Lichtenberg hat Leitstelle „Demenzfreundliche Kommune“ eingerichtet

Hilfe für Pflegebedürftige

29.03.2017, Regina Friedrich

Fotos: Birgitt Eltzel (1), Regina Friedrich (2) Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Wir werden immer älter. Das ist gut, aber auch problematisch, weil die Menschen zunehmend pflegebedürftiger werden. Das trifft auch auf Demenz zu. In Lichtenberg gibt es geschätzt rund 4.800 Betroffene. Deshalb wurde die Bezirkliche Leitstelle Demenzfreundliche Kommune geschaffen.

Träger Volkssolidarität

Es ist ein einschneidender Moment, wenn die Diagnose Demenz gestellt wird. Für die Betroffenen, die sich damit auseinandersetzen müssen, und auch für die Angehörigen, die, wenn sie die Pflege übernehmen, vor der Aufgabe stehen, ihr Leben umzustellen. Aber ebenso müssen Ärzte geschult werden, um dieses komplexe Krankheitsbild zu erkennen, müssen Pflegedienste, Wohnungsunternehmen und soziale Einrichtungen für die besonderen Erfordernisse im Umgang mit Demenzkranken sensibilisiert werden. Um alle erforderlichen Maßnahmen und Akteure zu bündeln, hat Lichtenberg eine bezirkliche Leitstelle Demenzfreundliche Kommune eingerichtet. Träger ist die Volkssolidarität Landesverband Berlin e. V. Zentrale Aufgabe der Bezirklichen Leitstelle ist die Entwicklung und Umsetzung eines ganzheitlichen Demenzkonzeptes. Weiterhin gehört zu den Aufgabenbereichen die Unterstützung der Sozial- und Gesundheitsplanung, die Entwicklung von Angeboten zur Gesundheitsförderung und eine gezielte Netzwerkarbeit.

Öffentlichkeit sensibilisieren

„Wir haben drei große Bausteine“, erklärt Projektkoordinatorin Jennifer Hitzek, „da wäre als erstes die Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung und die Einrichtungen für dieses Thema zu sensibilisieren.“ Dann wolle man alle vorhandenen Angebote im Bezirk erfassen, um sie Betroffenen und Betreuenden zur Verfügung zu stellen. Dazu wird gerade eine Internetseite aufgebaut, auf der die Informationen abgerufen werden können. „Wir möchten zusammen mit Akteuren und Interessierten neue Projekte starten und begleiten.“ Das kommende Projekt zur Zahngesundheit von Menschen mit Demenz soll deren zahnärztliche Versorgung positiv verändern. „Und nicht zu vergessen die Fortbildung derer, die an der Pflege und Betreuung von Demenzkranken beteiligt sind.“ Das sei aber noch etwas Zukunftsmusik.

Lichtenberg hat ein gutes Beratungs- und Hilfsangebot für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Die Aufgabe von Jennifer Hitzek wird es sein, zu analysieren, wo sich Bedarfe verändern, und Wege zu finden, wie man auf diese Veränderungen adäquat reagieren kann.

Neue Partner

Die Bezirkliche Leitstelle wird den bereits bestehenden regelmäßigen Austausch der beteiligten Akteure begleiten und inhaltlich weiterentwickeln. Ein Treffen zum Thema „Demenz anders denken“ hat bereits stattgefunden, ein zweites folgte. Gemeinsamer Konsens war: die Öffentlichkeitsarbeit weiter zu verbessern und Struktur in die Angebote zu bringen. Zudem werden neue Partner ins Boot geholt. Erste Gespräche gab es mit dem Sana-Klinikum und dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, die Kooperationsbereitschaft signalisierten. Auch die ambulanten Ärzte sollen zu diesem Thema angesprochen werden, um ein breites medizinisches Wissen und praktische Erfahrungen zu nutzen. André Lossin, Geschäftsführer des Landesverbandes der Volkssolidarität, sieht darin ein großes Potenzial. Das beträfe die qualifizierte Versorgung der Patienten im Krankenhaus, aber auch die Maßnahmen nach der Entlassung, um sie nahtlos in eine ambulante Betreuung oder zu pflegenden Angehörigen zu bringen.

Schulungen für BVG, Polizei und Wohnungsunternehmen

Geplant ist im Rahmen der weltweiten Demenz Partner-Kampagne auch, Mitarbeiter unterschiedlicher Institutionen aus verschiedenen Bereichen zu schulen. „Wir wollen damit unter anderem an die BVG und die Polizei herantreten, aber auch an Wohnungsgesellschaften“, sagt Jennifer Hitzek. Es gilt der Grundsatz: ambulante Betreuung vor stationärer Behandlung. Das stellt die ganze Gesellschaft vor die große Herausforderung: Wie werden künftig die Demenzkranken angemessen versorgt?

Einmal im Jahr wird die Bezirkliche Leitstelle ein Monitoring durchführen, um festzustellen: Wie verändert sich Lichtenberg, insbesondere die Altersstruktur in den einzelnen Ortsteilen? Wie sieht es aus mit dem Anteil Demenzkranker im Bezirk? Welche Betreuungsangebote gibt es vor Ort? Und vor allem: Welche Anforderungen ergeben sich daraus?

Kampagne zur Mitarbeitergewinnung

Nicht nur die Volkssolidarität klagt über Fachkräftemangel. Deshalb hat sie eine Kampagne gestartet, um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Aber auch die Einbindung von Freiwilligen und Ehrenamtlichen wird an Bedeutung gewinnen. Zusammen mit Organisationen wie der Ehrenamtsbörse der Volkssolidarität oder der FreiwilligenAgentur sollen Menschen gewonnen werden, die gerne mit Demenzkranken arbeiten möchten. Sie können natürlich keine Fachkräfte ersetzen, aber bestimmte Angebote sinnvoll ergänzen. Das geht vom Einkaufen über Begleitung zum Arzt bis hin zur Betreuung in Senioreneinrichtungen. Damit wird auch ein Hauptanliegen von demenzfreundlichen Kommunen umgesetzt: den Erkrankten eine gleichberechtigte und erfüllte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in der Nachbarschaft zu ermöglichen.

Für Betroffene und Angehörige gibt es kompetente Ansprechpartner in den drei Pflegestützpunkten im Bezirk Lichtenberg. Die Volkssolidarität betreibt einen in der Einbecker Str. 85, der sehr gut mit anderen Einrichtungen vernetzt ist. Jennifer Hitzek steht ebenfalls gern für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

Hier finden Sie Ansprechpartner:

Bezirkliche Leitstelle:
Jennifer Hitzek, Einbecker Str. 85, 10315 Berlin, Tel.: 030-9 83 17 63 24
jennifer.hitzek@volkssolidaritaet.de

Pflegestützpunkte Lichtenberg:
Einbecker Straße 85, 10315 Berlin, Tel: 030-98 31 76 30
Rummelsburger Str. 13, 10315 Berlin, Tel.: 030-2 59 35 79 55
Woldegker Str. 5, 13059 Berlin, Seniorenheim Helmut-Böttcher-Haus, Tel.: 030-23 98 02 08
Sprechstunden für alle:
Dienstag 9-15 Uhr, Donnerstag 12-18 Uhr sowie nach Vereinbarung

Weitere Informationen:
www.pflegestuetzpunkteberlin.de
www.hilfelotse-berlin.de
www.demenzleitstelle-lichtenberg.de

 

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