Zerstörte Malchower Dorfkirche soll nachgezeichnet werden

Ein Ort für die Ewigkeit

26.06.2016, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Malchow. Die mittelalterliche Dorfkirche von Malchow wurde am 20. April 1945, beim Sturm der sowjetischen Armee auf Berlin, zerstört. Nun soll die alte Kirche ins Dorf zurück – allerdings nicht als exakter Nachbau. Der historische Grundriss des Gebäudes soll durch eine „Nachzeichnung“ der alten Mauern wieder sichtbar werden.

Durch die Wehrmacht gesprengt
Das in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Gotteshaus an der Dorfstraße, umgeben vom Friedhof des Dorfes, war von der Wehrmacht gesprengt worden, um den heranrückenden Sowjettruppen keinen erhöhten Orientierungspunkt zu geben. Wiederaufgebaut wurde die Kirche nicht, lediglich ein Mauerrest wurde als Mahnmal gegen den Krieg gestaltet. Ein großer Haufen Feldsteine, die aus dem zerstörten Gebäude stammen, liegt noch auf dem Friedhof, ein anderer Teil wurde in den 1980er-Jahren für die Restaurierung der Nikolaikirche in Mitte genutzt. Die Idee für die neue, alte Dorfkirche stammt vom Bürgerverein „Wir für Malchow“ und der Evangelischen Kirchengemeinde, die Planungen dafür vom Landschaftsarchitekten Martin Ernerth, der sich seit Jahren um den Erhalt der Berliner Friedhofslandschaft als kulturellen Schatz kümmert.

Historischen Grundriss wieder sichtbar machen
Nach Ernerths Plänen soll kein Kirchen-Nachbau entstehen, sondern der historische Grundriss von Kapelle und Glockenturm mit der Errichtung der alten Mauern durch Gabionen bis auf einfache Sitzhöhe (etwa 80 Zentimeter) wieder sichtbar gemacht werden. Bernd Tanneberger, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Wir für Malchow“, erläuterte kürzlich bei einem Kiezspaziergang der CDU-Kandidaten zur Berlin-Wahl 2016, Stadtentwicklungs-Stadtrat Wilfried Nünthel (bezirklicher Spitzenkandidat) und Gregor Hoffmann (Direktkandidat Wahlkreis 2) das Vorhaben: „Aus den alten Feldsteinen, die hier auf dem Friedhof liegen, wird das Kirchenschiff nachgezeichnet. Der Turm des Gotteshauses soll durch ein etwa vier Meter hohes Baumspalier symbolisiert werden.“ Der ehemalige Altarraum solle als ganz besondere Grünfläche gestaltet werden – größere Gehölze bilden einen grünen Hintergrund für den davor aufgestellten Gartenaltar und trennen ihn gleichzeitig von der in der Maueröffnung Richtung Straße aufgestellten Christusfigur des Mahnmals für die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Vor dem Altar wird eine Bodenbefestigung aus alten Feldsteinen beziehungsweise Grabsteinen geschaffen, die von Bodendeckern und Rankern umrahmt wird.

Platz auch für Lesungen und Konzerte
Tanneberger sagt, man wolle den Friedhof damit wieder mehr in das dörfliche Leben zurückholen. Die neue Kirchenruine, deren Inneres mit einer Wegedecke aus Promenadengrand (wassergebundene Decke) und Rasen versehen wird, solle nicht nur Raum zur stillen Einkehr oder für Gottesdienste bieten, sondern auch für Lesungen oder passende andere kulturelle oder musikalische Veranstaltungen. Für die Ausarbeitung der Projektidee gab es im vergangenen Jahr erste Mittel aus dem Kiezfonds des Bürgerhaushaltes Lichtenberg. Die veranschlagten Kosten für die Realisierung betragen mehr als 50.000 Euro. „Wir werden um Spender und Sponsoren werben“, sagt der Bürgervereins-Vize. Bei vielen Arbeiten wollten aber die Mitglieder des Bürgervereins auch selbst anpacken.

 

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