Tierheim Berlin leidet noch immer unter Folgen des Starkregens

Dringend Spenden gebraucht

09.08.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1,2,5), Jürgen Damsch (3,4), TVB (6)

Falkenberg. Wenngleich die Katzen und Hunde inzwischen die unfreiwillige Evakuierung wegen des Starkregens am 22. Juli hinter sich gelassen haben und in ihre Boxen und Gehege zurückkehren konnten, hat das Tierheim Berlin im Falkenberger Hausvaterweg weiterhin mit den Nachwirkungen der Wassermassen zu kämpfen. Denn der sintflutartig strömende Regen hat große Schäden hinterlassen. Ein Großteil der 13.000 Quadratmeter umfassenden Dachkonstruktion ist kaputt, das Wasser hatte sich seinen Weg durch Lichtschächte und Mauerfugen gebahnt, einige Teile der Isolation wurden regelrecht aufgeweicht. Hunde- und Katzenhäuser, aber auch die Krankenstation waren betroffen. „Wir haben auch am Reha-Haus massive Schäden“, sagt Tierheimsprecherin Annette Rost. „Eine Katzenmama, die wegen einer Operation nach einer Beckenfraktur nichts Erhöhtes in ihrer Box hatte, stand mit ihrem erst zwei Wochen alten Kätzchen im mehrere Zentimeter hohen Wasser“, erzählt Annette Rost. Beide konnten gerettet werden. Auch andere Tiere kamen mit dem Schrecken davon und wurden vorübergehend in Notunterkünfte gebracht.

Noch keine Unterstützung vom Land Berlin

Jetzt ist wieder Normalität eingezogen, die Tiere sind wieder in ihren eigentlichen Häusern. Doch eigentlich kann man von einer normalen Situation kaum sprechen – die großen Schäden sind schließlich geblieben. Eine Millionensumme werde es kosten, diese zu beseitigen, sagt die Tierheimsprecherin. Wie viele Millionen genau gebraucht werden, kann sie nicht sagen. Die Gutachter und Architekten sind noch am Berechnen. Fest steht: Es wird viel Geld gebraucht werden. Doch der Tierschutzverein für Berlin (TVB), der das Tierheim betreibt, hat solch große Summen nicht zur Verfügung. Denn er erhält keine finanzielle Unterstützung vom Land Berlin, seine Ausgaben (vom Futter für die Tiere über die tierärztliche Betreuung bis hin zum Gehalt für die Tierpfleger) muss er selbst finanzieren. Einkünfte kommen vor allem aus Spenden, Nachlässen und den Beiträgen der rund 15.000 Mitglieder. Lediglich für das Betreiben der Tiersammelstelle für verlorene oder in Verwahrung genommene Haustiere zahlt der Senat dem TVB – rund 23 Euro je Hund, ca. 15 Euro pro Katze, für sonstige Tiere 8 Euro. Und das auch nur für die jeweils ersten 30 Tage pro aufgenommenem Tier .

Hoffen auf die Hilfsbereitschaft der Berliner

„Viele Tiere bleiben aber viel länger bei uns“, sagt Annette Rost. Derzeit gibt es im Tierheim Berlin 1.460 Tiere, darunter 256 Hunde und 470 Katzen. Sogenannte Listenhunde, die als besonders gefährliche Rassen auf einer Liste des Senats stehen, bleiben im Schnitt 448 Tage in Falkenberg. „Wir haben gerade zwei Listenhunde vermittelt, die schon sechs Jahre bei uns waren“, erzählt sie. Der Tierheim-Betrieb allein koste jährlich rund acht Millionen Euro. „Woher sollen wir Millionen für die Reparatur der Wasserschäden nehmen?“, fragt Annette Rost. Sie setzt auf die Hilfsbereitschaft der Berliner. Viele Tierfreunde haben bereits gespendet. „Derzeit brauchen wir aber keine Sachmittel“, sagt die Sprecherin, „sondern dringend vor allem finanzielle Unterstützung.“

Versicherung zahlt nicht

Umso mehr, weil die Versicherung für die Schäden nicht zahlen wird. Denn der TVB hatte keine Versicherung für Elementarschäden, wie sie jetzt vorlagen, abgeschlossen – aus Sparsamkeitsgründen. „Wir haben etliche Versicherungen: gegen Feuer, gegen Sturm, gegen Leitungswasser, gegen Hagel, aber keine gegen Starkregen“, so Rost.

Von Beginn an Baumängel

Der Tierschutzverein hatte mit dem im Jahr 2001 in Betrieb genommenen Tierheim in Falkenberg, das als das modernste in Europa gilt, schon von Beginn an mit baulichen Mängeln zu kämpfen. Ein großer Teil von diesen betraf auch die Dachkonstruktion. Doch nach so vielen Jahren sei Regress auszuschließen, sagt Annette Rost.
Der TVB habe sich jetzt um Hilfe an die tierschutzpolitischen Sprecher aller Fraktionen gewandt, sagt die Sprecherin. „Wir hoffen, dass die öffentliche Hand uns nicht nur einmalig unterstützt, sondern dem Tierheim regelmäßige Zuwendungen zukommen lässt.“ Antworten gibt es allerdings noch nicht, es ist ja Sommerpause.

Reduzierte Öffnungszeiten seit 1. August

Dass das Tierheim knapp bei Kasse ist, wird auch an einer Neuerung deutlich: Seit dem 1. August sind dort die Öffnungszeiten reduziert. Gab es bisher nur einen Schließtag, den Montag, kommt nun der Dienstag dazu. An den verbleibenden Tagen ist nur noch von 13 bis 16 Uhr geöffnet – zwei Stunden weniger als bisher. Mit den Regenschäden habe das nichts zu tun, sondern mit personellen Engpässen, die sich aus der finanziellen Situation erklärten, sagt Annette Rost. Die 67 Pflegerinnen und Pfleger sollten durch die eingeschränkten Besuchszeiten mehr Zeit erhalten, in der sie sich intensiv mit den Tieren beschäftigen können.

Tierheim Berlin, Hausvaterweg 39, in Berlin-Falkenberg. Geöffnet mittwochs bis sonntags von 13 bis 16 Uhr. Geschlossen Montag, Dienstag und an gesetzlichen Feiertagen.

Hier geht es zur Spendenkampagne

 

 

 

 

 

 

 

 

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