Überzeugter Lichtenberger: Axel Ranisch, Schauspieler und Regisseur

„Hier habe ich meine Wurzeln“

06.01.2018, Birgitt Eltzel

Foto: Emmanuele Contini

Lichtenberg. Er war Schröder, der pummlige, nette Gehilfe des eckigen, ziemlich grantigen Kriminalkommissars: Der aus Lichtenberg stammende Schauspieler, Regisseur und Produzent Axel Ranisch gewann in der Fernseh-Krimiserie „Zorn“ des Mitteldeutschen Rundfunks wohl mehr Sympathien des Publikums als die Hauptfigur Zorn (Stephan Luca) selbst. Die letzte Klappe ist allerdings 2017 gefallen – nach nur fünf Episoden wurde die Reihe eingestellt, die auf Basis von Büchern des Hallenser Bestsellerautors Stephan Ludwig entstand. Ranisch, den wir in seiner Wohnung in Berlin-Lichtenberg besuchten, bekennt: „Ich hätte den Schröder gern weitergespielt.“ So ganz hat der 34-Jährige die Hoffnung noch nicht aufgegeben – immerhin hat Ludwig inzwischen sein siebentes „Zorn“-Buch vorgelegt. Vielleicht realisiert das ja doch noch jemand als Film, ein Sender oder Produzent, der mysteriöse und nicht unbedingt das herkömmliche 0815-Krimiformat bedienende Stoffe zu schätzen weiß.

Zweiter „Tatort“ kommt 2018

Doch auch ohne den pausbäckigen Schröder hat Axel Ranisch alle Hände voll zu tun. Einige Stunden vor unserem Besuch war er gerade beim Schneiden von abgedrehten Folgen der Kindersendung „Löwenzahn“. Der zweite seiner Ludwigshafen-Tatorte, „Waldlust“, wurde ebenfalls 2017 gedreht (Fernsehaufführung 2018). „Babbeldasch“, Ranischs erste Tatort-Regiearbeit, ebenfalls in Ludwigshafen, war allerdings ausgesprochen umstritten. Die Kritiken reichten vom absoluten Verriss („Schlechtester Krimi aller Zeiten“, Bild) bis zu großem Lob für ein außergewöhnliches Fernsehereignis. Immerhin versuchte sich das Team um Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) an einem Improvisationsstück – nach dem Konzept von Autor Sönke Andresen waren den Schauspielern keine Dialoge vorgegeben. Auch in „Waldlust“, der bereits Ende Oktober 2017 bei den Hofer Filmtagen erstmals vorgestellt wurde, wird das beibehalten.

Neues auszuprobieren, macht ihm Spaß

„Ich mache nur Sachen, die ich auch wirklich machen will, die mich tatsächlich interessieren“, sagt Ranisch. Unter unzähligen Fotos an einer Wand im Flur seiner Vier-Zimmer-Wohnung präsentiert er auch die Bild-Schlagzeilen vom schlechtesten Krimi, sorgsam gerahmt. Ein Statement. Denn „Babbeldasch“ mag er nach wie vor sehr, egal, was die Kritiker gesagt haben: „Wir haben etwas Neues ausprobiert, das hat Spaß gemacht.“ An der Wand hängen auch etliche Bilder von Rosa von Praunheim, seinem wichtigsten Mentor.

Diplomfilm mit der eigenen Oma

Ranisch, der offen schwul lebt, hatte noch parallel zum Abitur eine Ausbildung als Medien- und Theaterpädagoge an der DGB-Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin begonnen und 2004 abgeschlossen. Danach leitete er zahlreiche Projekte, u.a. auch im soziokulturellen Zentrum „Kiezspinne“ im Lichtenberger Wohngebiet Frankfurter Allee Süd. Von 2004 bis 2011 studierte er an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam das Fach Regie. Den ersten großen Erfolg landete er schon mit seinem Diplomfilm „Dicke Mädchen“. In der Tragikomödie spielt auch seine Großmutter Ruth Bickelhaupt eine Hauptrolle.

Mann Paul kennt er aus der Grundschule

Diese, Jahrgang 1921, lebt ebenso wie Ranischs Eltern und er selbst in Lichtenberg. „Wir sind Lichtenberger durch und durch, ich habe hier meine Wurzeln“, sagt Ranisch. „Ich bin in Lichtenberg geboren, in meinem Kiez kenne ich jeden Quadratmeter. Ich gehöre hierher und kann mir nicht vorstellen, wieder wegzuziehen.“

Sein Kiez, das ist das Gebiet am Storkower Bogen nahe dem S-Bahnhof Storkower Straße. Dort wohnt er gemeinsam mit seinem Mann Paul, mit dem er schon zusammen in die Grundschule gegangen ist. 2016 sind beide eine eingetragene Partnerschaft eingegangen. Das Paar lebt in der Wohnung, in der Axel Ranisch großgeworden ist. Seine Eltern, ehemalige Spitzensportler, sind vor einiger Zeit an den Anton-Saefkow-Platz gezogen, in die Nähe der Oma. Axel Ranisch, der für kurze Zeit in Friedrichshain wohnte, hat sich mit Paul die vier Zimmer an der Rudolf-Seiffert-Straße umgebaut. Wände wurden versetzt, größere Räume entstanden. Die normierte Plattenbauwohnung ist kaum wiederzuerkennen. Im Flur zeigt der Künstler auf eine Stelle an der Decke. Doch noch eine Erinnerung an die Vergangenheit: „Dort waren damals die Haken für die Schaukel von meiner Schwester und mir.“

Keine Starallüren

Obwohl Axel Ranisch längst als Schauspieler und Regisseur in Deutschland bekannt ist, hat er keinerlei Starallüren. Im Gespräch wirkt er genauso freundlich wie der Schröder im Film. Die Augen hinter der Brille mit dem schwarzen Gestell blitzen, wenn er etwas amüsant oder spannend findet. Und er kann ansteckend jungenhaft lachen. Auch über sich selbst. So erzählt er, wie ihn einmal verunsicherte, dass bei Ikea an der Landsberger Allee Leute hinter ihm tuschelten. „Die haben mich erkannt“, wundert er sich noch heute – als hätten die „Zorn-Filme“ kein Millionenpublikum erreicht. Auch auf Facebook ist Axel Ranisch zu erleben, u.a. mit vor einigen Wochen gestarteten Podcast mit Lichtenbergs Vizebürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD), die er seit langem kennt. Für sie hatte er bereits im Wahlkampf 2016 mit selbstgedrehten Filmchen geworben.

Gleich zwei Premieren

Eines seiner größeren Projekte in diesem Jahr wird Axel Ranisch in seinem Heimatbezirk realisieren: Im THEATER AN DER PARKAUE führt er Regie bei dem Stück von Christine Nöstlinger „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“. Die Arbeiten dafür beginnen am Montag, 8. Januar. „Er zieht alle Register, um das Publikum vom Lachen ins Weinen und zurück zu treiben“, heißt es in der Vorankündigung des Theaters. Die Premiere (Bühne 2) findet am 24. Februar 2018 statt. Vier Tage später, am 28. Februar, liest Axel Ranisch um 20 Uhr aus seinem humorvoll-schrägen Debütroman „Nackt über Berlin“ (Buch-Premiere) in der Backfabrik Clinker Lounge, Saarbrücker Straße 36a. Der Schauspieler Robert Gwisdeck sagt: „Das Buch ist der Killer“.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden