Die Wohnqualität soll bleiben

09.11.2017, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Berlin braucht Zehntausende neue Wohnungen. Weil geeignete Flächen rar sind, sollen zusätzliche Häuser in bereits bestehenden Quartieren gebaut werden. In Lichtenberg betrifft das die Großsiedlung Fennpfuhl. Für sie lässt das Bezirksamt derzeit ein Konzept zur Nachverdichtung ausarbeiten. Es werde ein Pilotprojekt, kündigte Stadtentwicklungsstadträtin Birgit Monteiro (SPD) an. Weitere Untersuchungen zur Nachverdichtung sind für die Großsiedlungen Neu-Hohenschönhausen und Friedrichsfelde-Süd vorgesehen.

Bürgerschaft einbeziehen

Auch die Bezirksverordnetenversammlung beschäftigt sich mit dem Thema. Die Fraktion der Grünen hat im Oktober beantragt, dass das Bezirksamt zu einer Stadtteilkonferenz einlädt, auf der die Potenziale für eine dichtere Bebauung in Fennpfuhl diskutiert werden. Anwohner, Gewerbetreibende, Wohnungsunternehmen, Planer und Bezirkspolitiker sollen dabei ihre Ideen und Vorschläge einbringen, die dann in das Konzept zur Nachverdichtung einfließen. Die Intention des Antrags sei, „gleich von Anfang an die Bürgerschaft einzubeziehen“, sagt der Grünen-Verordnete Robert Pohle. „Für mich ist wichtig, dass die Lebensqualität erhalten bleibt, diese schöne Hofstruktur mit dem vielen Grün und den Fußwegeverbindungen. Und dass die Siedlung vom Autoverkehr freigehalten wird.“ Der Ausschuss für ökologische Stadtentwicklung hat den Antrag der Grünen Anfang November diskutiert. Das Anliegen fand weitgehend Zustimmung. Auf der Dezembersitzung sollen noch Details in der Formulierung präzisiert werden.

Behutsame Nachverdichtung

Durch Nachverdichtung könne man Wohnraum schaffen und dabei die vorhandene Infrastruktur nutzen, sagt Anwohner Dieter Rühle. Doch die Wohnqualität in Fennpfuhl müsse erhalten bleiben. „Die Zufriedenheit im Kiez ist groß. Man lebt gerne hier.“ Rühle war einst der Komplexarchitekt der Großsiedlung Fennpfuhl, die von 1970 bis Ende der 80er-Jahre entstand. „Wir haben damals hoch gebaut, mit Elfgeschossern. Die Innenhöfe wurden frei gehalten für Schulen und Kindergärten. Und wir wollten sie auch frei von ruhendem Verkehr halten.“ Deshalb seien an Landsberger Allee, Vulkanstraße und Hohenschönhauser Straße große Flächen zum Parken entstanden. Damals habe es durchschnittlich 0,8 Stellplätze pro Wohnung gegeben. Dieter Rühle wohnt seit 1974 in Fennpfuhl und gehört dem Bürgerverein an.

Der Bürgerverein hat dem Bezirksamt schon vor längerer Zeit Vorschläge für eine behutsame Nachverdichtung der Siedlung gemacht. „Zum Beispiel an der Vulkanstraße“, sagt Rühle. „Da liegt zwar das Gewerbegebiet nebenan.“ Aber man könne am Übergang zu neuen Wohnhäusern zum Beispiel einen Bürostandort schaffen, der kaum Lärm verursacht. Stellplätze für die künftigen Bewohner könnten in Parkhäusern entstehen oder durch Paletten mit zwei Ebenen, auf denen Autos abgestellt werden. Weiteres Potenzial für Nachverdichtung in Fennpfuhl gebe es an der Storkower Straße nahe der Landsberger Allee. „Das Gebiet kann man städtebaulich aufwerten und gleichzeitig Wohnraum schaffen.“ Möglich sei auch, Q3A-Bauten südlich der Erich-Kuttner-Straße, die als Zeilen angelegt sind, durch Querriegel zu verbinden.

An der Paul-Zobel-Straße wird gebaut

Während das Konzept zur Nachverdichtung für Fennpfuhl noch in Arbeit ist, hat das Baugeschehen in den Innenhöfen schon begonnen. An der Paul-Zobel-Straße lässt die Howoge zwei achtgeschossige Häuser errichten. Anwohner hatten vergeblich dagegen protestiert. Die Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg baut zwei Häuser mit vier und sieben Geschossen auf ihrem Grundstück am Weißenseer Weg 15/16.

Auch im Ostseeviertel in Neu-Hohenschönhausen gibt es Vorhaben zur Nachverdichtung. Die Howoge möchte im Innenhof an der Barther Straße 17 bauen. Sie hatte wegen eines zusätzlichen Elfgeschossers beim Stadtentwicklungsamt angefragt. Dieses Vorhaben sei nicht zulässig, so die Bewertung des Amtes. „Unter anderem, weil wesentliche Fragen der Erschließung nicht geklärt sind“, teilte Stadträtin Monteiro im September dem Ausschuss für ökologische Stadtentwicklung mit. Die Wohnungsgesellschaft habe angekündigt, dass sie das Vorhaben anpassen will, damit es genehmigungsfähig wird. Es sei vereinbart worden, so die Stadträtin, dass dann ein Modellversuch für Bürgerbeteiligung bei diesem Projekt durchgeführt wird.

Kita-Plätze werden gebraucht

Wenn ein Hochhaus im Hof der Barther Straße gebaut würde, „sind die Spielplätze in Gefahr“, sagt Anwohnerin Karin Knuth. Außerdem fehle eine Zufahrt für Rettungsfahrzeuge. Im Hof habe es früher eine Doppel-Kita gegeben, erzählt die 55-Jährige. Das Gebäude wurde nicht mehr benötigt und abgerissen. „Jetzt wohnen wieder junge Familien hier. Kita-Plätze werden gebraucht“, sagt Karin Knuth. Sie ist dafür, dass erneut eine Kindertagesstätte an der alten Stelle errichtet wird. Das hat sie dem Jugendamt vorgeschlagen. Karin Knuth lebt seit 1987 mit ihrer Familie an der Barther Straße. Sie schätzt das Grün im Innenhof, die günstige Verkehrsanbindung und die guten Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung. „Es war immer ein tolles Wohnen hier. Und das soll so bleiben.“

 

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