Frau & Mann

Figur, Frisur und Visage

17.09.2017, Volkmar Eltzel

Foto: Sarnade panthermedia. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Frau legt viel Wert auf ihr Äußeres. Nicht nur, dass sie viel modebewusster ist als Mann. Sie achtet auf die Figur und jugendliches Aussehen, soweit es irgend geht. „Sehe ich so aus wie diese Frau da?“, fragt Sie des Öfteren. – Ganz dünnes Eis Männer, ganz dünnes Eis! Es gibt nur eine Antwort die darauf entgegnet werden muss und zwar wie aus der Pistole geschossen: „N E I N !“

Sie investiert in die Pflege der Haut im Allgemeinen und des Antlitzes im Besonderen. Schönheitschirurgen sind dabei jedoch verpönt, vielleicht auch, weil die meisten Beispiele aus dem Fernsehen eher abschrecken (weibliche wie männliche – gucksdu). Da wurde so viel und so oft gestrafft, aufgepolstert und hineingespritzt, dass Explosionsgefahr besteht. Die Mimik eingefroren, das Lachen fällt schwer und die Visage ähnelt schlechten Modellierungen aus Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett.

Wenn’s schön macht…

Nein, Frau sucht jeden Monat den Friseur auf. Da wird geschnitten, getrimmt, gefärbt, gespült, gelegt, gesprüht und geföhnt, was das Zeug hält. Ein stundenlanger Aufwand, den das weibliche Geschlecht seit Generationen betreibt. Nur die Frisuren sowie die eingesetzten Mittelchen und Chemikalien haben sich wohl im Laufe der Zeit verändert. Welche Frau trägt heute noch Dauerwelle? Oder weiß Mann davon nur nix?

Im Anschluss an die Modernisierung des Schopfes folgt gleich noch die Gesichtskosmetik, ausgeführt von einer Fachfrau des Vertrauens. Wahre Wunderstoffe kommen zur porentiefen Reinigung und Pflege zum Einsatz, Peelings und Antifalten-Cremes, Make-up und Schminke, von der nie zuvor ein Mann gehört hat. Und er würde es sowieso nicht verstehen, falls er jemals den Kassenbon sähe.

Die passenden Worte

Die Komplikationen fangen aber erst an, wenn Frau so gestylt nach Hause kommt. Mann erkennt es nicht so richtig (oder schaut er nicht genau hin?). – Irgendwie anders – denkt er noch, sagt aber nichts, da er nicht sicher ist, wie lange diese Veränderungen von ihm unentdeckt geblieben sind.

„Hast Du eigentlich gesehen, dass ich eine andere Frisur habe?“, fragt sie so unvermittelt wie vorwurfsvoll beim Abendbrot. „Ich schau Dir in die Augen Kleines“, entgegnet Mann. Damit ist das Thema für ihn ausgeschöpft, aber Frau ist beleidigt. – Beim nächsten Mal mache ich das besser – schwört er sich.

Gut einen Monat später: „Oh Schatz, du siehst ja zehn Jahre jünger aus!“ – „Wirklich?!“ – „Ja unbedingt!“ Doch Frau runzelt die Stirn. Sie hat die Sache durchschaut. „Verar… kann ich mich alleine!“, sagt sie barsch. – Au Mann, wieder verkehrt! Nächster Versuch, fünf Jahre – nimmt er sich vor.

Mann bekommt Frisur

Mann geht alle zwei/drei Monate zur Friseurin, meist zu derselben. Haareschneiden hat was Intimes, findet er, auch wenn es nur um das Haupt-Haar geht. Es ist immer die gleiche Chose. Er nimmt auf dem Behandlungssessel Platz, die Coiffeurin steht dicht hinter ihm, beide schauen in das große Spieglein an der Wand und sehen mutmaßlich dasselbe. Sie fährt ihm sanft durchs Haar. „Na, was hätten wir denn gerne?“, fragt die Expertin und es klingt so, als ob sie die göttliche Gabe einer realen Verjüngung in petto hätte. „Bitte kürzer und ordentlich“, antwortet Kunde Mann. Ihre Augen treten kurz hervor und sie presst die Lippen etwas aufeinander, wohl um eine Bemerkung zu unterdrücken wie: „Ei der Daus! Da staunt der Laie, und die Fachfrau wundert sich! Das ist ja mal was! Hat man nicht alle Tage.“ Dann jedoch gewinnt ihr professionelles Lächeln wieder die Oberhand. „Natürlich, wie Sie wünschen.“

Irgendwann – so hat er sich fest vorgenommen – wird er auf ihre Frage einmal antworten: „Heute hätten wir gerne etwas ganz Besonderes. Lassen Sie der Kreativität freien Lauf und setzen Ihr ganzes Können ein! Peppen Sie die Haartracht so richtig auf, Geld spielt keine Rolle. Ich will Frau überraschen!“

 

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