Hund + Katz

Herzilein…

13.11.2016, Birgitt Eltzel

Zeichnung und Foto: Birgitt Eltzel

Der größte Alptraum unseres Hundes beginnt, wenn er zum Tierarzt muss. Er merkt anscheinend im Auto schon, wohin wir fahren und jammert bereits beim Aussteigen – egal, ob er wirklich Schmerzen hat oder nur der jährliche Gesundheits-Check ansteht. Terriermix Rudi kriecht, kaum sind wir im Wartezimmer angekommen, unter einem Stuhl und winselt vor sich hin. (Ähnlich würde sich übrigens auch unser Kater Winnie verhalten, doch der sitzt beim Tierarzt im festverschlossenen Katzenkorb und kann sich nicht verstecken.) Im Behandlungsraum wird es noch schlimmer: Nichts geht mehr ohne Maulkorb, Rudi schnappt sonst nach allem und jedem. Erst wenn wir die Praxis wieder verlassen haben, beruhigt sich das Tier und wird wieder zu einem Hund, den Mütter gern ihren Kindern zeigen: „Guck mal, der Wauwau ist aber brav.“ Na ja.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Weil schon der Besuch beim Tierarzt für alle Beteiligten jedes Mal eine große Aufregung bedeutet, hatten wir lange gezögert, Rudi zum Hundefriseur zu bringen. Der hatte das dann doch ziemlich nötig und kam schließlich im Sommer das erste Mal mit Shampoo, Spülung und Schere in Berührung. Dass sich das Resultat sehen lassen konnte, haben wir an dieser Stelle schon mitgeteilt. Nun war er zum zweiten Mal dort, und es gefällt ihm anscheinend immer besser. Was vielleicht daran liegt, dass die Friseuse drei eigene Hündinnen in ihrem Salon hat und Rudi sich nicht vor ihnen blamieren will. Ein Mann ist schließlich ein Mann und kann auch nicht ganz so angenehme Situationen mit Würde durchstehen, wenn er will. Vor allem, wenn Frau bewundernd zuschaut.

Wellness ist eine feine Sache

Vielleicht liegt liegt es aber auch daran, dass beim Waschen, Schneiden und Fönen ausgiebig mit ihm geschmust wird. „Herzilein“ heißt es dann immer, „Dicker“, „Süßer“ oder „Schöner“, dazu gibt es Streicheleinheiten und Massage. Und es werden ein, zwei, drei (manchmal auch noch mehr) Leckerli gereicht – denn auch solche schönen Dinge hält unser Hundesalon parat. Rudi hat den Laden und seine Besitzerin jedenfalls lieben gelernt. Kommen wir bei Spaziergängen in die Nähe des Salons, verhält sich der Hund völlig anders als bei der Tierarztpraxis: Zum Friseur geht er inzwischen freiwillig. Er hat mitbekommen, dass Wellness eine ziemlich feine Sache ist.

Fell-Tattoo

Auch die Friseuse mag unseren Hund, der friedlich alle Verschönerungsarbeiten über sich ergehen lässt. Den Maulkorb können wir dort wegpacken. Wie tief die Liebe geht, ist uns aber erst einige Tage nach der Behandlung aufgefallen. Sie hat das Fell auf Rudis Brust so geschnitten, dass dort ein kleines Herz zu sehen ist, wenn man genau hinschaut …

Sein Fell-Tattoo zeigt der Hund mit Stolz. Jetzt sind die Haare allerdings schon wieder ziemlich nachgewachsen, es wird Zeit, einen neuen Friseurtermin auszumachen. Rudi soll schließlich zum Weihnachtsfest schmuck aussehen. Und damit er an kalten Wintertagen nicht friert, bekommt er ein Mäntelchen. Mit aufgedrucktem oder aufgesticktem Herzchen, versteht sich.

 

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