Expandieren in Lichtenberg

24.07.2017, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Der Bezirk ist ein gefragter Standort für Unternehmen. 2016 waren etwa 20.600 Gewerbebetriebe ansässig – rund 2.600 mehr als 2010. Es sind vor allem kleine und mittlere Firmen aus allen Branchen. Die Zahl der Arbeitslosen sank von 18.500 im Jahr 2010 auf etwa 12.200 im vergangenen Jahr. Diese und weitere Zahlen enthält der Wirtschaftsbericht 2016, den das Bezirksamt Lichtenberg in der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt hat.

Im vergangenen Jahr ist auf einer einstigen Brache an der Josef-Orlopp-Straße ein neuer Gewerbehof entstanden. Flächen für Produktion, Lager und Büros wurden gebaut. Das Unternehmen Bembé Parkett GmbH & Co.KG, ein Parkettverlegebetrieb mit langer Tradition, ist Mieter geworden. Auch ein Sanitärhandel, ein Unternehmen für Konferenztechnik, ein Großhandelsbetrieb für Maler und Handwerk sowie ein Onlineshop für Autoteile zogen ein. An der Pablo-Picasso-Straße hat die Wäscherei Greif 2016 einen neuen Standort gebaut und 2017 bezogen. Mehr als 200 Mitarbeiter sind dort tätig. Auch die dopa Entwicklungsgesellschaft für Oberflächenbearbeitungstechnologie hat einen neuen Firmensitz an der Pablo-Picasso-Straße errichtet.

Vom Plänterwald nach Lichtenberg

Zu den Lichtenberger Neuzugängen gehört die Ökotopia GmbH, die Kaffee- und Teespezialitäten liefert. Etwas abseits der Frankfurter Allee, auf einem Gewerbegelände an der Coppistraße, ist sie heimisch geworden. Im August 2016 zog das Unternehmen von Plänterwald nach Lichtenberg. Produkte aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft zu fairen Preisen verkaufen – das ist der Anspruch der Firma. „Der Mietvertrag am alten Standort endete“, sagt Geschäftsführerin Franziska Geyer (43) über den Anlass des Umzugs. „Und nach acht Jahren dort war die Fläche zu klein geworden.“ Die Paletten mit Kaffee und Tee stapelten sich schon unter den Schreibtischen und nicht nur im Lager. „Wir sind mit unseren Kunden gewachsen“, erzählt die Geschäftsführerin. Man liefere hauptsächlich an Naturkost-Fachgeschäfte oder -Großhändler, Kantinen, Welt-Läden, Cafés und Büro-Gemeinschaften. Auch in die Schweiz, nach Österreich und Polen schickt die Ökotopia GmbH ihre Produkte. Weil die Firmen expandierten, die Abnehmer der Kaffees und Tees sind, musste auch Ökotopia mehr produzieren, lagern und liefern.

An der Coppistraße hat das Unternehmen fast 1.300 Quadratmeter Fläche gemietet, etwa doppelt so viel wie am alten Standort. Es beschäftigt 17 bis 20 Mitarbeiter, im Sommer etwas weniger als im Winter. Aus bis zu zwölf verschiedenen Komponenten wie Melisse, Kümmel und Salbei wird Tee nach eigenen Rezepten gemischt und in Tüten abgepackt. Die Zutaten kommen von Biobauern: Pfefferminze aus Thüringen, grüner Hafer und Kümmel aus Brandenburg, Thymian aus Hessen. Schwarztee bezieht das Unternehmen aus China und aus Indien. Kaffee werde von Kleinbauern aus Nicaragua, Mexiko, Honduras und Kolumbien gekauft, die sich zu Vermarktungsgesellschaften zusammengeschlossen haben, sagt Franziska Geyer. Doch die Herstellung sei nicht nur ein technischer Prozess. „Der Mensch, der produziert, steht im Mittelpunkt.“ Lichtenberg sei als Standort attraktiv, „denn es ist ein erreichbarer Ort.“ Die Mitarbeiter können mit U-Bahn, S-Bahn oder Bus zur Arbeit kommen. Man habe sich eingelebt und fühle sich wohl. Zum Wohlbefinden trägt auch eine große Küche bei. Dort wird täglich das Mittagessen zubereitet. Außerdem gibt es einen Yoga-Raum. „Wir haben auch nette Nachbarn“, sagt Franziska Geyer über die umliegenden Firmen. „Es ist schön, dass man sich etwas leihen kann und einander hilft.“ Seit 13 Jahren arbeitet Franziska Geyer im Unternehmen. Sie ist Einzelhandelskauffrau für Naturkost, Handelsfachwirtin und Diplom-Kauffrau. Edyta Kielczewska, 39, leitet bei Ökotopia die Kaffee-Abteilung. Sie ist Diplom-Ingenieurin und hat Warenkunde studiert. 400 verschiedene Produkte gebe es, sagt sie, davon 15 Kaffeesorten und 385 Tee- und Kräuterprodukte. Etwa 120 bis 140 Tonnen werden im Jahr umgesetzt. Für die Produktionsleitung, für Marketing und Kommunikation ist Ronny Göttner zuständig, 39 Jahre alt und Einzelhandelskaufmann für Naturkost.

Nicht nur Neuzugänge wie Ökotopia werden im Lichtenberger Wirtschaftsbericht genannt, sondern auch Unternehmen, die dem Bezirk seit Jahren die Treue halten. 2016 feierte die Eventagentur BärlinTeam Eventdesign GmbH ihr 20-jähriges Bestehen. Seit mehr als 40 Jahren existiert die KFT-Berlin GmbH. Firmensitz ist seit 2003 die Josef-Orlopp-Straße. Das Umzugs- und Transport-Unternehmen Trans BWG gibt es seit über 25 Jahren.

Zum Nachlesen:

Wirtschaftsbericht Lichtenberg 2016

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