Auf den Spuren der Plattenbau-Geschichte

Friedrichsfelde wird zum Museum

11.11.2015, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Friedrichsfelde. Kein Ort repräsentiert die Geschichte des Plattenbaus so wie Friedrichsfelde. Eine Route informiert ab sofort über die verschiedenen Baustile dort. 15 Infotafeln werden am Mittwoch, 11. November, am U-Bahnhof Tierpark enthüllt. Sie sollen vor allem Fachpublikum, aber auch interessierte Plattenbaufans begeistern.

Vor dem unscheinbaren Plattenbau ist nicht viel los an diesem Montagvormittag. In den leuchtend gelb gefärbten Sträuchern vergnügen sich die Amseln und füllen sich den Schlund mit roten Beeren, während unten vor der Tür ein Paketwagen hält. Aus der Ferne hört man das Rauschen der Straße Am Tierpark. Eine ältere Dame schaut kurz aus dem Fenster, bevor sie dann wieder die Gardinen zuzieht. Was vermutlich noch nicht bis zu ihr in die siebente Etage vorgedrungen ist: Sie lebt, wie viele Tausend anderer Menschen im Stadtteil auch, in einem Freilichtmuseum. Denn das Wohnhaus an der Schwarzmeerstraße 23-25 ist eine von 15 Stationen der „Inforoute Platte & Co.“.

Die Vielfalt der Typen-Bauweise
„Stadtweit gibt es kaum einen besseren Ort, wo sich Interessierte die Vielfalt der DDR-Plattenbautypen mit der zugehörigen Freiflächenplanung in nur einem einzigen Spaziergang erschließen können“, sagt Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU). 15 Infotafel-Standorte wurden für die „Inforoute Platte & Co.“ in Friedrichsfelde-Süd  installiert. Dort gibt es Informationen darüber, wie der komplexe Wohnungsbau zu DDR-Zeiten entstand, um welche Plattenbautypen es sich im Einzelnen handelt und auch, dass die 1926 errichtete Splanemann-Siedlung die erste Plattenbausiedlung Deutschlands war. Der Zeit nach 1990 werden ebenfalls Infotafeln gewidmet. Dort sind Hintergründe zu den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen nach der Wende zu erfahren.

Viele bauliche und statistische Details
Nun ist fraglich, ob die Freiluftausstellung „Plattenbau-Touristen“ anzieht, wie es das Bezirksamt etwas vollmundig ankündigt. Für Architekten, Stadtplaner und Studierende dürften die Infotafeln aber zumindest eine erste Orientierung bieten, sind sie doch prall gefüllt mit baulichen und statistischen Details zu den Plattenbautypen, die solche Namen wie QP64, WBS 70 oder P2/11 verpasst bekommen haben. Bei jenem Plattenbau an der Schwarzmeerstraße 23-25 handelt es sich beispielsweise um ein sogenanntes MGH Mittelganghaus, dessen Planung auf das Jahr 1963 zurückgeht. Bäder und Küchen wurden bereits fertig in das Gebäude eingebaut. In diesem entstanden meist kleine Wohnungen.

Beliebt bei jungen Familien
Die meisten der 15 dargestellten Projekte wurden in den 1960er-Jahren in Friedrichsfelde-Süd im damaligen Hans-Loch-Viertel errichtet. Von den ersten Bewohnern leben heute noch etliche dort. Die Wohnkonzepte reichen vom kleinen, familiären Viergeschosser bis zum sogenannten Punkthochhaus – beide zu finden an der Volkradstraße. Wegen der kompakten Größe vieler Wohnungen gibt es in Friedrichsfelde-Süd inzwischen kaum noch Leerstand. „Das Viertel ist vor allem bei jungen Familien beliebt“, sagt Nünthel. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die U-Bahn ist fußläufig erreichbar, die Gegend ist gut mit Straßenbahnen und Bussen erschlossen. Und mittendrin gibt es viele Grünanlagen und Spielplätze.

Die öffentliche Einweihung der Tafeln findet am Mittwoch, 11. November 2015, um 11.30 Uhr statt. Treffpunkt ist am U-Bahnhof Tierpark, Ausgang Datheplatz, direkt am Kaiser’s-Supermarkt.
Weitere Informationen gibt es online.

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