Vereine wollen Gebäude am Hechtgraben 1 in Eigenregie betreiben

Ein Bürgerzentrum in der „Platte“

07.05.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Neu-Hohenschönhausen. Treffpunkt, Beratungsstelle und Gesundheitszentrum: Das von außen eher unscheinbare Gebäude an der Straße Zum Hechtgraben 1 ist mit seinen vielfältigen Angeboten ein wichtiger sozialer Pfeiler im Gebiet Neu-Hohenschönhausen-Süd. Dort gibt es unter anderem ein Frauentechnikzentrum, eine soziale Bücherstube, einen Klub für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung, eine Familienschule sowie eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle und auch den Schulpsychologischen Dienst.

„Allein uns besuchen regelmäßig 50 Betroffene aus der nahen Umgebung“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins „Ausblick“, Jeannette Shiferaw. Sie spielen zusammen, backen oder kochen beispielsweise. Auch Cornelia Adolf, Geschäftsführerin des FAN – FamilienANlauf e.V., betont, wie wichtig gerade an diesem Standort solche familienspezifischen Angebote sind. „Es gibt im Wohngebiet einen hohen Unterstützungsbedarf im Sinne der einzelfallorientierten Hilfe für Familien“, erklärt die Vereinschefin. So bekommen immerhin 52,4 Prozent der Grundschüler in der Region einen Lernmittelzuschuss vom Land Berlin: Die Eltern müssen die pro Schuljahr anfallenden Kosten für Schulbücher nicht bezahlen, weil sie Sozialleistungen beziehen.

Vereine sind verunsichert

Seit vielen Jahren ist der unsanierte Plattenbau ebenso ein Sport-Anlaufpunkt. Menschen unterschiedlichen Alters nutzen das besondere Know-how vom Verein Kietz für Kids – Freizeitsport. Neben verschiedenen Gymnastik- gibt es spezielle Reha-Kurse. „Wir betreuen hier beispielsweise 240 Pa­tienten im Herzsport“, berichtet der ehrenamtliche Geschäftsführer Karsten Dietrich.

Doch seit Monaten sind die ansässigen Vereine verunsichert. „Wir wissen nicht, ob und wie es hier künftig weitergeht, es muss endlich etwas passieren“, mahnt er das Bezirks­amt an. „Wir fühlen uns allein gelassen und fordern endlich eine Entscheidung zur Zukunft des Hauses“, erklärt ebenso Christina Emmrich, Vorstandsvorsitzende vom Verein für ambulante Versorgung Hohenschönhausen (VaV). Hintergrund ist ein Beschluss der Lichtenberger Bezirksverordneten, wonach unter anderem geprüft werden soll, ob ein größerer Neubau anstelle des vorhandenen Riegels errichtet werden könne.

Sanierungskosten: 800.000 Euro

Aber die derzeitigen Nutzer haben gemeinsam mit dem VaV eine eigene Idee erarbeitet: Sie wollen das vorhandene Haus in Eigenregie betreiben und zum „Bürgerzentrum Hechtgraben“ entwickeln. „Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass der Bezirk dieses letzte kommunale Gebäude in der Region grundsaniert“, betont Christina Emmrich. Experten hätten einen finanziellen Aufwand von rund 800.000 Euro ermittelt. Davon müssten die Wasser- und Energieversorgung erneuert sowie Fenster in Ordnung gebracht werden.

Als Träger, der die Einrichtung bewirtschaftet und weiterentwickelt, wollen die Initiatoren einen eigenen Verein gründen. Gespräche mit Interessierten, die mit einziehen möchten, wurden bereits geführt. „Die Schule ,Grüner Campus Malchow‘ würde unter anderem Werkstätten etablieren und Sportmöglichkeiten nutzen“, berichtet Karsten Dietrich. Entstehen könnten außerdem Atelierräume und 16 Wohnungen für geistig Behinderte beispielsweise oder Alleinerziehende. Auch ein kleines Café wäre denkbar sowie die Eröffnung einer Kinderarztpraxis.

Endgültige Entscheidung steht noch aus

„Unsere ausführlichen Vorstellungen und Finanzierungsideen haben wir in den zurückliegenden Monaten bereits in Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung präsentiert – mit durchweg positiver Resonanz“, erklärt Jeannette Shiferaw. „Aber noch immer steht eine endgültige Entscheidung des Bezirks aus, was uns ärgert und verunsichert“, beklagt Christina Emmrich, die sich künftig ebenfalls mit einem Vereinsangebot in der Straße Zum Hechtgraben einbringen will.

Standortkonferenz vor der Sommerpause

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) betont, dass er großes Interesse daran habe, den Kiez mit vorhandenen und neuen Angeboten zu stärken. In welcher Form das passiert, soll auf einer Standortkonferenz noch vor der Sommerpause geklärt werden. „Gemeinsam wollen wir alle Fakten auf den Tisch legen und Alternativen beleuchten“, formuliert es der Bezirks-Chef. Vertreter aus der BVV, aus Ämtern, von Vereinen und Freien Trägern sowie aus der Schule ,Grüner Campus Malchow‘ werden dazu eingeladen. „Auf jeden Fall wird 2018 entschieden, wie es am Standort weitergeht“, betont Michael Grunst. Und er beruhigt: Mittel für den derzeitigen Weiterbetrieb des Hauses seien im aktuellen Bezirkshaushalt eingeplant.

 

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