Glücksbringer hatten selbst kein Glück

Familie Adebar mit Nachwuchssorgen

28.07.2015, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Malchow/Falkenberg. Lichtenberg ist der einzige Berliner Bezirk, in dem der Storch noch zu Hause ist. Doch Familie Adebar, die sonst auch reichhaltig im kinderfreundlichen Bezirk für Nachwuchs sorgt, hatte in diesem Jahr selbst kein Glück. Zwei Storchenpaare hatten in diesem Jahr im Mai die beiden Nester an der Naturschutzstation Malchow, Dorfstraße 35, belegt. Ein weiteres Paar war nach Falkenberg gezogen und hatte sich dort häuslich niedergelassen. „Ein Storchenpaar hat auch drei Eier gelegt“ berichtete die Leiterin der Naturschutzstation, Diplombiologin Beate Kitzmann. Doch die beiden Adebare waren vom Pech verfolgt. „Anfang Mai kam ein ‚Störstorch’, der die beiden angriff.“ Es gab Rangkämpfe um das Nest. Als Störstorche werden Jungvögel bezeichnet, die noch keine eigene Familie gegründet haben. Jedenfalls verließen die beiden Altvögel ihr Nest, um den Storch abzuwehren. Vermutlich zu lange, so dass die Eier nicht mehr ausgebrütet wurden. Beate Kitzmann erinnerte daran, dass es im Mai viele kalte Nächte gab. Es folgte eine lange Trockenperiode, wodurch die Störche nicht mehr genug Nahrung fanden.

Falkenberg hat Storch-Nachwuchs
Im ganzen Land Brandenburg hätten 40 Prozent weniger Störche als sonst üblich das Licht der Welt erblickt, so die Biologin bei einem Pressegespräch am Montag, 27. Juli. Nur die beiden Adebare in Falkenberg haben Nachwuchs bekommen. Dort werden zur Zeit zwei Jungstörche aufgezogen. Das Nest in Falkenberg ist jedoch von den Naturschützern schlecht zu beobachten und die Belegung ist in den vergangenen Jahren nicht dokumentiert worden. In der Naturschutzstation Malchow wird seit 1993 das Storchenbuch geführt. Dort wird neben der Ankunft und Abreise auch die Zahl der Jungvögel festgehalten. 2008 war beispielsweise ein gutes Storchenjahr, denn in dem Sommer waren erstmals beide Nester an der Naturschutzstation bewohnt.

Frösche sind nicht die Hauptnahrung
„In diesem Jahr liegt es eindeutig an den Wetterunbilden“, erklärte Kitzmann. Sonst schwört die Naturschützerin darauf, dass gerade das Randgebiet gute Bedingungen für den Storch bietet. Die Schwarz-weiß-Gefiederten brauchen die Landwirtschaft, sie folgen den Feldarbeiten. Die Leiterin der Naturschutzstation räumte gleich mit einigen Legenden rund um den Storch auf. Nein – es stimmt nicht, dass Storchenpaare ein Leben lang zusammen bleiben. Sie bleiben nur eine Saison zusammen. Es stimmt auch nicht, dass Störche immer wieder zu ihrem Nest zurückkehren. Jedenfalls wurde das noch nicht nachgewiesen. „Wir hatten hier einmal einen Storch aus dem Kyffhäuser“, sagte Kitzmann. Der Ring an seinem Bein brachte es ans Licht. Er konnte ausgelesen werden. Noch eine weitere Mär wurde widerlegt: Störche ernähren sich nicht hauptsächlich von Fröschen. Die nehmen sie zwar auch, ebenso wie Schlangen und Fische. Die Hauptspeise der Langschnäbel und ihres Nachwuchses sind jedoch Insekten.

Nest in Wartenberg geplant
Störche brauchen ein weites Umfeld mit Wiesen und Feldern. Die gibt es reichlich am nördlichen Stadtrand. Die Flächen sind sogar so groß, dass noch in diesem Jahr die Voraussetzungen für ein drittes Nest geschaffen werden sollen. Am Sportplatz in Wartenberg wird bis zum Herbst ein Mast mit einem Nest aufgestellt. 45.000 Euro soll die Aktion kosten, eine Firma aus Thüringen hat den Auftrag bekommen. Die Naturschützer hoffen, dass im nächsten Frühjahr dann vier Storchenpaare im Bezirk brüten werden. Und eines wurde beim Pressegespräch auch deutlich: der Storch baut nicht mehr allein. Er ist vielfach auf die Hilfe des Menschen angewiesen. „Wir wollen und müssen dem Storch etwas anbieten“, meinte der Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU). Schließlich wolle der Bezirk seinen Ruf als Storchenbezirk im kommenden Jahr ausbauen. – Vielleicht mit Erfolg, wenn in Malchow, Falkenberg und Wartenberg vier Nester bezogen werden.

Weitere Infos: naturschutzstation-malchow.de, Naturschutzstation Malchow, Dorfstraße 35, Telefon: (030) 92 79 98 30 / 31

 

 

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