Berlins erstes EnergiePlusHaus in der Sophienstraße

Grünes Leben im Weitlingkiez

13.03.2014, Andrea Scheuring

Fotos 1-3: Andrea Scheuring; Foto 4: LaVidaVerde

Lichtenberg. Noch sind die Arbeiter am Innenausbau des ersten Berliner EnergiePlusHauses in der Sophienstraße 35. Sobald die geplante Solaranlage auf dem Dach installiert ist, die Arbeiten an der Fassade abgeschlossen und die Baugerüste verschwunden sind, spätestens aber im August 2014 will das Wohnprojekt „LaVidaVerde“, was übersetzt so viel wie grünes Leben bedeutet, mit 27 Erwachsenen und 11 Kindern – das jüngste gerade einmal drei Monate alt – in die neue Heimstatt einziehen. Die gemischte Gruppe aus Jung und Alt wird auf vier Etagen und insgesamt 1.240 Quadratmetern Wohnfläche in 18 Wohnungen zusammenleben.

Als Modellprojekt gefördert
„Wir möchten mit unserem Konzept zeigen, wie mit Energie bewusst umgegangen und Wohnraum ressourcensparend bewirtschaftet werden kann“, erklärt Jana Werner von „LaVidaVerde“ die Grundidee des Hauses, das als Modellprojekt für nachhaltigen Neubau über die „Forschungsinitiative Zukunft Bau“ vom Bundesbauministerium gefördert wird. Es stellt die Einhaltung von Höchststandards beim Klimaschutz sicher. „EnergiePlus“ im baulichen Kontext innovativer Umwelttechnik bedeutet dabei nicht nur, den Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen zu senken. Das Wohngebäude wird künftig kaum Wärme und Strom aus dem Netz abnehmen, sondern beides weitestgehend selbst produzieren. Dies soll durch optimale Fassadengestaltung und Dämmung, Wärmerückgewinnung aus Abluft und Abwasser sowie Regen- und Grauwassernutzung geschehen. Zentraler Bestandteil des ökologischen Konzepts ist die geplante Photovoltaik-Anlage, für deren Finanzierung derzeit noch Direktkredite von Privatpersonen ab 1.000 Euro gesucht werden. Das Sonnendach soll nicht nur ausreichend Energie für die Deckung des Strombedarfs im Haus liefern, sondern dazu beitragen, über das Jahr einen Stromüberschuss zu produzieren, der dann an interessierte Mieter in der Nachbarschaft verkauft werden kann. Dafür wird nun in einer eigens gegründeten Gesellschaft ein rechtssicheres Konzept entwickelt.

Garten gemeinschaftlich genutzt
Für die gemeinschaftliche Nutzung ist unter anderem ein 800 Quadratmeter großer Garten mit Kinderspielplatz vorgesehen. Dieser soll – ebenso wie die Gemeinschaftsräume im rollstuhlgerecht konzipierten Erdgeschoss – künftig auch für Veranstaltungen von Kiezinitiativen geöffnet werden. Daneben besteht die Idee, später auch Schülergruppen im Rahmen des EnergiePlus-Konzepts durch das Haus zu führen und ihnen die ressourcenschonende Technik zu erläutern, mit der hier 80 Prozent weniger Wärme, Strom und Wasser als durchschnittlich verbraucht werden sollen. Angedacht sind auch die Einrichtung einer eigenen Elektrofahrrad-Tankstelle und die Installation eines Windrades im Garten des Hauses. „Zukunftsmusik“ nennt Jana Werner diese Pläne, zu denen auch der gemeinsam mit Nachbarn zu realisierende Bau einer Lärmschutzwand am nahegelegenen S-Bahndamm gehört.

Mehrere Generationen unter einem Dach
„Wir wollen hier nicht nur in mehreren Generationen miteinander leben, sondern uns auch für andere im Kiez öffnen und Dinge teilen“, beschreibt Jana Werner den Ansatz des Hausprojektes – nachbarschaftliches Engagement im Sinne von Geben und Nehmen. Denn bereits bei der Finanzierung der insgesamt 2,7 Millionen Euro Baukosten für das Wohnprojekt, die neben Bankkrediten durch kleinere Direktkredite von privaten Personen abgesichert wurden, haben die Nachbarn geholfen. „Gut 130.000 Euro an Direktkrediten, also jeder sechste Privatkredit, der im Projekt steckt, kommt aus dem Weitlingkiez. Die Leute können vor Ort sehen, wo ihr Geld hingeht“, freut sich Jana Werner.

Keine Luxuswohnungen
Organisiert ist das neue Hausprojekt, das soziale und ökologische Aspekte vereint, im „Mietshäuser Syndikat“. Damit ist auch klar, dass hier keine Luxus- oder Eigentumswohnungen entstehen. Gemeineigentum an Grund und Gebäude – in Selbstverwaltung getragen, das sozial verträgliche Mieten (im Fall von „LaVidaVerde“ ca. neun Euro Bruttowarmmiete je Quadratmeter) und Nutzungsräume für verschiedene Gruppen gleichermaßen in Aussicht stellt, ist seit mehr als 20 Jahren die Kernidee des „Mietshäuser Syndikats“.

„Wir hätten gerne mehr solcher Hausprojekte im Bezirk. Besonders der Ansatz, sich in den Kiez einzubringen, findet unsere Unterstützung“, betonte Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) auf dem 39. Forum Weitlingkiez am Dienstag, 11. März, mit Blick auf den nach wie vor anhaltenden Zuzug in den Bezirk. Prognosen gehen von mehr als 20.000 neuen Bewohnern im Bezirk Lichtenberg bis zum Jahr 2030 aus.

Weitere Informationen zum Wohnprojekt: www.lavidaver.de

Um „Wohnen und Leben im Weitlingkiez“ geht es am Sonnabend, 22. März, auch beim 2. Kiezdialog, zu dem Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) eingeladen hat. Treffpunkt des Rundgangs ist um 10 Uhr der Kontaktladen „enterprise“ der Stiftung SPI in der Eitelstraße 86. Möglichkeit zur Diskussion besteht anschließend (ab etwa 11.30 Uhr) im „Margaretentreff“ der AWO, Margaretenstraße 11.

 

 

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