wird längst wieder gebaut. Wurden im Jahr 2012 noch Genehmigungen für den Bau von 500 Wohnungen erteilt, waren es 2015 bereits 1.280 neue Wohnungen. Noch bis 2014 wurden zu 90 Prozent Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser errichtet, meist Eigentum. 2015 war schon die Hälfte der genehmigten neuen Wohnungen im Geschoss-Wohnungsbau (Miete). Das größte Wohnungsbauvorhaben im Bezirk hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land derzeit in Angriff genommen. Diese baut an der Bundesstraße 1 Alt-Biesdorf auf dem Areal von Gut Biesdorf 450 Mietwohnungen. An der Hasenholzer Allee errichtet das Unternehmen gemeinsam mit einem privaten Investor 360 neue Wohnungen, die Degewo beginnt noch in diesem Sommer an der Cecilienstraße den Weiterbau der Ringelnatz-Siedlung mit rund 300 Wohnungen.

Starkes Bevölkerungswachstum
Der Wohnungsneubau ist wichtig, denn die Bevölkerung wächst unerwartet stark. Zum 31. Dezember 2015 hatte der Bezirk laut Gräff bereits knapp 260.000 Einwohner und damit schon die zunächst vom Senat für das Jahr 2020 prognostizierte Zahl erreicht. Nach der neuesten Senatsprognose wird Marzahn-Hellersdorf bis 2030 rund 15 Prozent mehr Einwohner als derzeit haben. Dabei steigt besonders kräftig die Anzahl der unter 18-Jährigen sowie der Betagten über 65 Jahre.

Flächenpotenzial reicht kaum aus
Wenngleich Gräff die neueste Prognose zur Bevölkerungsentwicklung für „sehr optimistisch“ hält, ist klar: Sowohl das bezirkliche Infrastrukturkonzept von 2015 als auch das Wohnungsmarktentwicklungskonzept Marzahn-Hellersdorf von 2013 müssen überarbeitet werden. Bis zum Sommer soll das geschehen sein. „Wenn die Annahme des Senats zur Bevölkerungsentwicklung stimmt, ist das bisher von uns ausgemachte Flächenpotenzial für den Wohnungsneubau zu gering”, sagt der Stadtrat. Platz für 8.306 neue Wohnungen wurde bisher aufgetan. Es müsse neu gedacht werden, eventuell auch an Hochhäuser. Die freilich nicht überall hinpassten – auf einer früheren Abrissfläche mitten in einem Wohngebiet beispielsweise bringe das Probleme, u.a. beim Parkplatzangebot, so Gräff. Auf dem ehemaligen Allkauf-Gelände, das am Rand der Großsiedlung liegt, seien jedoch ein, zwei hohe Häuser unter Umständen denkbar. Über Wohnungsbau an diesem Standort habe es bereits Gespräche zwischen dem Eigentümer und einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft gegeben.

Wohnungen für Flüchtlinge integrieren
Fast alle der bisher für modulare Flüchtlingsunterkünfte vorgesehenen Standorte sind Wohnungsbau-Potenzialflächen des Bezirks. Gräff regt an, die Unterbringung neu zu denken, beispielsweise am Buckower Ring in Biesdorf-Nord. Dort soll eine Modulare Flüchtlingsunterkunft (MUF) entstehen, es gibt aber zwei weitere Brachflächen im Gebiet, an denen Wohnungsunternehmen Interesse haben. „Warum sollte man es dort nicht beim Wohnungsbau belassen und statt der MUF eine Anzahl geförderter Wohnungen für Flüchtlinge dabei festschreiben? Das wäre doch ein spannender Modellversuch und förderlich für die Integration“, sagt er. In der nächsten Woche wolle er einen Vorstoß machen und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) diesbezüglich einen Brief schreiben.

Kritik an Wohnungspolitik des Senats
Scharf geht der Christdemokrat mit der von der SPD verantworteten Wohnungspolitik des Senats ins Gericht. Gräff findet es falsch, dass landeseigene Wohnungsbaugesellschaften jetzt Bestände in den Großsiedlungen zurückkaufen, die sie in den 1990er-Jahren veräußern mussten. Auch den Ankauf von Projekten Privater durch die städtischen Unternehmen hält er nicht für den richtigen Weg. „Das kurbelt den Neubau nicht an”, sagt er. “Im Gegenteil, es bindet Kapital der Wohnungsbaugesellschaften und bringt keine einzige Wohnung mehr.“ Zudem erstellten die landeseigenen Gesellschaften auch nur 30 Prozent geförderte Wohnungen bei ihren Neubauprojekten. Dass allein durch die öffentliche Hand der Wohnungs-Neubau nicht zu stemmen sei, zeige exemplarisch das Beispiel Zossener Straße/Gut Hellersdorf. Die Fläche für 700 neue Wohnungen soll seit 2015 von der städtischen Gesobau bebaut werden, getan hat sie bisher noch gar nichts, kritisiert der Christdemokrat. „Wir haben extra ein Konzeptverfahren entwickelt, mit Privaten hätte der Bezirk das Projekt schon längst realisiert.“

 

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