Das Ende der Kreidetafeln ist nah

12.07.2017, Jule Pauline Damaske

Fotos: Jule Damaske. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Die Lichtenberger Schulen sind auf dem Weg ins digitale Zeitalter. Im Haushaltsplan 2018 sind weitere Einrichtungen für die Ausstattung mit interaktiven Whiteboards vorgesehen, sagt Fabian Peter, Referent von Schulstadtrat Wilfried Nünthel (CDU). 300.000 Euro werden in die digitalen Tafeln investiert. Weiterhin sind 75.000 Euro für die Internetausstattung vorgesehen. Bisher ist allerdings ungeklärt, ob die circa 100 Tafeln auf alle Schulen verteilt oder einzelne Schulen komplett ausgestattet werden. Problematisch ist hierbei die Verkabelung der Geräte in den Bestandsschulen. Bei Neubauten werden diese gleich mit eingebaut.

Whiteboards für alle bis 2023

Der SPD Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg Kevin Hönicke, fordert kreidefreie Schulen im gesamten Bezirk. Bis 2023 sollten die alten Tafeln in allen Klassenräumen durch interaktive Whiteboards ersetzt werden. Um die Funktionen der neuen Tafeln optimal zu nutzen, sollen WLAN-Netze in allen Unterrichtsräumen eingerichtet werden. „Damit die Schülerinnen und Schüler auf die digitale Gesellschaft vorbereitet werden, müssen die Schulen mit der Zeit gehen“, sagt Kevin Hönicke. Einen entsprechenden Antrag hat seine Fraktion in die BVV eingebracht. Damit es nicht zu bevorteilten Schulen kommt, sollen alle dieselbe Ausstattung erhalten. Die Schulen nutzen derzeit ihre finanziellen Mittel unterschiedlich und setzen sich eigene Schwerpunkte. Einige Schulen haben die Digitalisierung selbst vorangetrieben und dafür teilweise Sponsoren gewonnen. Auch die CDU-Fraktion hat in der BVV gefordert, mehr finanzielle Mittel für eine bessere digitale Ausstattung der Schulen einzusetzen. Neben der Bereitstellung von Hard- und Software sollen die Schulen auch bei der Wartung und Vernetzung von IT-Fachleuten unterstützt werden. „Die Lehrerinnen und Lehrer müssen sich auf die Vermittlung ihrer fachlichen Inhalte und auf die Stärkung der Medienkompetenzen konzentrieren“, erklärt der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Pascal Ribble.

Marzahn hat schon mehr digitale Tafeln

Was für die Schulen in Lichtenberg gefordert wird, ist im Otto-Nagel-Gymnasium im Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf längst Alltag. Seit 2008 gibt es dort die ersten interaktiven Whiteboards. Seit 2012 ist die Schule kreidefrei und die digitalen Tafeln sind nicht mehr wegzudenken. In dem Gymnasium besitzt jeder Schüler ein MacBook. Ab der 5. Klasse bekommen die Schüler einmal pro Woche Enrichmentunterricht, in dem sie den Umgang mit dem Computer erlernen. Sowohl Lehrer als auch Schüler sind begeistert von den Whiteboards. „Für die Schüler ist es eine zusätzliche Motivation, im Unterricht mitzuarbeiten“, erklärt die Deutsch- und Englischlehrerin Mareike Wiegand. Die elektronischen Tafeln seien übersichtlicher, man könne Lernstoff abspeichern, aufrufen, weiterverarbeiten und man sei flexibler.

Als die ersten Whiteboards eingeführt wurden, fühlten sich viele Lehrer unsicher, mit den digitalen Geräten im Unterricht zu arbeiten. – vor allem weil es technisch begabte Schüler gab, denen der Umgang mit Computern und elektronischen Geräten schon bestens vertraut war. Anfangs mussten die Lehrer lernen, mit der neuen Technik umzugehen und die vielfältigen Möglichkeiten der Whiteboards zu erkennen und zu nutzen. Seit 2013 werden an der Volkshochschule dafür spezielle interaktive Whiteboard-Kurse für die Berliner Lehrkräfte angeboten. Am Otto-Nagel-Gymnasium wird neben freiwilligen Schulungen, die circa fünfmal im Schuljahr stattfinden, von Informatiklehrern und technikaffinen Schülern einmal in der Woche eine Techniksprechstunde angeboten. Jede Klasse hat einen Whiteboardverantwortlichen, der den Lehrer bei technischen Problemen unterstützt. Das gibt vielen Lehrern zusätzliche Sicherheit.

Unterrichtsinhalte werden visualisiert durch Bilder, Videos und Grafiken. Tafelbilder können bereits vor der Unterrichtsstunde angelegt werden. Die Benutzung ist abhängig von dem jeweiligen Unterrichtsfach und vom Lehrer. Gerade im Kunst- und Deutschunterricht arbeiten die Schüler manchmal individuell und die Whiteboards werden nicht benötigt. Im sprachlichen und naturwissenschaftlichen Bereich kommen die Tafeln hingegen viel zum Einsatz.

Lernmittel mit Potenzial

Für die Schüler sei es wichtig, Medienkompetenzen und –fähigkeiten zu sammeln, meint der Lehrer und Bezirksverordnete Kevin Hönicke (SPD). Er unterrichtet seit 2013 Mathematik und Physik am Otto-Nagel-Gymnasium. Auch er hatte einige Schwierigkeiten, sich an die Nutzung der Whiteboards zu gewöhnen, erkannte jedoch schnell das Potenzial der Boards. Durch die interaktiven Methoden könnten die unterschiedlichen Lerntypen unter den Schülern besser gefördert werden, meint der Lehrer. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler meist mehr Erfahrungen mit technischen Geräten besitzen. „Man sollte es als Chance begreifen, dass die Schüler auch einmal besser sind als ihre Lehrer“, sagt Kevin Hönicke. Die Gymnasiasten brächten viele alltägliche Erfahrungen mit und könnten diese in den Unterricht einfließen lassen.

Durch die Einführung digitaler Whiteboards werden Kreidetafeln nicht mehr benötigt. Die Prinzessinnengärten in Kreuzberg recyceln alte Tafeln, die sie von Schultafelherstellern bekommen. Die Tafeln werden zur Herstellung von Tischen verwertet und können teilweise für vier Euro pro Quadratmeter gekauft werden. Rund 400 Tafeln werden im Jahr verarbeitet. Die Bearbeitung einer Tafel dauert etwa zwei Stunden.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden