THEATER AN DER PARKAUE feiert Wiedereinzug mit Doppelpremiere

Zeitgemäße „Unendliche Geschichte“

11.11.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Christan Brachwitz (1-2), Birgitt Eltzel (3-11)

Lichtenberg. Mit einer Doppelpremiere feierte das THEATER AN DER PARKAUE am Freitag, 10. November, nach zwei Jahren Sanierung den Wiedereinzug in seine angestammten Räumlichkeiten. Bereits um 10 Uhr hatte „Die unendliche Geschichte“ nach dem Buch von Michael Ende Premiere, am Abend folgte dann die Uraufführung von „In Dir steckt ein Tier“ von Oliver Schmaering. Die beiden Aufführungen bedeuteten gleichzeitig die Wiedereröffnung der Bühnen 1 und 2. Bereits im Jahr 2015 war die Bühne 3 des 1950 als „Theater der Freundschaft“ gegründeten Hauses fertiggestellt worden. Dort hatte es am 16. September zum Auftakt der neuen Spielzeit mit „Beben“ von Maria Milisavljevic ebenfalls eine Premiere gegeben.

Der Kampf gegen das Nichts

Wir erlebten am Freitagmorgen die „Unendliche Geschichte“ mit, den Kampf von Bastian Balthasar Bux, der das Reich Phantásien vor dem Nichts retten soll. Doch als neuer Herrscher von Phantásien verspürt er Lust, Macht auszuüben und verrät sogar seine Freunde. Schließlich ist er ganz auf sich allein gestellt und muss seinen eigenen Weg suchen – und finden. Viele kennen das Buch von Michael Ende. Noch mehr Menschen jedoch haben wohl die häufig im Fernsehen gezeigte Verfilmung von 1984 gesehen, mit deren ästhetischer Umsetzung der Autor nicht einverstanden gewesen sein soll. Nur wenig erinnert in der Version des neuen Schauspieldirektors Volker Metzler, der die Regie übernahm, an den etwas bieder herkommenden Film. In einem atemberaubenden Tempo geht eine zeitgemäße Theatershow über die Bühne, die viel Lob verdient: großartiges Bühnenbild, fantasievolle Kostüme, technische Finesse, mitreißende Musik (von Pop bis Opernarie!), sehenswerte Tanzeinlagen wie jene im Gangnam Style des südkoreanischen Rappers Psy und ein hervorragend aufeinander abgestimmtes Ensemble. Bei so viel Augen- und Ohrenschmaus kann es allerdings passieren, dass zeitweilig weniger auf die Texte geachtet wird. Zumal das Stück, ausgewiesen für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren, mit seiner Länge von 120 Minuten (unterbrochen durch eine Pause) doch einiges an Konzentration abverlangt.

Inszenierung spricht nicht nur Jüngere an

Nachdem es zweimal Szenenapplaus gegeben hatte, ertönte am Schluss dann minutenlanger Beifall. Das Publikum bedankte sich für eine opulente Inszenierung, die nicht nur die Jüngeren anspricht. Auch längst Erwachsene, die vielleicht selbst schon Eltern oder Großeltern sind, waren begeistert: Sie hatten, wenigstens für zwei Stunden, das Kind in sich wiederentdecken können. Das Gros der Zuschauer machten jedoch junge Leute aus. Die meisten Reihen waren von Schülerinnen und Schülern der Gretel-Bergmann-Schule gefüllt. Lehrkräfte der Marzahner Gemeinschaftsschule hatten sich rechtzeitig über den Spielplan informiert und gleich für mehrere Jahrgangsstufen Premierenkarten erworben, wie eine Lehrerin erzählte. Das Theatererlebnis hat nach der Vorstellung übrigens kein Ende für die Mädchen und Jungen – sie werden sich im Rahmen des Unterrichts weiter mit der „Unendlichen Geschichte“ beschäftigen.

Kultursenator zerschnitt rotes Band

Unter den Premierengästen war auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), ebenso weitere Politiker wie die aus Lichtenberg stammende Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke). Auch Kulturschaffende aus anderen Theatern sowie Schauspieler aus Film und Fernsehen waren gekommen, darunter Wolfgang Winkler (bekannt u.a. aus „Polizeiruf 110“). Gemeinsam mit Intendant Kay Wuschek, der das THEATER AN DER PARKAUE seit 2005 leitet, und einigen jungen Zuschauern hatte der Kultursenator vor dem Beginn der Vorstellung symbolisch ein rotes Band am Eingang des Hauses an der Parkaue 29 durchschnitten: Hereinspaziert ins neue alte Theater, das kleinste Staatstheater der Hauptstadt und gleichzeitig das größte Kinder- und Jugendtheater in Deutschland.

Ende 2019 beginnt 2. Etappe der Sanierung

Doch schon in rund zwei Jahren wird das Ensemble erneut auf andere Spielstätten ausweichen müssen. Denn ab Ende 2019 beginnt Teil Zwei der Sanierung. Dann wird nicht nur der 28 Meter hohe Bühnenturm ertüchtigt, sondern auch die Ober- und Untermaschinerie von Bühne 1 modernisiert und die gesamte IT erneuert. „Das Projekt ist fest eingeplant“, sagte Klaus Lederer. Nach seinen Angaben betragen die veranschlagten Kosten dafür insgesamt 21,5 Millionen Euro, die Arbeiten sollen 2021 beendet sein. Im ersten Bauabschnitt wurden 17,6 Millionen Euro für die Sanierung verwendet.

Eine ganze Woche lang wird gefeiert

Die Doppelpremiere bildete den Auftakt für eine ganze Festwoche nach der Wiedereröffnung. Am kommenden Sonntag, 12. November, sind Familien ab 11 Uhr eingeladen zu einem Zukunftsparcours durchs ganze Haus – mit Vorstellungen auf allen drei Bühnen und einem kostenlosen Programm mit vielen Überraschungen (12.30-16 Uhr). Den Schlusspunkt setzt am Sonnabend, 18. November, die Vergabe des Brüder-Grimm-Preises im Auftrag des Landes Berlin zur Förderung des Kinder- und Jugendtheaters.

Weitere Informationen zur Festwoche und den Spielplan gibt es hier…

 

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