Paten für Steppenmöwe gesucht

07.12.2016, Pia Szecki

Marzahn. Großmöwe mit Anflugtrauma sucht Paten: Am 28. September fand eine Passantin die verletzte Steppenmöwe am Fahrbahnrand der Landstraße zwischen Ketzin und Zachow entlang der Havel (Landkreis Havelland/ Brandenburg). Die genaue Ursache für die Verletzung, die das Tier flugunfähig machte, ist nicht bekannt. Vermutlich wurde es aber von einem Fahrzeug angefahren. Die Verletzung der Möwe erforderte einen langen Aufenthalt in der Tierklinik Düppel. Erst Mitte November konnte die Steppenmöwe in die Obhut der Wildvogelstation in Marzahn übergeben werden. Nach Auskunft des Naturschutzbund Deutschland (NABU) gelingt es dem Fachpersonal dort allmählich, das Tier auf die bevorstehende Wiederauswilderung vorzubereiten. Hier braucht es einen langen Atem und gute Pflege.

Spannend sind die Hintergrundinformationen zum Vogel, denn die Steppenmöwe (Larus cachinnans) trägt einen Ring mit Zahlen-Code.  Nach intensiver Recherche konnte André Hallau, Leiter der NABU-Wildvogelstation, herausfinden, dass der männliche Vogel am 5. Mai 2014 etwa 50 Kilometer westlich von Lublin, in Westpolen, bereits im Alterskleid beringt wurde. Damit steht fest, dass das Tier nicht an der Küste, sondern im Binnenland beringt worden ist. Die Distanz zwischen Beringungs- und Fundort beträgt 634 Kilometer. Hier wird deutlich, welche großen Strecken Steppenmöwen auf der Suche nach neuen Nahrungs- und Bruthabitaten zurücklegen können. „Es ist einfach eine tolle Sache, wenn man aufgrund der wissenschaftlichen Beringung, den Lebensweg eines Vogels nachvollziehen kann“, freut sich André Hallau.

Großmöwen, zu denen auch die Steppenmöwe zählt, brüten auch in Berlin und hier bevorzugt auf exponierten Gebäuden. So gibt es Brutnachweise für die Silbermöwe (Larus argentatus) vom Kiesdach des Alexa. Sie wurde vor sechs Jahren als 181. Brutvogelart Berlins dokumentiert. Für die Steppenmöwe konnte – vielleicht aufgrund der schwierigen Erfassung – für Berlin erst ein einziger Brutnachweis im vergangenen Jahr erbracht werden. Damit die Steppenmöwe bald wieder gesund aus der Obhut der NABU-Wildvogelstation entlassen werden kann, wird nun ein Pate oder eine Patin gesucht. Die Pflege und Wiederauswilderung eines solchen Vogels beläuft sich auf mindestens 300 Euro.

 

 

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