Gedankenbrösel zum Sonntag

Hat jemand schon Burnout bestellt?

07.05.2017, Mike Abramovici

Foto: Katrin Pohle. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

 



S
chöne neue Welt, moderne Zeiten. Als Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre Charlie Chaplin mit Schraubenschlüssel durch die Gegend stapfte und am Ende kaputt vor dem Fließband lag, war das der erste Burnout im Kino, und niemand konnte ahnen, dass es der Anfang vom Ende sein würde.

Selbst als Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre Arnold Schwarzenegger als Terminator über die Leinwand huschte, als es da hieß, die Maschinen haben die Macht übernommen, waren wir alle erschrocken.

Und jetzt? Da quasseln Alexa und der Kühlschrank mit uns, meine neue Freundin Siri spricht ständig mit mir, ich kann ihr meine geheimsten Wünsche anvertrauen, sie antwortet sogar. Für die Eine oder den Anderen, welche zu Hause sitzen und Alexa anschreien, was sie machen soll, mag das praktisch sein. Oder wird die Welt einfach nur noch faul? Der Kühlschrank bestellt literweise Milch und andere Lebensmittel nach, kleine Drohnen von Amazon bringen CD’s und Hosen, ohne dass ich es wollte. Mein Navi führt mich in Gegenden, die ich nicht kenne, ohne dass ich eigentlich dahin wollte. Wir sind auf dem besten Wege, unsere Gehirne auszuschalten. Und diejenigen Menschen, welche ihre Gehirne noch benutzen, bauen dann solche Geräte.

Ganz doofe Menschen glauben, was im Internet steht, wäre die Wirklichkeit. Es dauert nicht mehr lange, und wir legen unsere Smartphones ins Klobecken und machen einen Haufen darauf. Und das Smartphone macht die Diagnose, statt dass wir zum Arzt gehen. Ganz dicke kommt es jetzt mit diesen ganzen Online-Stylisten, die mir sagen, was ich anziehen soll. Vor ein paar Wochen ging ich noch selbst in den Laden, andere Menschen vertrauten meiner Meinung und ließen sich beraten.

Ich glaube, etwas weniger von all dem täte uns gut. Wir sollten uns wieder auf uns selbst besinnen. Es ist schließlich keine Schande, in einem Laden selbst einzukaufen. Es ist nicht schlimm, auch mal das Telefon auszuschalten. Statt das iPhone zu fragen, ob es regnet, sollten wir einfach aus dem Fenster schauen. Ein bisschen Selbstvertrauen kann uns allen nicht schaden, sonst stehen wir eines Tages wirklich da und sagen, die Maschinen haben die Macht übernommen. Dann ist nichts mehr mit Leben – Lieben – Lachen, dann ist es gruselig! Aber wir werden es ja bestimmt nicht soweit kommen lassen, hoffe ich.

Euer Brösel

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