Besucher des Tierhofs halten sich nicht an das Fütterungsverbot

Falsche Tierliebe: Ziegenmutter tot

19.11.2016, Christine Meier

Fotos: Christine Meier. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Alt-Marzahn. Freud und Leid liegen manchmal ganz dicht beieinander. Erst vor wenigen Tagen konnte der Tierhof in Alt-Marzahn die Geburt eines kleinen Alpaka-Weibchens vermelden. Doch die gute Nachricht wird von einem Todesfall überschattet, der den Mitarbeitern des Bauernhofs im alten Marzahner Dorfkern schwer zu schaffen macht. Aus falsch verstandener Tierliebe hatten Besucher die Kaschmirziege „Gisela“ mit Süßigkeiten gefüttert und sie damit vergiftet. Ganze vier Stunden dauerte der Todeskampf des Tieres, das bei Besuchern beliebt war – nicht zuletzt, weil es wenige Tage vor dem Tod ein gesundes Zicklein zur Welt brachte.

Leider kein Einzelfall

Fälle wie diese sind für die Mitarbeiter des Tierhofes kein Einzelfall. Immer wieder kommt es vor, dass sich Spaziergänger nicht an die „Füttern verboten“-Schilder halten. Vor einigen Jahren musste ein Esel mit seinem Leben bezahlen, weil ihn Unbekannte fütterten. Das Gelände hinter dem Tierhof wird von Gehwegen am Fuße der benachbarten Marzahner Mühle durchzogen. Die Tiere abends und nachts ganz abzuschotten, funktioniert nicht. Doch beim bloßen Ignorieren der Hinweisschilder bleibt es nicht, wie Tierhof-Chefin Grit Otto berichtet. Immer wieder werden die Tafeln an den Zäunen abgerissen. Werden Spaziergänger ermahnt, reagierten diese oftmals aggressiv und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch mit den besorgten Pflegern. Vor allem Zucker ist für einige Tiere tödlich. Es kann zu Magenverdrehungen und zu Krämpfen kommen.

50.000 Besucher pro Jahr

Schon einmal hatte der Tierhof durch falsch verstandene Tierliebe – oder nennen wir es richtigerweise Arroganz und Selbstüberschätzung – einen Esel verloren. Auch er starb einen qualvollen Tod. Lilli, das schneeweiße Zicklein, musste mühevoll mit der Flasche aufgezogen werden, denn Muttermilch gab es nicht mehr. Sie ist heute quicklebendig und tollt im Ziegengehege am liebsten mit Jacob umher. Rund 100 Besucher kommen täglich in den Tierhof. 50.000 werden es im Laufe eines Jahres. Dazu kommen zirka 200 Schulklassen und Kindergruppen zum Projektunterricht oder zu den Führungen. Neben der Bockwindmühle Marzahn, dem historischen, landwirtschaftlichen Maschinen- und Gerätepark und dem Getreidelehrpfad hat sich der Dreiseithof zu einem lohnenden Ausflugsziel für die ganze Familie entwickelt. Für Grit Otto keine leichte Aufgabe, denn neben der Betreuung von rund 200 Helfern pro Jahr managt sie alle organisatorischen Pflichten, die so ein Hof nun mal mit sich bringt. Dabei wollte sie eigentlich beruflich etwas ganz anderes machen. „Ich komme aus einer Pädagogen-Familie und wollte Lehrerin werden.“ Daraus wurde nichts. „Also absolvierte ich zunächst eine Tierpfleger-Lehre und studierte anschließend Agrarwissenschaften.“ Nach der Wende kam ein Sozialpädagogik-Studium dazu.

Viele Tiere auf dem Hof

Seit Ende Juni dieses Jahres wohnen auf dem Tierhof zwei ganz besondere Stars: Jenny, die Alpaka-Dame, und ihr Sohn Pablo. Beide kommen aus dem Berliner Zoo. Jenny hatte eine Überraschung im „Gepäck“. Ende Oktober kam ein Alpaka-Mädchen auf die Welt. Als das Marzahn-Hellersdorfer Bezirks-Journal den Tierhof besuchte, war die Lütte ganze 72 Stunden alt. Neu auf dem Tierhof sind auch die Jakobsschafe. Und während die beinahe lautlos vor sich hin grasen, veranstalten die Graugänse ein enormes Spektakel. Schön anzusehen, weil beinahe exotisch, sind auch die Ayam Cemani, die schwarzen Hühner. Das Haushuhn mit Kampfhuhneinschlag aus Indonesien ist tatsächlich pechschwarz: Gefieder, Krallen, Augen, Kopfartifakte wie Kamm, Kehllappen und Ohrscheiben, Haut – alles schwarz. Sogar die inneren Organe und die Knochen sind schwarz. Das Blut ist dunkelrot bis schwarz.

 

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