Museum Lichtenberg seit zehn Jahren am neuen Standort

Das kleinste Regionalmuseum Berlins

02.09.2016, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding (1-10), Birgitt Eltzel (11-14)

Lichtenberg. Mit Führungen, einer Podiumsdiskussion und Vorträgen feiert das Museum Lichtenberg in der Victoriastadt sein zehnjähriges Bestehen. Am Sonnabend, 3. September, soll mit einem Fest an den Umzug von Berlins kleinstem Regionalmuseum in seine neuen Räume im Stadthaus an der Türrschmidtstraße erinnert werden. Während am Wochenende viel über Vergangenes gesprochen wird, stehen im Museum bereits die Zeichen auf Zukunft.

Ein Zimmer für Rummelsburgs Bürgermeister
Der kleine Raum in der ersten Etage des Stadthauses sieht noch recht karg aus. Ein Spiegel an der Wand, zwei Stühle und mittendrin ein alter Schreibtisch. „Ob wir ihn restaurieren, wissen wir noch nicht“, sagt Thomas Thiele, der Leiter des Museums Lichtenberg. Klar ist aber, wofür er verwendet wird: Für das Bürgermeister Hahn-Zimmer. Ernst Hahn (1965-1940) war unter anderem Gemeindevorsteher von Boxhagen und Rummelsburg – von 1900 bis 1912. Erst im vergangenen Jahr hatte ein Privatmann dem Museum Lichtenberg Teile des Hahnschen Hausstandes vermacht. Unter anderem gehören dazu der alte Bürgermeisterschreibtisch, Bücher, ein Tintenfass und ein Bleistiftanspitzer. Zur Freude von Museumsleiter Thiele. Denn: Das Stadthaus, in dem sich fast auf den Tag genau zehn Jahre das Museum Lichtenberg befindet, war lange Zeit auch Rathaus von Rummelsburg und Boxhagen.

Viermal mehr Platz als am alten Standort
Am 18. August 2006 wurde das Museum Lichtenberg am neuen Standort in der Türrschmidtstraße eröffnet. Die Räume des bisherigen Museums – eine umfunktionierte Wohnung an der Deutschmeisterstraße – waren längst zu klein. Nicht zuletzt quollen die Regale und Vitrinen auch deshalb über, weil mit der Fusion der Altbezirke Hohenschönhausen und Lichtenberg zwei Heimatmuseen an einem Standort vereint wurden. Und so war es ein Segen für die langjährige Museumsleiterin Christine Steer, dass der Bezirk Geld für den neuen Standort locker machte. „Heute haben wir viermal mehr Platz“, sagt Thomas Thiele, seit 2012 Chef des Hauses. Auf 250 Quadratmetern fanden eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bezirks Platz, es gibt Räume für Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Und dennoch konnten auch im Stadthaus nicht alle historischen Schätze des Museums Platz finden. Viele der insgesamt 5.000 Exponate mussten in ein Depot in Friedrichsfelde ausgelagert werden. Darunter sind die einst in Hohenschönhausen liebevoll zusammengetragenen landwirtschaftlichen Geräte oder eine historische Bügeleisensammlung. Und dennoch werden Thomas Thiele und seine Kollegen nicht müde, immer noch neue Stücke aufzunehmen. Erst kürzlich wurde der Bestand um einen Eierschneider von 1920 und eine Brotschneidemaschine von 1908 erweitert. „Sie dokumentieren die Industriegeschichte Lichtenbergs“, sagt Thiele. Schließlich wurden sie, wie auch die Daimon-Taschenlampe oder die Perlon-Strümpfe, in Lichtenberg erfunden. Gern zitiert der Museumschef augenzwinkernd einen Spruch: „Es gibt nichts, was nicht in Lichtenberg erfunden wurden.“

Nur ein Bruchteil der Exponate zu sehen
Gerade einmal 50 von 5.000 Ausstellungsobjekten sind derzeit öffentlich zu sehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles andere unzugänglich bleibt. Seit einem Jahr nutzen die Museumsmitarbeiter ihren neuen Internetauftritt, um Exponate des Monats zu präsentieren – gespickt mit kleinen Geschichten. Derzeit ist das ein Grabstein, den Bauarbeiter bei Bauarbeiten in der Möllendorffstraße fanden. Er erinnert an eine gewisse Luise Keiling (1863-1921). „Wir wissen nicht, wer sie war und wo man sie bestattete“, sagt Thiele. Deshalb hofft er sehr, dass mit dem „Objekt des Monats“ Leute aufmerksam werden, die Licht ins Dunkel bringen. Denn genau davon lebt das Museum. Dass sich auch immer wieder Menschen dort melden, die Nachlässe oder Inventar anbieten, kommt regelmäßig vor. So ist es ein Glück, dass die Witwe eines Nachfahren des Lichtenberger Bürgermeisters Oskar Ziethen (1858-1932) dem Museum einige Kartons mit Unterlagen vermachte – darunter ein Notizbuch. „Bis dato hatten wir von Ziethen nur ein Foto“, erinnert sich Thiele. Mit dem Material konnten viele Wissenslücken über Ziethens Leben geschlossen werden.

Von Landwirtschaft bis Sozialismus
In den zehn Jahren am neuen Standort wurde das Profil des Museums Lichtenberg geschärft. Erzählt wird die Geschichte der Landwirtschaft im Norden des Bezirks ebenso wie der Aufstieg von Lichtenberg zu einem modernen Industrie- und Produktionsstandort. Der Bogen reicht zudem von der preußischen Zeit über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis in den Sozialismus und die Neuzeit. Damit Geschichte lebendig erzählt werden kann, schaffen es auch nur Exponate in Ausstellungen, zu denen die Besucher einen Bezug haben. Für eine Exposition über die Baugeschichte des Bezirks wurde daher auch eigens ein kleines DDR-Wohnzimmer nachgebaut. Dennoch will sich das Museum, das seit Jahrzehnten von einem rührigen Förderverein unterstützt wird, nicht ausruhen. Im Gegenteil. Vor allem junge Menschen will man stärker begeistern. Unter anderem sollen Kinder und Jugendliche öfter den Weg in die Türrschmidtstraße finden – um vor Ort unter Anleitung von Museumspädagogen mit der Geschichte ihres Bezirks vertraut gemacht zu werden.

Museumsfest rund um den Tuchollaplatz
Die Zukunft steht auch im Fokus des Museumsfestes am 3. September. Von 13 bis 14 Uhr gibt es statt einer Feierstunde eine „Zukunftsrunde“ mit Geschichtsfreunden, Politikern und Gästen. Auf dem Tuchollaplatz findet parallel von 14 bis 22 Uhr das Fest „Victoria feiert! Das Museum feiert mit“ statt. Zwischen 14 und 17 Uhr sind stündlich Führungen durch das Haus geplant. Um 16 Uhr startet der Vortrag zur Geschichte der Victoriastadt.

Am 9. September wird zudem um 19 Uhr das neue Buch „Oskar Ziethen – Stationen eines preußischen Kommunalbeamten“ von Prof. Dr. Jürgen Hofmann vorgestellt und die gleichnamige Ausstellung im Ratsaal des Rathauses Lichtenberg, Möllendorffstraße 6, eröffnet.

Weitere Informationen unter:
www.museum-lichtenberg.de

 

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