Drinnen & Draußen

Digitale Depression

13.08.2017, Jule Pauline Damaske

Foto: Jule Damaske. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Dass jeder, der sich ein Smartphone zulegt, durch die „digitale Pubertät“ muss, habe ich bereits vor einigen Wochen beschrieben. Wenn diese Phase überwunden ist und man sich aufgenommen und sicher in der digitalen Welt fühlt, warten schon andere Probleme auf einen.

Sobald wir herausgefunden haben, wie man Bilder, Fotos und Nachrichten verschickt, erhoffen wir uns viele witzige und vielleicht auch tiefgründige Unterhaltungen über unsere neuen Social Media Accounts. Hat das Foto den Empfängern gefallen? Wie fanden sie das Video, welches ich geschickt habe?

Wenn wir innerhalb der ersten Minuten keine Antwort erhalten, beginnen wir uns zu sorgen. Alle sind doch immer und überall online?

Gerade bei Social Medias wie Instagram und Facebook erhoffen wir uns nach dem Posten große Reaktionen. Ein schönes Bild, das wir aufgenommen haben, soll mit möglichst vielen „Likes“ belohnt werden. Immerhin haben wir extra ein Foto von dem veganen, glutenfreien Burger geschossen, bevor wir genüsslich reingebissen haben. Alle Facebook-Freunde und Instagram-Follower sollen doch sehen, was für einen witzigen Abend ich gestern hatte.

Ehe wir uns versehen, sind wir drin in der Welt der Social Media. Mit unseren Posts und digitalen Beiträgen möchten wir Zustimmung und Bestätigung erhalten. Je mehr Likes, desto erfolgreicher. Mit dem blauen Däumchen, der nach oben zeigt, kann man sich so gut mit anderen vergleichen. Auf unseren Accounts stellen wir uns selbst dar. Wir zeigen, was wir wann wo machen und mit wem. An je mehr Orten man ist, je mehr trendiges Essen man postet, desto mehr Likes.

Aber wozu das Ganze? Interessiert es die anderen Menschen, was ich gestern für ein Outfit hatte? Interessiert es mich überhaupt, was die Freundin, der Freundin der Freundin für Bilder postet?

Vielleicht geht es nicht allen so, aber ich merke, dass gerade in meiner Generation, der „Digital Natives“, viele darunter leiden. Wenn alle Freunde diese App haben, dann darf ich doch nicht die Einzige sein, die etwas verpasst.

Manchmal merken wir dabei gar nicht, wie stressig das Wechseln zwischen den vielen digitalen Anwendungen ist, um zu sehen, dass wir nicht genauso viele Likes bekommen haben, wie unsere Freunde und auch keiner auf die Nachricht im letzten Gruppenchat geantwortet hat. Die Bestätigung fällt aus und wir fragen uns, was wir falsch gemacht haben, fangen an uns und die Welt anzuzweifeln. Wir verfallen in eine „Digitale Depression“. Symptome: ständiges Aktualisieren der Start-Seite, manisches Verhalten bei einer hohen Like-Anzahl, tiefe Unzufriedenheit bei ausbleibenden Likes, innere Unruhe mit schlaflosen Nächten, fehlendes Interesse an alltägliche Aktivitäten.

Beim Versuch das Glück durch Posten und Teilen zu intensivieren, verlernen wir es, den Augenblick direkt zu erleben.

Mein Tipp: ich schalte mein Internet manchmal für den Rest des Tages aus und lasse mich nicht von sozialen Netzwerken ablenken. Man kann keine permanente Erreichbarkeit von mir erwarten. Wenn es wirklich wichtig ist, sollte man zu alten Mitteln greifen und anrufen; nicht über lange, komplizierte Chatverläufe kommunizieren oder den Urlaub in Form von geposteten Fotos erzählen. Manchmal ist es eben doch besser bei den „alten“, vertrauten Medien zu bleiben oder direkt miteinander zu reden.

 

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