Neuer Vertrag zwischen Förderverein Gutshaus Mahlsdorf und Bezirk

Die Tinte ist jetzt trocken

21.10.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Mahlsdorf. Es hat fast ein Jahr mit vielen Verhandlungen und Gesprächen gebraucht, aber nun steht der Vertrag zwischen dem Förderverein Gutshaus Mahlsdorf und dem Bezirksamt: Am Freitag, 20. Oktober, unterzeichneten Geschäftsführerin Monika Schulz-Pusch und Marzahn-Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) das Dokument zur Sicherung der Sammlung im Gründerzeitmuseum am Hultschiner Damm 333. Beide Vertragsparteien verpflichten sich darin zum Erhalt und zur Entwicklung des Kulturstandortes, der von überregionaler Bedeutung ist. Immerhin kommen in das vom Förderverein geführte Museum auch viele internationale Besucher, darunter sogar Gäste aus Übersee.

17 vollständige eingerichtete Zimmer

Das Museum war 1960 von Charlotte von Mahlsdorf (1928-2002), mit bürgerlichem Namen Lothar Berfelde, eröffnet worden. Als die Museumsgründerin, die als Deutschlands bekanntester Transvestit galt, im Jahr 1997 nach Schweden übersiedelte, verkaufte sie einen Teil ihrer Gründerzeit-Sammlung dem Land Berlin, einen Teil nahm sie mit. Engagierte Mahlsdorfer schlossen sich danach zusammen und gründeten einen Förderverein mit dem Ziel, das alte Gutshaus weiter zu betreiben. Das Museum wurde noch im selben Jahr vom Förderverein wiedereröffnet. Dieser erwarb im Jahr 2001 auch das Haus, später mit Hilfe der Stiftung Deutsche Klassenlotterie ebenfalls den zunächst als Leihgabe der Familie Berfelde gezeigten Teil der schwedischen Sammlung. Inzwischen sind 17 vollständig eingerichtete Räume mit Mobiliar und Hausrat der Gründerzeit zu sehen, dazu eine wohl einzigartige Sammlung von mechanischen Musikapparaten und -maschinen. Am gestrigen Freitag wurde übrigens das große Tanzsaalorchestrion ausgebaut und abtransportiert – es muss repariert und restauriert werden.

Bisher mussten immer Anträge gestellt werden

Für die Präsentation des Sammlungsteils der Stadt Berlin erhielt der ehrenamtlich arbeitende Förderverein Geld von Senat, ebenfalls gab es Zuwendungen des Bezirksamtes. Nun gibt es eine vertraglich geregelte, rechtssichere Leistungsbeschreibung nach der Kosten-Leistungs-Rechnung im öffentlichen Dienst. Damit kann die Finanzierung anders als bisher gestaltet werden – der Förderverein bekommt eine jährliche Gesamtsumme, hat damit Planungssicherheit und muss nunmehr nur noch jährlich abrechen. Vorher musste er immer Anträge an den Bezirk stellen – und wenn gerade Haushaltssperre war, sehr lange auf die Mittel warten. Die Summe von bisher insgesamt 60.000 Euro (40.000 Euro vom Senat, 20.000 vom Bezirk), die der Förderverein für die Präsentation und den Museumsbetrieb bisher erhielt, erhöht sich allerdings nicht. „Auf der Basis des neuen Vertrages kann man aber auch über eine Erhöhung reden, wenn das nötig werden sollte“, sagt die Kulturstadträtin. Vereinsvorsitzender Jürgen Herschel sagt, dass fast zwei Drittel der Mittel für Betriebskosten wie Grundsteuer, Straßenreinigung usw. benötigt werden.

Im nächsten Jahr 90. Geburtstag Charlottes

Nachdem die jahrelange Sanierung des Hauses mit dem Einbau von zwei neuen Räumen, einer herrschaftlichen Küche und einer Mägdekammer, zunächst abgeschlossen ist, sollen im Jahr 2018 auch wieder mehr Veranstaltungen stattfinden, sagt Geschäftsführerin Schulz-Pusch. Gemeinsam mit dem Bezirk wird der nächste Höhepunkt, der 90. Geburtstag Charlotte von Mahlsdorf am 18. März kommenden Jahres, vorbereitet. Dann soll, wie berichtet , auch eine Straße nach der Museumsgründerin benannt werden.

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