Gedenkstele wird eingeweiht

18.09.2017, Pia Szecki

Marzahn-Hellersdorf. Auf Initiative der Interessengemeinschaft Krankenhauskirche, des Vereins Wuhlgarten – Hilfsverein für psychisch Kranke e.V. und der Bezirksverordnetenversammlung wird am Mittwoch, 20. September, um 11.30 Uhr in der Grünanlage gegenüber dem Buckower Ring 11 eine Gedenkstele zur Erinnerung an den ehemaligen Friedhof der Anstalt Wuhlgarten eingeweiht. Im Beisein der Bezirksstadträte Juliane Witt (Die Linke) und Johannes Martin (CDU) wird das neue Denkzeichen der Öffentlichkeit übergeben. Es wird dazu beitragen, die Erinnerung an diese dunkle Periode lebendig zu erhalten.

Stadträtin Witt dankt dem Verein und der Interessengemeinschaft Kirche, die hier rund um den Brebacher Weg engagiert sind: „Wissen statt Vergessen, das ist ihr Auftrag. Als Vorsitzende der ‚Kommission Gedenkorte Marzahn-Hellersdorf‘ bin ich sehr berührt, wie sachlich und akribisch die Geschichte für die heutige Generation aufgearbeitet wird.“ Stadtrat Martin ergänzt: „Die Stele wird als Wegweiser dienen, um Aufmerksamkeit auf diesen Ort zu lenken und sich mit dessen Geschichte auseinander zu setzen.“

Das Krankenhausgelände, von Stadtbaurat Hermann Blankenstein entworfen und gebaut, wurde 1893 als „Anstalt für Epileptische Wuhlgarten bei Biesdorf“ mit 1.000 Betten eröffnet. Die erste Bestattung auf dem Anstaltsfriedhof, heute noch an der Backsteinmauer erkennbar, fand am 1. Dezember 1893 statt. Im Zentrum des Friedhofs befand sich eine Kapelle, die heute nicht mehr vorhanden ist. Der Friedhof war für 30 bis 40 Beerdigungen pro Jahr ausgelegt. Ab 1939 stiegen die Sterbefälle unverhältnismäßig stark an. Waren es 1936 noch 177 Sterbefälle, so waren es 1941 bereits 1020. Nachgewiesen sind 222 Kriegsopfer, die auf dem Friedhof beerdigt sind. Die meisten Menschen, die in dieser Zeit dort in Sammelgräbern beerdigt wurden, starben durch Infektionskrankheiten, Hunger, Bombenangriffe oder Erschöpfung. Am Ende des Zweiten Weltkrieges reichte die Kapazität des Friedhofes nicht mehr aus, so dass er nach Osten erweitert wurde. Es wurden Massengräber angelegt, in denen über 3.000 Tote bestattet sind.

Die Gedenkstele ergänzt die langjährige Forschungs- und Erinnerungsarbeit zur Anstalt Wuhlgarten. 2014 erschien das Buch „Die Heil- und Pflegeanstalt Wuhlgarten 1933 – 1945. Ein Ort bekennt sich zu seiner Vergangenheit“. Am Gedenkort Wuhlehang sind am authentischen Ort eines Massengrabes drei Stelen zur Geschichte der Anstalt aufgestellt. Eine kleine Ausstellung gibt in der Krankenhauskirche Auskunft zu diesem Thema. Mehr als 17.000 Namen sind in einer Datenbank erfasst. Sie dienen heute auch zur Schicksalsklärung.

Erarbeitet wurde die Gedenkstele von Constanze Lindemann, Werner Scuda und Detlev Strauß von der Interessengemeinschaft Krankenhauskirche zusammen mit der SPD-Bezirksverordneten Christiane Uhlich. Der Wuhlgarten – Hilfsverein für psychisch Kranke e.V. hat die Stele in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt gesetzt. Die Gestaltung stammt von Schwalbe-Grafik.

 

 

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