Justizsenator besucht das Tierheim Berlin in Falkenberg

Erstmals gibt auch der Staat Geld

17.03.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Falkenberg. Die Mini-Schildkröte hat es eilig. Bloß schnell wieder runter, mag sie sich denken, als sie auf Dirk Behrendts Hand sitzt – und stürzt sich hinab. Gut, dass das kleine Tier einen dicken Panzer besitzt, es landet damit weich. Dabei hat es gar keinen Anlass, sich vor dem bündnisgrünen Justizsenator zu fürchten. Denn dieser ist auch für den Tierschutz in der Hauptstadt zuständig und besucht deshalb am Freitagnachmittag, 16. März, das Tierheim Berlin am Hausvaterweg 39. Eingeladen dazu hat ihn der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier. Dieser hatte sich mit anderen Abgeordneten von Rot-Rot-Grün dafür stark gemacht hat, dass das Tierheim in Falkenberg erstmals in seiner Geschichte überhaupt eine Zuwendung vom Staat bekommt. Jeweils 300.000 Euro soll die Einrichtung, in der ausgesetzte, gequälte und vernachlässigte Tiere ein Zuhause auf Zeit haben, in den beiden Haushaltsjahren 2018 und 2019 vom Senat erhalten. So hat es das Parlament beschlossen.

Pro Tag werden 1.400 Tiere versorgt

Bisher zahlt der Tierschutzverein für Berlin (TVB) den Tierheimbetrieb und alles, was damit zusammenhängt, allein. Er finanziert sich aus den Beiträgen seiner rund 15.000 Mitglieder, aus Spenden- und Sponsorengeldern sowie aus Vermächtnissen tierliebender Berliner. Im größten und modernsten Tierheim Europas werden zwischen 10.000 und 12.000 Tiere jährlich betreut, pro Tag sind es rund 1.400 Tiere. Hunde und Katzen natürlich, aber auch Vögel und Nager sowie sogenannte Exoten. Auch Nutztiere gibt es dort, im eigens errichteten Tierschutz-Bauernhof.

Längere Verweildauer

Die Zahl der Tiere, die in Falkenberg untergebracht werden, weil ihre ursprünglichen Besitzer nicht mehr für sie sorgen wollen oder können, ist in den letzten Jahren zwar etwas gesunken, sagt Jan Berge, Geschäftsführer des TVB. Doch die Tiere bleiben länger als früher in der Einrichtung. „Denn sie sind zunehmend älter, kränker und verhaltensauffälliger.“ Die Vermittlung in liebevolle Hände dauere deshalb. Tierheimleiter Michael Abel ergänzt: „Es ist ein großer Aufwand, auch diese Tiere vermittlungsfähig zu machen.“ Acht Tierärzte kümmern sich um die Tierheim-Tiere, es gibt drei Hundetrainer und sogar eine eigene Reha-Station für Hunde.

Vertrag über Tiersammelstelle wird neu verhandelt

Viele Tiere kommen über die Amtliche Tiersammelstelle, für die der Bezirk Lichtenberg im Auftrag des Landes zuständig ist, in den Hausvaterweg. Doch der TVB hat kürzlich den bisherigen Vertrag gekündigt. Denn das Geld, was er dafür von der öffentlichen Hand bekommt, reicht hinten und vorn nicht. Der Verein muss große Summen zuschießen. Der Staat übernimmt bisher nur für 30 Tage die Kosten, doch die Tiere bleiben oft viel länger im Heim. Inzwischen laufen Verhandlungen für einen neuen Vertrag. „Wir wünschen uns dabei auch so eine Unterstützung durch die Politik wie bei der Entscheidung über die jährliche Zuwendung“, sagt Geschäftsführer Berge. Das Ziel sei eine auskömmliche Finanzierung für die Tiere, die der TVB im Auftrag der Behörden betreue.

Nur für konkrete Projekte

Die versprochenen 300.000 Euro gibt es nur für konkrete Projekte des Tierschutzvereins. Über diese wird jetzt beraten. Berge und Abel legen dem Senator und dem Abgeordneten eine Skizze vor. Diese zeigt, wie die Quarantänestation für Katzen aus- und umgebaut werden soll. Denn jedes Tier, das nach Falkenberg kommt, geht erst einmal in Quarantäne – es sollen schließlich keine Krankheiten eingeschleppt werden. Für Katzen gibt es aktuell 162 Boxen und acht Räume in drei Stationen. Diese sollen noch in diesem Jahr umgebaut werden, 16 neue Räume sollen entstehen. Dann können dort 174 Katzen untergebracht werden. „Es wird alles etwas großzügiger“, sagt der Tierheimleiter. In Quarantänestationen verbleiben Tiere von durchschnittlich einer Woche bis länger als einen Monat. Sven Kohlmeier regt an, auch die Versorgung der von freilebenden Katzen, um die sich TVB-Mitglieder ehrenamtlich kümmern, als Projekt einzureichen. Es gibt 250 Futterstellen in Berlin, pro Monat werden dafür insgesamt 20.000 Futterdosen gebraucht.

Dach wird bald saniert

Der Justizsenator zeigt sich zuversichtlich, dass er in Kürze den Zuwendungsbescheid überbringen kann: „Ich freue mich schon darauf.“ Dann will er noch etwas wissen: „Was ist denn eigentlich mit dem Schaden am Dach?“ Wie berichtet, hatte der sintflutartige Regen im Juli vergangenen Jahres an der Dachkonstruktion des Tierheims große Schäden hinterlassen. Diese sind inzwischen provisorisch beseitigt worden. Wurde anfangs mit Kosten in Millionenhöhe für die Sanierung gerechnet, fallen diese nun doch glücklicherweise etwas geringer aus: „Es wird eine mittlere sechsstellige Summe gebraucht“, sagt Geschäftsführer Berge. Eine Ausschreibung ist beendet worden, Anfang April soll eine Firma beauftragt werden. „Wir sind ganz gerührt von der Unterstützung der Tierliebhaber, denn es wurde so viel Geld gespendet, dass wir die Arbeiten damit finanzieren können.“

„Wir fühlen uns gehört!“

Auch bei Behrendt und Kohlmeier bedanken sich Berge und Abel. Ihr Besuch sei ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit des Tierschutzvereins. „Wir fühlen uns gehört von Ihnen!“, unterstrichen sie.

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