Marzahn-Hellersdorf plagt sich mit Nagern:

Ein Paradies für Ratten

01.11.2017, Birgitt Eltzel & Marcel Gäding

Nicht nur niedlich, sondern mitunter auch gesundheitsgefährend: eine Ratte. Fotos: pixabay.com/ Wolfgang Vogt; Birgitt Eltzel; André Kiebis

Marzahn-Hellersdorf. Als André Kiebis, der Vorsitzende des Vereins „Helle Hunde“, mit seinem Golden Retriever Max kürzlich über den Boulevard Kastanienallee spazierte, staunte er nicht schlecht. In aller Seelenruhe spazierte eine Ratte über den Boulevard, um dann gemächlich in einem Gebüsch zu verschwinden. Es ist nicht das erste Mal, dass der Mittvierziger auf dem Boulevard, in dessen Mitte es viele Büsche und Sträucher gibt, solche Nager gesehen hat. „Das nimmt zu“, sagt er. Er kritisiert den Bezirk und den Vermieter Deutsche Wohnen, die zu wenig gegen diese Plage tun.

Marzahn-Hellersdorf hat ein Rattenproblem: Wie Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) kürzlich sagte, seien 2016 offiziell 1.333 Ratten „gemeldet“ worden. Damit liegt der Bezirk an der Spitze, gefolgt von Mitte (1.244), Friedrichshain-Kreuzberg (1.186) und Lichtenberg (1.051). Wie hoch die tatsächliche Zahl der in Marzahn-Hellersdorf lebenden Ratten ist, kann Pohle nicht sagen. „Eine Schätzung ist nicht möglich.“ Die genannten Daten stammen von den Gesundheitsämtern. Dort muss jeder Grundstückseigentümer nach der Berliner Schädlingsbekämpfung Ratten melden. Von ihnen geht ein Gesundheitsrisiko aus, sagen die Behörden. „Stellt eine pflichtige Person einen Befall mit Gesundheitsschädlingen fest, hat sie unverzüglich dies dem zuständigen Gesundheitsamt anzuzeigen und eine Fachkraft mit der Bekämpfung zu beauftragen“, heißt es dazu in der Verordnung. Dass der Bezirk zu wenig macht, will die Verwaltung so nicht hinnehmen. Über das Internet werde Aufklärungsarbeit betrieben, sagt Dagmar Pohle. Allerdings: Wer auf der Seite des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf nach konkreten Infos sucht, wird nicht fündig.

Gefundenes Fressen für Ratten

Obwohl immer wieder Jagd auf Ratten gemacht wird, ist das Problem in Marzahn-Hellersdorf präsent. Denn überall, wo Menschen Schmutz und Essensreste hinterlassen, fühlen sich die Tiere, die zahlreiche Krankheiten übertragen können, wohl. Auch auf dem Cecilienplatz in Kaulsdorf-Nord, wo Strauchrabatten häufig als Mülleimer missbraucht werden, manchen sogar als Toilette fürs große Geschäft dienen, wurden mehrfach Ratten von Passanten gesichtet. „Der Schwerpunkt liegt auf Frei- und Grünflächen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Pohle. Aber auch Lebensmittelreste und offene Mülltonnen ziehen Ratten an. Weil viele Frei- und Grünflächen nicht ausreichend gepflegt werden, bieten sie für die Nager einen guten Rückzugsort. Wichtige Partner bei der Rattenbekämpfung sind nach Pohles Darstellung die Vermieter. „Hier haben die Hausmeister eine große Verantwortung“, sagt sie. Konkret: Nur, wenn Müllplätze und Grünflächen vor Wohnhäusern sauber gehalten werden, kann man den Ratten das Leben schwer machen.

Vermehrungsfreudige Wanderratten

Bei den Ratten in Berlin handelt es sich in der Regel um sogenannte Wanderratten. Die sind bereits nach gut drei Monaten geschlechtsreif und können innerhalb von 23 Tagen bis zu zwölf Jungtiere zur Welt bringen – und das bis zu sieben Mal im Jahr. Vor allem die Hauptstadt ist ein Paradies für die Nagetiere, denn sie finden flächendeckend genügend Futter. Schuld sind nach Ansicht der Experten die Menschen – sie begünstigen durch ihr Verhalten die unkontrollierte Vermehrung der Ratten. Das Problem: Die frei lebenden Tiere haben Anteil daran, dass Krankheiten wie Durchfall oder aber Tierseuchen übertragen werden.

Die bezirklichen Gesundheitsämter haben daher Tipps zusammengestellt. Speisereste sollten nicht in Toiletten gekippt und am besten in verschlossenen Behältern gelagert werden. Müllbehälter sollten stets verschlossen sein. Eine weitere wirksame Maßnahme gegen die Rattenausbreitung sei es, Nistmöglichkeiten einzuschränken. „Insbesondere sollten Höfe, Keller und Lagerräume übersichtlich gestaltet sein und gegebenenfalls regelmäßig einer Entrümpelung unterzogen werden“, erklärt hierzu das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo).

 

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