30 Jahre Hohenschönhausen: Lange Nacht mit Filmen aus und über den Bezirk 1985-2015

Ein Stadtteil, unterschiedliche Blickwinkel

17.05.2015, Andrea Scheuring

Fotos: Andrea Scheuring (1, 3-5), Bezirksamt Lichtenberg (2), moviemento (6, 7, 9), Volker Meyer-Dabisch (8)

Hohenschönhausen. Der Bezirk wird 30! Am 1. September 1985 waren auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung die Ortsteile Hohenschönhausen, Falkenberg, Wartenberg und das östliche Malchow als eigenständiger Stadtbezirk Hohenschönhausen neu gegründet worden. Dieses Jubiläum muss gefeiert werden. Auf Initiative des Bezirksamtes Lichtenberg findet am 20. Juni die „Lange Filmnacht Hohenschönhausen“ statt. Von 14 bis etwa 23.30 Uhr wird dann in der Jugendfreizeiteinrichtung „Die Arche“, Degenerstraße 40, 13053 Berlin, ein filmisches Kaleidoskop unterschiedlicher Sichtweisen auf 30 Jahre Hohenschönhausen in Form von Kurz-, Trick- und Dokumentarfilmen zu sehen sein. Die beiden Organisatorinnen, die Kulturwissenschaftlerin Berit Petzsch und die Medienwissenschaftlerin Stefanie Eckert, haben wochenlang im Internet und in Archiven recherchiert, herumtelefoniert, Filme gesichtet und am Programm gefeilt. „Wir haben geguckt, was es so alles über Hohenschönhausen gibt, vielleicht auch aus den 80er Jahren, auch bei der DEFA-Stiftung und in Archiven. Wir sind auf viele interessante Sachen gestoßen. Spielfilme waren allerdings schwer zu finden“, erklärt Berit Petzsch. „Am Ende hatten wir mehr Material, als wir zeigen können. Das Programm ist eine gute Mischung aus professionellen Filmen – wie etwa der preisgekrönten Doku „Heimspiel“ von Pepe Danquart über die Eisbären – und nicht kommerziellen Kinder- und Jugendfilmprojekten im Bezirk. Hinzu kommen noch Archivaufnahmen.“

Das achtstündige Programm der „Langen Filmnacht“, die mit Mitteln des Bürgerhaushalts Lichtenberg, durch das Bezirksamt sowie die Wohnungsbaugesellschaft Howoge finanziert wird, präsentiert sich in sechs unterhaltsamen wie interessanten Filmblöcken, zwischen denen es auch Raum für Gespräche untereinander, mit Künstlern sowie den an den Filmprojekten beteiligten Jugendlichen geben soll. Der 45minütige Kinderfilm-Block eröffnet das Event. Gezeigt wird u.a. der Streifen „Unfaires Leben“ (2013), der im Rahmen von „Kinder machen Kurzfilme“ gedreht worden ist, einem Projekt, das in Berliner und Brandenburger Grundschulen Workshops mit Kindern durchführt, in denen Geschichten entwickelt und diese dann filmisch umgesetzt werden. Der Film ist nach der gleichnamigen Geschichte von Christoph Cordes aus der Sonnenuhr Grundschule Lichtenberg entstanden. Außerdem zu sehen sein wird „Unsere Lieblingsorte in Lichtenberg-Hohenschönhausen“, ein Filmprojekt von kijufi/ Landesverband Kinder- und Jugendfilm Berlin, in dem Mädchen und Jungen aus dem Flüchtlingsheim Lichtenberg gemeinsam mit Kindern der Brodowin Grundschule ihren Kiez erkunden. Der Streifen sowie zwei Lege-Trickfilme, die ebenfalls über die Leinwand flimmern, sind in einem 10tägigen Projekt in den Herbstferien 2014 entstanden. „Eingerahmt wird der Kinderfilmteil von einem Sandmännchen-Vor- und -Abspann, in dem Hohenschönhausen zu sehen ist. Den haben wir gücklicherweise im Archiv gefunden“, freut sich Berit Petzsch über das filmische Kleinod.

Im zweiten Block „Aktuelle Kamera – ein Plattenbauviertel entsteht“ werden Aufnahmen des Deutschen Rundfunkarchivs aus den Jahren 1984 bis 1988 über die Entstehung des Neubaugebiets Neu-Hohenschönhausen von der Grundsteinlegung durch Erich Honecker bis zum dreijährigen Jubiläum gezeigt. Bei den Aufnahmen handelt es sich um eine chronologische Zusammenstellung verschiedener Beiträge aus dem DDR-Fernsehen. Zu Wort kommen darin verschiedenste Personen vom Bauarbeiter, Bewohnern des neugegründeten Bezirks bis hin zum Parteifunktionär.

 

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Erinnerung und Begegnung“ heißt der dritte Block der Filmnacht. Die geplanten 82 Minuten teilen sich die Dokumentation „Der weiße Fleck“, in der sich Schüler/innen des Grünen Campus Malchow im Rahmen der AG (L)Einwand mit der Geschichte der ehemaligen Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen beschäftigt haben – sowie der Film „Die B-Klasse, Pioniere der letzten Stunde“. Dieser spannende Streifen (2008) von Maren Erdmann – „eine persönliche Studie und Zeitreise in die Vergangenheit“ – handelt von „verlorenen Autoritäten, unerreichten Wünschen, der alten Heimat und neuen Freiheiten“. Die Filmemacherin porträtiert ehemalige Mitschüler ihrer Klasse 1b der 22. Polytechnischen Oberschule „Anna Seghers“ in Hohenschönhausen. 1984 gemeinsam eingeschult, erlebten sie mitten in der Pubertät den Mauerfall, die politische Wende und die Veränderungen des damals so beliebten Plattenbauviertels. Filmblock 4 ist ein „Heimspiel“. Gezeigt wird u.a. die gleichnamige Dokumentation (1999/2000) von Pepe Danquart über den in Wendezeiten schwer erschütterten Ostberliner Eishockey-Club Dynamo, der inzwischen als „Die Eisbären“ Bundesliga-Geschichte schreibt. Als Vorfilm läuft „Parkour – Lichtenberger Jugendliche machen ihr Ding“ von 2015. Dokumentarisch wird über die von Jugendlichen aus dem Asylbewerberheim Werneuchener Straße gegründete und selbstverwaltete Parkourgruppe im Jugendclub OCB berichtet.

„Erzähl mir dein Leben – Gesichter der Arche“ (2014), eine Gemeinschaftsproduktion lokaler Bündnisse für Bildung, läuft im fünften Filmblock mit Jugendfilmen ergänzend zum Dokumentarstreifen „Sperrmüll“, den Helke Misselwitz im Frühsommer 1989 drehte. Sie porträtiert darin junge Musiker einer Band, die auf weggeworfenen Gegenständen musizieren. Die vier Jungendlichen, aufgewachsen in den Plattenbauten Ostberlins, nennen sich „Sperrmüll“ und erleben private und gesellschaftliche Veränderungen in der Vorwende-Zeit. Nach diesem dokumentarischen Zeitzeugnis nimmt der sechste und letzte Block der Filmnacht die Besucher mit nach „Hohenschönhausen heute“. Nach einer kurzen Einführung durch den Berliner Filmemacher Volker Meyer-Dabisch wird dessen Roadmovie „Von Hohenschönhausen nach Niederschöneweide“ gezeigt, das im vergangenen Jahr im Kino zu sehen war. Vorab läuft der Kurzfilm „JBAK-Totem“ (2014), in dem die Kamera das US-amerikanische Künstlerduo JBAK bei seinen Arbeiten am Fassadenkunstwerk „Totem“ an der Landsberger Allee 228b begleitet. Der Film ist im Rahmen der „Lichtenberg Open Art“, einer Kunst- und Bildungsinitiative der Wohnungsbaugesellschaft Howoge, entstanden.

„Wir planen, die Filmnacht bei schönem Wetter Open Air im Garten der Arche bei Getränken und Gegrilltem ausklingen lassen zu können“, sagt Berit Petzsch. Sie hofft auch auf ein zahlreich erscheinendes Publikum. „Wir wollen mit dem gemischten Programm Jung und Alt in Hohenschönhausen und Lichtenberg gleichermaßen erreichen, Alteingesessene ebenso wie Zugezogene, die vielleicht Interesse an der Geschichte, aber auch der Gegenwart ihres Kiezes haben. Aber natürlich auch Leute aus anderen Bezirken.“ Aktuelle Informationen sowie das ausführliche Programm der „Langen Filmnacht“ finden sich auf einem eigenen Weblog bzw. auf der Facebook-Seite des Events.

 

 

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