Kleine Gärten in der Stadt (5): Schaukräutergarten Am Fuchsberg

Es ist viel Kraut gewachsen

18.08.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Junge Leute wollen gesundes Gemüse selber ziehen und ihren Kindern Platz zum Spielen im Grünen bieten. Manche machen das in Gemeinschafts- und Allmendegärten. Andere treten Kleingartenvereinen bei, die noch vor einigen Jahren als Ausbund der Spießigkeit galten. Denn das Gärtnern auf eigener Scholle ist längst wieder in Mode, fast alle Kleingartenvereine haben inzwischen lange Wartelisten für Parzellen. In einer Serie stellen wir bis zum Herbst interessante Anlagen vor und geben auch einige Tipps zum Garten und zum Gärtnern.
Heute Teil 5 unserer Serie: Der Schaukräutergarten der Kleingartenanlage (KGA) Am Fuchsberg.

Es summt und brummt

Biesdorf. Es summt und brummt überall in den Beeten des Schaukräutergartens der Kleingartenanlage Am Fuchsberg. In den blauen Rispen des Lavendels tummeln sich die Hummeln. Sie eilen von Blüte zu Blüte, schließlich neigt sich der Sommer schon seinem Ende zu, da hält nicht jede mehr den schmackhaften Nektar bereit. Bienen werden im gelb blühenden Rucola, der Rauke, fündig, am häufigsten in den Pflanzen der Wildform. Oder auf dem pink leuchtenden Phlox. Schmetterlinge finden ihre Nahrung auf Brennnesseln. Und die zahlreichen Bewohner des Insektenhotels, das sich an der Rückwand des Vereinsheims der Kleingartenanlage an der Alfelder Straße entlangzieht, quasi eine Fünf-Sterne-Anlage aus Stroh, Holz und Stein mit differenzierter Raumausstattung, helfen als Nützlinge, räuberische Plagegeister von den rund 200 verschiedenen Kräuter-Arten fernzuhalten. Denn Chemie kommt in dem etwa 250 Quadratmeter großen Schaukräutergarten nicht zum Einsatz.

Viele Blüten kann man essen

Dort wachsen nicht nur Küchen- und Heilkräuter, sondern auch viele Blumen. Giftpflanzen gibt es nicht. Dr. Helga Sermann erzählt: „Man kann fast alle Blüten hier essen.“ Die 72-Jährige hat einst im Bereich Phytomedizin der Berliner Humboldt-Universität gearbeitet. Jetzt, als Rentnerin, führt sie das Werk ihres vor zwei Jahren verstorbenen Ehemanns fort, nach dem die Gartenfreunde aus Dankbarkeit ihren Schaukräutergarten benannt haben. Sie ist inhaltlich für den Garten und seine Ausgestaltung zuständig. Der promovierte Gartenbauingenieur Rainer Sermann hatte im Jahr 2004 die Idee für den Gemeinschaftsgarten, 2005 wurde dieser Realität. Der Schaugarten, in dem Besucher viel über Kräuter lernen können, trug mit dazu bei, dass die Kleingartenanlage Am Fuchsberg im Jahr 2010 mit der Silbermedaille im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ geehrt wurde. Der Besuch ist übrigens kostenlos, allerdings sollte man sich anmelden.

Prickeltest und Colageschmack

Auch heute haben zwei Frauen vorbeigeschaut. Sie wollen sich Anregungen mitnehmen. Von Dr. Helga Sermann erfahren sie u.a., wie man Brunnenkresse im Teich anbaut und dass ganz vieles, was landläufig als Unkraut bezeichnet wird, durchaus auf den Tisch kommen kann. Die Gartenmelde zum Beispiel, eine Zuchtform, kann man genau so gut zum Salat geben wie die Wildform, die man als Kleingärtner üblicherweise vom Beet entfernt. Vogelmiere tut nicht nur dem Wellensittich gut, sondern kann auch den menschlichen Speiseplan bereichern. Und natürlich machen die Gäste auch den Prickeltest, den schon Garten-Initiator Rainer Sermann eingeführt hatte: Sie kauen ein Blättchen der Parakresse. Erst tut sich nichts, aber dann prickelt es auf der Zunge, ein wenig wie aromatisches Brausepulver mit Kräuternote. Die Pflanze wird als Würzmittel, aber auch zum Heilen, beispielsweise bei Zahnschmerzen, verwendet. Nach dem Prickelblatt wird ein anderes in den Mund gesteckt. Dieses erinnert an Cola, es schmeckt ein wenig nach der koffeinhaltigen Limonade.

AG Kräuterkinder

Solche Pflanzen beeindrucken besonders Kinder, erzählt Dr. Helga Sermann. Die Kleingärtner vom Fuchsberg wollen das Wissen über heimische und Gartenkräuter, das verloren zu gehen droht, bewahren. Deshalb haben sie inzwischen auch die AG „Kräuterkinder“ gegründet. Diese trifft sich regelmäßig, lernt die Pflanzen kennen. „Über die Kinder erreicht man dann auch die Eltern“, sagt Helga Sermann. Es können übrigens nicht nur die Mädchen und Jungen der Kleingärtner zu den AG-Stunden kommen, sondern auch Kinder aus der Umgebung. Während auch Kitagruppen gern mal im Kräutergarten vorbeischauen, gibt es leider keine Kontakte zur Schule Am Fuchsberg, bedauert Helga Sermann: „Das ist schade, sie könnten bei uns schließlich ziemlich viel nützliches Wissen erwerben.“

Dass der Garten so gut gepflegt ist, ist Gemeinschaftswerk. Das betont Helga Sermann, die selbst keine Parzelle Am Fuchsberg hat, sondern ein Eigenheim in der Nähe, ganz besonders. „Viele packen hier ehrenamtlich mit an“, sagt sie. Ganz besonders hebt sie Rosi Maass hervor: „Sie ist die Organisatorin und die gute Seele des Kräutergartens, hat die Kräuterkinder AG initiiert und leitet sie.“

In der nächsten Saison ein Senioren-Hochbeet

Für die nächste Garten-Saison gibt es auch schon Ideen, berichtet Helga Sermann. Dann nämlich sollen nicht nur Kinder, sondern auch Senioren im Kräutergarten zum Zuge kommen: „Wir wollen ein Hochbeet bauen, das diese gut pflegen können.“ Im höheren Alter bückt man sich schließlich nicht mehr ganz so gern zum Boden.

Der Schaukräutergarten der KGA Am Fuchsberg, Alfelder Str. 60, ist von Ende Mai bis Ende September geöffnet. Telefonische Anmeldung zur Besichtigung unter der Rufnummer 0174-815 99 63 bzw. über die Internetseite des Kleingartenvereins.

 

Garten-Tipp: Was tun gegen Schnecken?
Dr. Helga Sermann empfiehlt ein ökologisches Vorgehen: Feuchte Lappen am Abend auslegen. Am Morgen haben sich Schnecken darauf gesammelt, die man dann leicht aus dem Garten entfernen kann.

 

 

 

 

 

 

 

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