Jobcenter Berlin Lichtenberg startet Pilotprojekt:

Fit und gesund zum neuen Job

22.11.2017, Marcel Gäding

Kristina Gassana (Referentin bei der Knappschaft) und Lutz Neumann (Geschäftsführer des Jobcenters) unterzeichneten kürzlich einen Kooperationsvertrag. Fotos: Marcel Gäding

Lichtenberg. Das Jobcenter Berlin Lichtenberg geht bei der Vermittlung von Menschen ohne Arbeit neue Wege. Vor allem Langzeitarbeitslosen, Alleinerziehenden und Geflüchteten sollen vom kommenden Jahr an gezielt Angebote für Sport- und Bewegungskurse unterbreitet werden. Das sieht ein Kooperationsvertrag vor, den die gesetzlichen Krankenkassen mit dem Jobcenter abgeschlossen haben. Titel: „Modellprojekt zur Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung“.

„Arbeitslosigkeit gehört zu den gesundheitlichen Risikofaktoren“, sagt Dirk Leicher, Vertriebskoordinator der Knappschaft und damit Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen. Im Klartext: Wer lange Zeit ohne festen Job war, leidet darunter – seelisch und körperlich. Lutz Neumann, der Geschäftsführer des Jobcenters Berlin Lichtenberg, sagt, dass „gerade bei längerer Arbeitslosigkeit gesundheitliche Einschränkungen und psychische Erkrankungen zunehmen“. Daher sollen vor allem Menschen, die es schwer haben, an Arbeit zu gelangen, von Präventions- und Gesundheitsförderangeboten profitieren. Gute Erfahrungen wurden bereits in anderen Jobcentern gesammelt – unter anderem in Marzahn-Hellersdorf. Dort konnten rund 100 Jobcenter-Kunden auf freiwilliger Basis entscheiden, ob sie an Sport-, Fitness- und Bewegungskursen teilnehmen.

Arbeitslosigkeit macht krank

Die Mitarbeiter des Jobcenters Berlin Lichtenberg haben die Erfahrung gemacht, dass Langzeitarbeitslose oder Alleinerziehende unter ihrer Situation leiden. Die Folge: Wegen der fehlenden Tagesstruktur gehen soziale Kontakte verloren. Je länger sie ohne Arbeit sind, umso anfälliger sind sie außerdem für Krankheiten. Michael Denkert, Leiter „Markt und Integration“ beim Jobcenter, geht davon aus, dass die Zahl der schwer vermittelbaren Menschen im hohen dreistelligen Bereich liegt. Im Rahmen des neuen Kooperationsprojekts hofft er, dass es gelingt, schlimme Erkrankungen zu verhindern und vorzubeugen. Allerdings müsse dafür nicht das Rad neu erfunden werden. So gibt es im Bezirk zahlreiche Anbieter für Gesundheitsförderung und Prävention. Kosten entstehen den Jobcenterkunden keine.

Zunächst wollen die gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam mit dem Jobcenter und dem Bezirksamt den Bedarf für entsprechende Angebote ermitteln. In einem nächsten Schritt bekommen Jobcenter-Kunden gezielte Vorschläge, um beispielsweise einen Ernährungsberatungskurs, Anti-Stress-Seminare, Yoga-Stunden oder Angebote der Suchtprävention zu besuchen. Dabei spielen die sogenannten Integrationsfachkräfte im Jobcenter eine entscheidende Rolle. Sie haben regelmäßig Kontakt zu Betroffenen und können im Gespräch herausfinden, welche Probleme sie haben. Wichtig ist sowohl den Krankenkassen als auch dem Jobcenter, dass die Teilnahme an den noch zu entwickelnden Angeboten auf freiwilliger Basis geschieht. Umgesetzt werden soll das Programm vor Ort unter anderem in den bezirklichen Stadtteilzentren. Für die Koordinierung wurde der Verein „Gesundheit Berlin Brandenburg“ gewonnen. Bewegung, Sport und soziale Kontakte seien die besten Mittel, sagt Lutz Neumann. Am Ende gehe es darum, Menschen zu motivieren und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Allerdings sei auch klar, dass sich der Erfolg nicht sofort einstellt. „Wir reden nicht über einen Sprint, sondern eher über einen Langstreckenlauf.“ Zudem sei das Thema nicht automatisch vom Tisch, wenn Menschen schließlich in Arbeit gebracht wurden. „Gesundheitsförderung und Prävention geht uns alle an“, sagt der Behördenchef mit Blick auf das Jobcenter, aber auch auf Unternehmen im Bezirk.

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