Hellersdorfer Promenade: Erster Block wird saniert

Grüne Balkone und rostrote Fassaden

31.08.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Dort, wo sich Erker an den fünfgeschossigen Plattenbauten befinden, sind an einigen Häusern bereits Löcher in der Fassade zu sehen. Die Deutsche Wohnen, seit April 2013 Eigentümer des Quartiers rund um die Hellersdorfer Promenade, wird da Balkone anbringen. Insgesamt 80 zusätzliche Loggien sollen entstehen und nicht nur mehr Komfort für die Mieter der betreffenden Vierzimmer-Wohnungen bringen. „Wir erhoffen uns dadurch auch eine Belebung der Promenade“, sagt Stefan Degen, Geschäftsführer Deutsche Wohnen Construction und Facilities GmbH. Während der bis 2017 andauernden Sanierung der Häuser mit rund 1.300 Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen bekommen die Gebäude eine neue wärmegedämmte Fassade in rostroten Tönen, der Oberputz erhält eine gekämmte Struktur. Die Balkonverkleidung wird grün. „Das ergibt eine gewisse Erdigkeit, die Häuser werden nicht mehr an klassischen Plattenbau erinnern“, sagt Degen.

Die Mieten steigen
In diesem Sommer haben die Arbeiten am ersten der sechs Blöcke begonnen. „Wir wollen das Quartier entwickeln und haben uns daher für eine umfangreiche Sanierung der Gebäude entschieden“ sagt Lars Urbansky, Geschäftsführer der Deutsche Wohnen Immobilien Management GmbH bei einem Presserundgang vor Ort. Etwa 20 Millionen Euro wird das börsennotierte Wohnungsunternehmen, mit knapp 150.000 Wohnungen eines der größten in Deutschland, dafür verwenden. Nicht nur die Fassaden und Balkone werden erneuert, es werden auch alte Fenster ausgetauscht sowie die Dächer und Eingangsbereiche saniert. Auch die Grünflächen sollen neu gestaltet werden. Versiegelte Flächen sollen verschwinden und übermäßiger Bewuchs, neue Spielplätze und Ruheinseln sind geplant. In den Wohnungen selbst wird allerdings immer erst zwischen Auszug der Mieter und Neubezug modernisiert. Die durchschnittliche Nettokaltmiete beträgt derzeit 4,42 Euro je Quadratmeter. Sie wird auf 5,45 Euro nach der Modernisierung steigen. „Das ist noch unter dem, was der Mietspiegel hergibt. Wir haben geprüft: Damit sind die Wohnungen weiterhin für Bezieher von Transferleistungen durch das Jobcenter förderungsfähig”, sagt Urbansky. In Härtefällen werde es Einzelprüfungen geben, versichert er.

Viele Ankündigungen, nichts geschah
„Wir freuen uns sehr darüber, dass sich an diesem Ort nun endlich etwas tut“, sagt Marzahn-Hellersdorfs Stadtentwicklungs-Stadtrat Christian Gräff (CDU). Denn nach dem Verkauf durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land in den 1990er-Jahren hatte es mehrere Investoren mit großen Plänen für das Quartier gegeben – die allerdings nie verwirklicht wurden. Besonders tragisch ist der Fall Level One. Die längst Pleite gegangene österreichische Gesellschaft hatte großspurig ein Europa-Viertel angekündigt. Touristenmagnet sollte es werden, die Häuser gestaltet durch berühmte französische Fassadenmaler. Nur das „deutsche Haus“ an der Quedlinburger/Ecke Stendaler Straße wurde fertig. Dessen Fassade soll bei den Sanierungsarbeiten erhalten bleiben.

Gute Mischung
Noch zählt der Kiez um die Hellersdorfer Promenade zu den sozial schwächsten in der Hauptstadt. Lars Urbansky glaubt, dass sich das ändern wird: „Wir wollen hier eine gute Mischung der Bewohnerschaft.“ Mit der Sanierung werde das Quartier auch für Menschen mit höherer Kaufkraft attraktiver. Dass damit auch die Frage der leerstehenden Läden in den Erdgeschossen der Häuser geklärt wird, glaubt er allerdings ebenso wenig wie der Stadtrat, der auch für Wirtschaft zuständig ist. „Die klassische Einkaufsmeile hat sich überlebt“, sagt Christian Gräff. „Berlin insgesamt hat eine unterdurchschnittliche Kaufkraft und einen überdurchschnittlichen Zuwachs an Einzelhandelsfläche“, kritisiert er. Wenn jetzt am Potsdamer Platz weitere 30.000 Quadratmeter ans Netz gingen, werde das auch Auswirkungen auf bestehende Zentren in Marzahn-Hellersdorf haben.

Nicht die x-te Versicherung
Die Deutsche Wohnen sei gerade dabei, ein Konzept für die Gewerbeflächen im Kiez zu erstellen, sagt Geschäftsführer Urbansky. „Wir wollen auch dabei eine gute Mischung erreichen. Und als großes Unternehmen, das in diesem Jahr 90 Jahre alt wird, sind wir auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, einfach an die x-te Versicherung hier zu vermieten.“ Die Deutsche Wohnen werde, wie bereits mehrfach geschehen,  weiterhin Vereinen und freien Trägern kostengünstig leere Läden zur Verfügung stellen. „Wir denken aber auch darüber nach, ob man solche Räume für Studentenwohnen, als Künstlerateliers oder für altersgerechtes Wohnen herrichten kann“, ergänzt Stefan Degen.

 

 

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