Neue Selbsthilfegruppe sucht weitere Mitstreiter

„Anpfiff – Fußball ohne Alkohol“

22.03.2017, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich (1), Birgitt Eltzel (2)

Marzahn-Hellersdorf. Fußball und Alkohol – für viele gehört das zusammen. Sich vor einem Spiel in Stimmung bringen, im Stadion oder beim Public Viewing dann die Mannschaft anfeuern und nach dem Sieg im Biergarten sitzen – dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, vorausgesetzt, die Promille im Blut halten sich in Grenzen. So war es lange Zeit auch für Markus, wenn am Wochenende sein Verein spielte.

Es ging nicht mehr ohne gemeinsames Trinken

„Das fing eigentlich ganz harmlos an“, erinnert er sich, „ich habe mich mit Kumpels getroffen, wir haben was getrunken und sind dann losgefahren. Auf den Rängen war auch immer eine tolle Stimmung, wir fühlten uns wohl mit den Tausenden anderen Fans. Danach haben wir dann weiter gefeiert. Das Fußballspiel war schon wichtig, ging aber nicht mehr ohne gemeinsames Trinken.“ Mit den Jahren floss immer mehr Alkohol. Als er es selbst merkte, war es fast zu spät. Er zog die Reißleine. „Jetzt bin ich ein Jahr lang trocken“, sagt er nicht ohne Stolz. Zum Fußball geht er immer noch gerne, aber ohne „Wegbier“, und hat trotzdem Spaß. Das möchte er auch anderen vermitteln und kam so auf die Idee, eine Selbsthilfegruppe „Fußball ohne Alkohol“ zu gründen. Bei Tilmann Pfeiffer von der Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle Marzahn-Hellersdorf stieß er damit auf offene Ohren. „Wir haben im Bezirk 97 Selbsthilfegruppen mit rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern“, erklärt er, „aber so eine Gruppe gab es bisher noch nicht.“ Also setzten sie sich zusammen und heraus kam „Anpfiff – Fußball ohne Alkohol“.

In der Gruppe über Probleme reden

Eine Selbsthilfegruppe funktioniert nur, wenn es Leute gibt, die mitmachen. Gesucht werden leidenschaftliche Fußballfans nicht nur aus Marzahn-Hellersdorf, Männer und Frauen, die im Stadion oder vor dem heimischen Fernseher mehr Alkohol konsumieren als eigentlich gut für sie wäre und die das ändern möchten. In der Gruppe können sie sich mit anderen darüber austauschen und gemeinsam nach Wegen suchen, dieses Problem zu lösen. Markus weiß, wie schwierig es ist, das mit sich selbst auszumachen. Mit anderen Menschen, die das Gleiche erlebt haben oder erleben, fällt es leichter.

Gewalt rund um die Spiele

Die gesundheitlichen Probleme, die Alkohol versursacht, sind das eine. Er ist auch oft die Ursache oder der Auslöser für Straftaten in und vor Stadien. Zwar verzeichnete die Berliner Polizei 2015 einen leichten Rückgang der Straftaten rund um Fußballspiele, aber das sind nur die, die zur Anzeige kamen. Wer einmal nach einem Fußballspiel, insbesondere mit auswärtigen Mannschaften, mit der S-Bahn gefahren ist, weiß, wozu enthemmte Fußballfans fähig sind. Zwar haben manche Vereine in ihren Stadien ein striktes Alkoholverbot, wie beispielsweise der Hellersdorfer FC e. V., vor Alkoholmissbrauch schützt es nicht.

Auch Angehörige können mitmachen

Deshalb können auch gerne Menschen mitmachen, die zwar nicht direkt betroffen sind, aber Angehörige oder Freunde haben, für die Fußball ohne Alkohol nicht mehr geht. Die Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle nimmt die Anmeldungen entgegen und berät Interessierte, die dann zu einem Gründungstreffen eingeladen werden. Die voraussichtlich wöchentlichen Treffen werden dort stattfinden, in geschützter Umgebung, neutral und unabhängig.

Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle Marzahn-Hellersdorf:
Alt-Marzahn 59 A, 12685 Berlin, Tel.: 030-5 42 51 03
Kontakt: Yvonne Vedder, Tilmann Pfeiffer
E-Mail: selbsthilfe@wuhletal.de
Internet: www.wuhletal.de

 

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