Hund + Katz

Harry und Sally – verkehrt herum

27.08.2017, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Es war ein stressiger Tag. Endlich ist Ruhe eingekehrt. Herrchen sitzt vor der Glotze, wo irgendein Fußballspiel läuft, Frauchen hat sich bequem auf der Couch ausgestreckt und würzt das Geschehen im TV mit ihren Kommentaren. Was der Herr des Hauses sich immer mal wieder laut zischend verbittet. Der Hund liegt beiden zu Füßen, nachdem er den halben Tag im Garten Hummeln, Vögel und vorbeifahrende Autos verbellt hat, hat er keinen Spaß mehr an Action. Rudi schläft den Schlaf des Gerechten. Wenigstens sieht es so aus. Denn mindestens mit einem Auge beobachtet er, was seine Ressourcen für Streicheleinheiten, Futtergaben und Spiel so treiben. Alles ruhig, na gut.

Doch dann kommt Kater Winnie geschlichen. Er springt mit einem Riesensatz auf Frauchens Bauch, versucht sich dort eine Kuhle zu treten und rollt sich schließlich zufrieden schnurrend ein. So schön weich und kuschlig, und warm ist es auch noch.

Was will denn der?

Der Hund ist wenig begeistert. Was will denn der da? Eigentlich zieht es ihn selbst überhaupt nicht auf die Couch, dem schlappen 30-Pfünder würde auch nicht gestattet, auf Menschenbauch sein Lager aufzuschlagen. Und auf dem dicken Wollteppich ist es ja auch wirklich angenehm. Dort kann man sich strecken und recken wie es einem gefällt. Aber der darf? Und ich nicht? Gemein! Rudi ist plötzlich hellwach. Er fängt ein wenig an, am Katzenschwanz zu ziehen. Miaauuu! Winnie zieht beleidigt eine Schnute und fährt schon mal vorsichtshalber drei Krallen aus. Den Hund stört das nicht. Er stößt mit seiner Schnauze ins Katzenfell, fängt an, mit den Zähnen zu kneifen: Geh weg da, aber ein bisschen plötzlich!

Es ist gewissermaßen wie bei dem Filmklassiker „Harry und Sally“, nur umgekehrt. Wir erinnern uns: In der Kultszene im Restaurant spielt Sally ihrem Harry einen Orgasmus vor und eine daneben sitzende Kundin bestellt beim Kellner mit Blick auf das Pärchen: „Ich will ganz genau das, was sie hatte.“ Rudi will zwar nicht das, was Winnie hat – aber der Kater soll es auch nicht haben. Als alles Stänkern nicht hilft, springt der Hund kurzerhand aufs Sofa. Der Rest ist Bellen und Kreischen.

Wer spielt denn eigentlich?

„Tor, Tor“, ruft der Sportreporter aus dem Fernseher. Wer es für wen geschossen hat, geht leider im Tumult der Streithähne im Wohnzimmer unter. Herrchen verdreht genervt die Augen und verbannt die Tiere. Sie müssen den Rest des Abends im Flur verbringen. Dort kuscheln sie sich dicht zusammen: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und Frauchen kriegt auch eine Ansage: Beim Fußball muss Ruhe sein. Sie sagt spöttisch: So, so. Um dann hinzuzufügen: Wer spielt denn eigentlich?

Der Abend ist damit gelaufen.

 

 

 

 

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