Hilfe für Zootier kam vom Spezialisten aus dem Sana Klinikum

Endoskopie bei Orang-Utan-Dame

20.12.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Sana/Mark Bollhorst

Lichtenberg. Ein Leichtgewicht ist die 14-Jährige Orang-Utan-Dame Djasinga aus dem Zoo Berlin nicht – und sie war auch kein Alltagspatient für Priv.-Doz. Dr. med Dirk Hartmann aus dem Sana Klinikum Lichtenberg. Der Gastroenterologe, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie, führte vor einer reichlichen Woche erfolgreich eine Endoskopie bei der Menschenaffen-Dame durch, gemeinsam mit einem Team des Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und Tierärzten aus dem Zoo. Bei einer Endoskopie wird eine Sonde samt Optik in eine Körperhöhle eingeführt, die Ärzte können auch Eingriffe vornehmen.

Tier zeigte wiederholt Kolik-Symptome

Djasinga wurde in den Räumen des Instituts an der Alfred-Kowalke-Straße in Lichtenberg behandelt. Das Tier hatte vor etwa einem Jahr eine bei den Orang-Utans häufige Kehlsackentzündung erlitten, die durch gezielte Behandlung schnell wieder abheilte. Allerdings zeigte sie in den vergangenen Wochen wiederholt Kolik-Symptome. Deshalb hatten sich die Tierärzte entschieden, Djasinga im IZW per CT und Ultraschall genauer zu untersuchen. Zwar konnte dabei eine erneute Kehlsackentzündung ausgeschlossen werden, es zeigte sich allerdings zu Abflussproblemen führender Gries in Djasingas Galle. Wie auch in der Humanmedizin konnte diese kleinere Version des Gallensteins durch eine Endoskopie entfernt werden.

Bisher einzigartiger Eingriff

„Das Besondere bei dieser Endoskopie war die Darstellung der Gallenwege – es war eine sogenannte Endoskopisch retrograde Chlangioskopie. Die Herausforderung hierbei war unter anderem, dass wenig über die Anatomie der Gallenwege beim Primaten bekannt ist“, erläutert Dr. Hartmann.

„Es ist nicht unüblich, dass zu manchen Behandlungen von Zoo-Tieren Humanmediziner hinzugezogen werden“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem, der selbst Tierarzt ist. „Durch die nahe Verwandtschaft zum Menschen liegt dieses Vorgehen natürlich vor allem bei Orang-Utans nahe. Dennoch ist uns bisher keine andere derartige Endoskopie bei einem Menschenaffen bekannt.“

Die Patientin hat sich inzwischen gut erholt

Inzwischen hat sich Djasinga von dem Eingriff sowie der vor allem für Menschenaffen nicht unproblematischen Vollnarkose gut erholt. Sie hangelt bereits wieder zusammen mit ihren beiden Artgenossen Satu (11) und Mücke (27) durch die gemeinsame Anlage.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden