Erstes Richtfest vor genau 40 Jahren

03.09.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-3), Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf, Sammlung Breitenborn (4). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. „Es war ein großes Brimborium zum Richtfest des ersten Zehngeschossers an der Marchwitzastraße 41-45 am Freitag, 2. September 1977“, erinnerte sich die Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf Dagmar Pohle (Linke). 40 Jahre später trafen sich auf den Tag genau, am Sonnabend, 2. September 2017, Bewohner, Vertreter der degewo, der Ersten Marzahner Wohnungsgenossenschaft eG und weiterer Wohnungsunternehmen sowie Bezirksstadträte und Politiker an der steinernen Richtkrone, Allee der Kosmonauten, um den Tag zu würdigen. Denn immerhin kennzeichnete das erste Richtfest den Baubeginn von Europas größtem Neubaugebiet in Plattenbauweise. „Innerhalb von nur 13 Jahren bauten über 1.000 Bauarbeiter 35.000 Wohnungen für 100.000 Einwohner“, sagte Dagmar Pohle. Hinzu kamen sämtliche infrastrukturellen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Kaufhallen, Poststellen und Sero-Stützpunkte (Sekundärrohstoff-Annahmestellen).

„Hier war alles abgesperrt“, sagte Dagmar Pohle. „Die heutige Allee der Kosmonauten hieß noch Springpfuhlstraße.“ Die Bürgermeisterin war beim damaligen Richtfest mit dabei, bezog kurze Zeit später selbst eine der Neubauwohnungen. Die ersten Mieter zogen bereits im Dezember 1977 in die begehrten Wohnungen mit Fernheizung und fließend Warmwasser ein. Nicht wenige wohnen heute noch dort. Die Bewohner des Marchwitza-Kiezes haben das höchste durchschnittliche Alter im Bezirk. Pohle bedankte sich bei den Wohnungsunternehmen, die mittlerweile alle Bauten modernisiert haben und die vielen Grünanlagen um die Häuser in Schuss halten. Johannes Martin, Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen (CDU), hatte im Vorfeld des Festaktes dafür gesorgt, dass Graffiti-Schmierereien an der steinernen Richtkrone beseitigt wurden.

Großen Beifall erhielt der mittlerweile 81-jährige Peter Zeise (Foto). Er war der Hochbau-Brigadier im Wohnungsbaukombinat (WBK), und hatte mit seinen Bauleuten das erste Haus hochgezogen. Ihm zu Ehren war später die symbolische Platte, die an der Richtkrone steht, scherenförmig mit seiner Silhouette ausgeschnitten worden. Sie zeigt, wie der Bauarbeiter mit erhobenem Arm dem Kranführer ein Zeichen gibt, um die erste Richtkrone hochzuziehen. Der heute betagte Rentner verlässt aus gesundheitlichen Gründen nur noch selten seine Friedrichshagener Plattenbauwohnung. Er ließ es sich jedoch nicht nehmen, bei der Würdigung mit dabei zu sein. Für die Fotografen posierte der hochgewachsene Mann noch einmal hinter dem Plattenausschnitt.

Unter den Anwesenden bei dem Treffen war auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundestagsabgeordnete für Marzahn-Hellersdorf Petra Pau (Linke). Das sich anschließende Einwohnerfest im Bürgerhaus „Südspitze“ des Ball e.V. bot zahlreiche Gelegenheit – bei Speis und Trank, historischen Marzahn-Filmvorführungen und Musik – weitere Erinnerungen an den Aufbau Marzahns auszutauschen.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden