Bebauungsplan für Wernerbad liegt erneut aus

Forderung nach Öffnung für alle

08.10.2015, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Kaulsdorf. Nach Überarbeitung liegt jetzt der Entwurf des Bebauungsplans für das Areal des ehemaligen Freibades Wernersee erneut zur Einsicht aus. Bürgerinnen und Bürger können Anregungen, Hinweise und Kritiken anbringen. Die Bündnisgrünen im Bezirk haben ihre Forderung zur Zukunft des Geländes bereits aufgemacht: „Es sollte wie in den vergangen 100 Jahren weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben“, sagt Fraktionsvorsitzender Nickel von Neumann. Das beliebte Freibad, in dessen Mitte eine Nilpferdskulptur steht, war 2002 wegen großer Schäden geschlossen worden. Der Eigentümer, die Berliner Bäderbetriebe, will die Fläche vom Liegenschaftsfonds vermarkten lassen. Nach Auskunft der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), zu der der Liegenschaftsfonds jetzt gehört, wurde das Verkaufsverfahren noch nicht gestartet.

Interessent will Pflegeinrichtung bauen
Auf dem Areal ist ein allgemeines Wohngebiet vorgesehen. Ein Interessent, die Stephanus-Stiftung aus Weißensee, möchte dort eine Einrichtung zur Pflege von Demenzkranken errichten. Der bereits 2013 aufgestellte B-Planentwurf wurde nun vom Bezirk in Teilen korrigiert – die Art der vorgesehenen Wohnbebauung wurde verändert, das eigentliche Bad, ursprünglich ein See, soll renaturiert werden. Darauf hatte auch die Senatsstadtentwicklungsverwaltung gedrungen, LiMa+ berichtete.

Genügend Grün in Siedlungsgebieten?
Doch im überarbeiteten Entwurf des Bebauungsplans findet sich eine Passage, die im Bezirk für Entrüstung sorgt. „Aufgrund des fehlenden Bedarfs an öffentlichen Grünflächen in diesem Bereich des Siedlungsgebietes und der finanziellen Situation des Landes Berlin wird dem im Rahmen des Verfahrens vorgebrachten Belang zur Sicherung öffentlicher Grünflächen innerhalb des Plangebietes nicht entsprochen“, heißt es dort. Auf gut Deutsch: Das Wernerbad soll mangels knapper Kasse in Privatbesitz bleiben. Nickel von Neumann moniert: „Im bezirklichen Konzept zur Entwicklung der öffentlichen Infrastruktur steht etwas anderes: Nämlich, dass gerade in den Ein- und Zweifamilienhausgebieten von Kaulsdorf und Mahlsdorf öffentliches Grün fehlt.“ Gerechnet wird dort nach einer Prognose des Bezirksamtes mit einem Anstieg der Bevölkerung bis 2030 zwischen 13,7 und 14,9 Prozent. Im angesprochenen Konzept  kommt das Bezirksamt deshalb zu dem Schluss, dass es rein rechnerisch zukünftig in Kaulsdorf zwischen 15.000 und 22.000 Quadratmeter neuer öffentlicher Grünflächen bedarf, in Mahlsdorf zwischen 68.000 und 78.000 Quadratmeter.

Wertvolles Biotop
Von Neumann sagt, dass sich die Bündnisgrünen seit Jahren für die Erhaltung des Wernerbades als öffentlich zugängliches Gelände und den Erhalt des Grüns einsetzen. „Das Wernerbadareal ist der wertvollste Naturraum in Kaulsdorf und Mahlsdorf nördlich der S-Bahn, bestehend aus einem ganzjährig wasserführenden Gewässer, Wald und Wiese. Es ist Bestandteil eines übergeordneten Bitopverbundes.“ Deshalb unterstützten die Bündnisgrünen die Forderungen und die Unterschriftenlisten der „Bürgerbewegung Wernerbad“, einer Anwohnerinitiative, und forderten die Bürgerinnen und Bürger des Bezirks auf, die Vernichtung des Biotops zu verhindern. Bis zum 30. September haben die Anwohner bereits 170 Unterschriften gegen den B-Planentwurf gesammelt.

Private Fläche
Das Areal sei schon heute eine private Fläche, hält Christian Gräff (CDU), der zuständige Stadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung dagegen. Sollte es eine öffentliche Grünanlage werden, müsste der Bezirk das Gelände kaufen. Das sei nicht beabsichtigt. „Wir wollen aber den Bereich um den See frei von Bebauung halten, neue Gebäude auf der anderen Seite konzentrieren.“ Der Interessent für die geplante Bebauung mit einer Pflegeeinrichtung habe signalisiert, dass die Grünanlage künftig auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen könnte. „Das wäre eine charmante Lösung“, sagt Gräff. Das Prozedere, beispielsweise offen am Tag, abgeschlossen in der Nacht, müsste dann noch ausgehandelt werden. Noch aber sei unklar, ob der Interessent bei einem Verkaufsverfahren überhaupt zum Zug kommt. Ein Termin für einen Baubeginn auf dem Wernerbad-Gelände sei derzeit noch nicht abzusehen, so Gräff.

Der Bebauungsplanentwurf 10-63 und seine Begründung kann im Stadtplanungsamt Marzahn-Hellersdorf, Helene-Weigel-Platz 8 (altes Rathaus Marzahn), Foyer 4. Etage, eingesehen werden. Im Stadtplanungsamt können bis zum 5. November auch Einwände, Hinweise und Kritiken abgegeben werden.

Im Internet:
http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/stadtplanung/artikel.341975.php
E-Mail der Anwohnerinitiative: wernerbad@ok.de

 

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