Deutsch-Russische Festtage 2017 in Karlshorst fallen aus

Gazprom dreht den Hahn zu

04.05.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Marcel Gäding (1,3,6,7), Lutz Neumann (5), Volkmar Eltzel (2), screenshot (4). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Karlshorst. Es hätten die elften Deutsch-Russischen Festtage im kommenden Juni auf dem Gelände des Pferdesportparks Berlin-Karlshorst werden sollen. Mit vielen Begegnungen, Gesprächen, Musik und Tanz. Das Motto „780 Jahre Berlin – 870 Jahre Moskau“ stand auch schon fest. Doch aus der Fortsetzung der Tradition wird in diesem Jahr nichts. Wie der Vorsitzende des Deutsch-Russische Festtage e.V., Steffen Schwarz, LiMa+ gegenüber mitteilte, hatte die Mitgliederversammlung des Vereins schon im März den Beschluss gefasst, die Veranstaltung 2017 ausfallen zu lassen. „Wir haben von unserem bisher größten Sponsoren, der Gazprom Germania GmbH (Unterstützer des Festivals seit 2007, die Redaktion) in diesem Jahr keine Mittel bekommen“, sagte Steffen Schwarz. Dann sprangen weitere Sponsoren, bis auf ein russisches Unternehmen, ab. Damit sei die Finanzierung quasi geplatzt.

Ob die wirtschaftlichen Probleme des Gasriesen seit Anfang 2017 hinter der Absage steckten oder ob sie womöglich eine Folge der EU-Sanktionen gegenüber Russland ist, dazu wollte Schwarz keine Vermutungen anstellen. Von den Verantwortlichen der Gazprom Germania gab es zu dem Sachverhalt keinerlei Auskünfte.

Die PAO Gazprom ist mit 110 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung und über 400.000 Beschäftigten das weltweit größte Erdgasförderunternehmen. Der russische Staat hält 50 Prozent und eine Aktie und hat auch die Mehrheit der Sitze im Aufsichtsrat. Der Großkonzern liefert seit über 40 Jahren Erdgas nach Deutschland.

Neues Konzept für Festtage 2018?

Vergeblich hatte der Verein noch versucht, Landesmittel für das Projekt im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau zu erhalten. Vom Senat habe es allerdings eine Ablehnung gegeben, so Schwarz. Auf dem offiziellen Hauptstadtportal www.berlin.de, wird (per 3. Mai 2017) immer noch für die Veranstaltung geworben, jedoch mit unbekanntem Termin (siehe auch Screenshot-Foto).

„Durch die Veranstaltungsabsage hat unser Verein auch einen gewissen Mitgliederschwund zu verzeichnen, was sehr bitter ist“, sagte der Vorsitzende. Dennoch sei dessen Existenz derzeit nicht gefährdet. Den Künstlern und allen Mitwirkenden habe man frühzeitig abgesagt, Verträge waren noch nicht geschlossen worden. „Wir bleiben trotz allem optimistisch, dass es 2018 wieder Deutsch-Russische Festtage gibt und sondieren dazu gerade die Möglichkeiten.“ Die Hohenschönhausener Wohnungsbaugesellschaft Howoge hatte sich schon vor Jahren als Mitsponsor der Veranstaltung verabschiedet.

Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) bedauert, dass das Fest ausfallen muss. Der Bezirk hatte schon zugesagt, dort selbst eine Bühne zu betreiben. „Die bisherigen Deutsch-Russischen Festtage waren auch immer ein Signal, dass wir bei aller berechtigten Kritik an der Politik Russlands die Gespräche nicht abreißen lassen“, sagte er. Das Bezirksamt habe den Verein angeregt, über ein neues Konzept nachzudenken, um das Fest – ohne die Abhängigkeit von Sponsoren – wieder auf die Beine zu stellen.

Rückschlag für den Pferdesportpark

Auch für den Pferdesportpark Berlin-Karlshorst, der seit Jahren ums Überleben kämpft, ist der Wegfall der Festtage ein herber Rückschlag. „Wir werden auf jeden Fall am Sonntag, 11. Juni, einen sommerlichen Sonntagsrenntag mit einem kleinen Fest für Familien durchführen“, sagt der Geschäftsführer Dimitrios Vergos. Natürlich sei ihm klar, dass die Besucherzahlen der Deutsch-Russischen Festtage von zuletzt über 130.000 so nicht zu erreichen sind. Wie hoch die Umsatzeinbußen für den Pferdesportpark werden, könne er erst nach dem Renntag einschätzen. Das Rennbahn-Areal hatte der Pferdesportpark bisher zu einem symbolischen Preis für das Festival zur Verfügung gestellt. Die Besucher hatten kostenlosen Zugang.

Kultureller Austausch geht weiter

Walter Gauks, Mitorganisator der Festtage und Bundesvorsitzender bei Jugend LmDR Deutschland (Landsmannschaft der Deutschen aus Russland) sowie Vorsitzender des Integrationshauses Lyra e.V., bezeichnet den Wegfall als tiefen Einschnitt in das kulturelle Leben Lichtenbergs. „Wir werden uns weiter für den kulturellen Austausch zwischen Deutschen und Russen engagieren“, sagt er. Als kleinen Ersatz gebe es am Freitag, 7. Juli, rund um das Integrationshaus Lyra an der Friedrichsfelder KULTschule, Sewanstraße 43, ein großes Fest für Kinder und Familien, bei dem auch der Verein Deutsch-Russische Festtage e.V. ein Partner sei. Bürgermeister Michael Grunst hat schon die Bühne zugesagt, die eigentlich für die Deutsch-Russischen Festtage eingeplant war.

 

 

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