Schloss Biesdorf präsentiert sich neu zum Blütenfest

Ein Haus für alle (s)

05.05.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Biesdorf. Die Erwartungen an Karin Scheel, die frühere Leiterin der Galerie M und jetzige Hausherrin in Schloss Biesdorf, sind hoch: Die spätklassizistische Turmvilla an der Bundesstraße 1/5 Alt Biesdorf soll nicht nur eine kommunale Galerie sein, die DDR-Werke und moderne Kunst präsentiert, sondern auch ein Treffpunkt für Kunstinteressierte und Spaziergänger. Sie soll Musik- und andere Veranstaltungen bieten, Gäste nicht nur von nah, sondern auch von fern anlocken und ein wenig auch wie ein Stadtteiltreff wirken – quasi ein Haus für alle (s) sein. Und Galerieleiterin Scheel soll trotzdem besser mit dem Etat auskommen als der vorhergehende Betreiber, die landeseigene Grün Berlin GmbH. Es scheint wie die Quadratur des Kreises, doch Karin Scheel sagt: „Ich freue mich darauf.“

Noch wird aufgebaut

Seit dem ersten Februar ist Schloss Biesdorf wieder unter Regie des Bezirks, nachdem Grün Berlin mit Sonderkündigung ausgestiegen war (wir berichteten). Die erste eigene Ausstellung, die dort gezeigt wird, wird zum Biesdorfer Blütenfest am Himmelfahrtstag, Donnerstag, 10. Mai, eröffnet. Gerade wird aufgebaut, die Räume füllen sich nach Abbau der letzten, noch vom vorherigen Betreiber gestalteten Schau wieder.
„Ankommen“ heißt die Exposition, die bis zum 14. Juni zu sehen sein wird (Vernissage am 10. Mai, 15 Uhr). 21 Künstlerinnen und Künstler, die Räume im Atelierprogramm des Bezirks haben oder hatten, stellen Werke vor, die sich entweder mit dem Bezirk und den Menschen dort beschäftigen oder mit dem eigenen Atelier, befragen auch ihre künstlerische Arbeit an sich. Das Ankommen im Schloss, der neuesten kommunalen Galerie Berlins, wird ebenfalls thematisiert.

Zwei Räume für Kunstarchiv Beeskow

Kunst aus der DDR-Sammlung des Kunstarchivs Beeskow,  die nach den Förderbedingungen der EU zur Schloss-Sanierung gezeigt werden muss, wird in zwei Räumen im Obergeschoss Platz finden. „Das wird jetzt immer so sein“, sagt Marzahn-Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke). Denn Grün Berlin war heftig für eine lieblose Präsentation der DDR-Kunst kritisiert worden. Es werde allerdings keine Dauerausstellung geben, dafür aber wechselnde Präsentationen des Beeskower Archivs „in einem festen Schaufenster“, so Witt. Das Kunstarchiv zeigt zum Neustart Arbeiten von Dieter Tucholke (1934-2001) mit dem Titel „Negativbilder“. Die insgesamt 20 Blätter des Malers und Grafikers sind 1980 entstanden, als die DDR die gesamte preußische Vergangenheit neu bewertete. Tucholke misstraute diesem Sinneswandel und porträtierte die einzelnen Könige Preußens inmitten bizarrer Landschaften, fügte kurze, oft satirische Texte hinzu. Die Ausstellung wurde vom Kunstarchiv Beeskow selbst vorgeschlagen und gestaltet.

Sechs Ausstellungen pro Jahr

Künftig sollen sechs Expositionen pro Jahr im Schloss stattfinden. Bis zum Jahresende 2018 hat Karin Scheel das Programm schon durchgeplant. Sie hebt zwei Ausstellungen besonders hervor: Vom 24. bis zum 30. August heißt es „Make City – ein Festival für Architektur und Andersmachen“ in Kooperation mit der Universität der Künste (UdK) und mit einem begleitenden Film- und Performanceprogramm. Und vom 7. September bis Januar 2019 werden Künstlerinnen und Künstler aus Japan und Deutschland unter dem Motto „Soft City“ künstlerische Positionen im Dialog mit dem öffentlichen Raum in Marzahn-Hellersdorf entwickeln. „Die Ausstellungen waren übrigens nicht oder nur zu kleinen Teilen für die Galerie M konzipiert“, sagt Karin Scheel. Sie weist auf eine weitere Aktion im Schloss hin, das sogenannte Kunstvermittlungsprogramm Labor M. Dort werden an drei Tagen Veranstaltungen und Workshops zu den laufenden Ausstellungen für alle Altersgruppen angeboten.

Mit dem Etat muss ausgekommen werden

Grün Berlin war bekanntlich wegen Finanzierungsproblemen beim Schloss-Betrieb ausgestiegen. Wie will der Bezirk angesichts dessen, dass der Besuch von kommunalen Galerien kostenlos ist, mit dem zur Verfügung stehenden Etat von 500.000 Euro pro Jahr auskommen? Dazu gibt es noch keine klare Antwort. „Wir werden sparen müssen“, sagt Witt. Wo und wie, dazu äußert sie sich nicht. Grün Berlin hatte laut Witt für das Jahr 2017 insgesamt 33.000 Gäste in Schloss Biesdorf abgerechnet, aber bei Kartenpreisen von durchschnittlich 5 Euro lediglich 32.000 Euro eingenommen. „Die meisten Besucher waren also auch damals schon nicht zahlende Gäste“, sagt Witt.

Auch für private Feiern können Räume gemietet werden

Wenngleich das Haus eine Galerie ist, sollen nicht nur Bilder und Skulpturen dort gezeigt werden. Zusätzlich zu den Workshops des Labors M wird es offene Angebote am Nachmittag und am Wochenende geben. Veranstaltungen der Volkshochschule, der Musikschule und der Jugendkunstschule sollen stattfinden, ebenso Angebote des Vereins Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf und weiterer Initiativen. Es gebe zwei „Veranstaltungsfenster“ (freitags von 17 bis 19 Uhr, sonntags von 14-16 Uhr), die auch vom Stadtteilzentrum für seine Angebote genutzt werden können, so Witt. Hintergrund: Das jahrelang vom freien Träger BALL e.V. betriebene Stadtteilzentrum ist wegen der Nutzung von Schloss Biesdorf als Galerie nach der denkmalgerechten Sanierung über die B1/5 nach Alt-Biesdorf 15 gezogen. Etliche alteingesessene Biesdorfer vermissen aber die früheren Angebote von BALL e.V. im Schloss. Witt weist darauf hin, dass künftig auch privat Räume für Feiern angemietet werden können, beispielsweise der kleine Konzertsaal mit Flügel. Oder auch der große Saal, der am Freitag, 11. Mai, um 17 Uhr, bei der Festveranstaltung „150 Jahre Schloss Biesdorf“ seinen Namen nach dessen Erbauer Heino Schmieden erhält.

Ende Mai beginnt Sanierung der Ostterrasse

Schloss Biesdorf ist täglich (außer Dienstag) von 10 bis 18 Uhr, freitags von 12 bis 21 Uhr geöffnet. Das vom Genusskombinat betriebene Café  im Schloss bietet auch Plätze auf der Terrasse – mit Blick in den denkmalgeschützten Schlosspark. Die Ostterrasse wird allerdings vom 28. Mai bis voraussichtlich 20. August saniert. Sie war nicht in die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen 2015/16 einbezogen, Portikus und Turm ebenfalls nicht. Der Bezirk wollte diese Sanierungen so schnell wie möglich nachholen. Jetzt erhält zunächst die Terrasse eine neue Abdichtung, die Deckenfelder werden saniert und gedämmt. Die 200.000 Euro teure Baumaßnahme war im Jahr 2017 genehmigt worden. Finanziert wird das Projekt aus Lottomitteln. 

Weitere Informationen zum Schloss hier…

Das Programm zum viertägigen Biesdorfer Blütenfest…

 

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