Teilnehmer des „Karnevals der Kulturen“ bereiten sich in Marzahn vor

Die Tänzerin mit dem Riesenfisch

24.04.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Marzahn. In diesen Tagen geht es rund im „Haus des Karnevals“. Immer mehr Teilnehmer des bekannten Straßenumzugs, der seit 1996 stets zum Pfingstsonntag durch Kreuzberg zieht, sind in die Räume an der Wolfener Straße gekommen. Sie räumen, proben und bauen. Auf insgesamt 1.700 Quadratmetern können sie ihre Utensilien, Stoffe, Nähmaschinen, Puppen und Materialien ausbreiten. So viel Platz steht den Teilnehmern seit 2016 mitten im Marzahner Gewerbegebiet zur Verfügung. Auf zwei Etagen entsteht Buntes, nachdenklich Machendes, Verrücktes und in jedem Fall Kreatives. Kostüme werden genäht, Kopfbedeckungen gestaltet, verschiedene, tragbare Marionetten entworfen und jede Menge Wagenverkleidungen hergestellt.

Neue Inszenierungen werden geprobt

Gruppen, die schon seit vielen Jahren dabei sind, und neue Teams proben ihre eigenen Inszenierungen. Es wird laut getrommelt, gesungen und Tanzschritte einstudiert. Und oft entstehen völlig neue und spontane Kooperationen. So wollen beispielsweise Mitglieder von „Samuel’s Dance Hall“, die im Nachbargebäude einen Vereinssitz haben, gemeinsam mit „Comparsa Chamanes“ zu Pfingsten durch die Straßen ziehen. Für diesen Auftritt näht die aus Kolumbien stammende Nubia Ramirez gerade mit einigen Helfern insgesamt 100 Kostüme. Unter dem Motto: „Eine glückliche Welt“ bereiten Marzahner und Kolumbianer sowie andere Hobbytänzer ihren ersten gemeinsamen Auftritt vor. Einige riesengroße Marionetten – halb Mensch, halb Maschine – sind schon fertig. Gebaut wird jetzt noch eine futuristische Stadt, die dann auf einem Wagen platziert wird. Daneben und drum herum sollen sich beim großen Straßenumzug am 20. Mai dann Tänzer bewegen.

„Kunst verbindet Menschen“

Die Kolumbianerin nimmt bereits zum 19. Mal am bunten Straßenumzug teil: „Ich bin immer wieder begeistert und finde, Kunst verbindet Menschen und macht das Leben schöner“, betont Nubia Ramirez. Sie ist begeistert, dass sie die Werkstätten in Vorbereitung des Karnevals nutzen kann, wann immer sie möchte.

Von den insgesamt rund 70 Gruppen, die beim Spektakel mitmachen, kommen jetzt etwa 30 regelmäßig zum Bauen und Proben nach Marzahn. Ana Carbia und Sergio Serrano gehören dazu. Die argentinische Tänzerin und der spanische Aktionskünstler bereiten sich als Ensemble „Produciones Abismales“ für ihren Auftritt auf dem „Rasen in Aktion“ vor. Traditionell gibt es während des Straßenfestes im kleinen Park an der Blücherstraße Platz für verschiedene Mitmach-Aktionen.

Interaktive Aktionen mit dem Publikum

„Wir thematisieren die Beziehung von Mensch und Natur durch die Begegnung zwischen einem Taucher und einem Fisch“, erklärt Ana. Dieses Zusammen-Spiel üben die beiden im Marzahner Probenraum. Dabei trägt die Tänzerin einen riesigen Fisch auf den Schultern, den sie per Handbewegung steuert. Sergio umkreist das bis zu vier Meter breite Gespann als Taucher und benutzt dabei seltsame Messinstrumente. „Mit unseren Darbietungen möchten wir die Verantwortung des Menschen an der Wiederherstellung des Gleichgewichts mit der Umwelt klar herausstellen“, betont Sergio. In interaktiven Aktionen mit dem Publikum sollen gemeinsam Lösungen entstehen.

Gelebte Integration

„Das Spannende am ,Karneval der Kulturen‘ ist für mich die Vielfalt, mit der die Teilnehmer immer wieder überraschen“, sagt Ruth Hundsdoerfer, die gemeinsam mit zwei Kolleginnen das gesamte, viertägige Straßenspektakel organisiert. Dass dabei oft Menschen mit verschiedenen politischen Auffassungen und Lebensweisen gemeinsam auftreten, sei schon etwas Besonderes. „Dieser Karneval führt Leute zusammen und demonstriert öffentlich gelebte Integration“, betont sie. Hundsdoerfer hofft und wünscht sich, dass genau dieser Effekt von der Politik stärker wahrgenommen und akzeptiert wird. Schließlich sei Berlin eine weltoffene Stadt mit einem großen Reichtum an verschiedenen Kulturen.

Rückblickend findet sie die Entscheidung, 2016 mit dem Vorbereitungs-Team und den Werkstätten nach Marzahn zu gehen, „mehr als richtig“.

Der Karneval der Kulturen wird vom 18. bis 21. Mai in Kreuzberg gefeiert. Der traditionelle Straßenumzug findet am Pfingstsonntag, 20. Mai, von 12.30 Uhr bis 21.30 Uhr zwischen Hermannplatz, Hasenheide, Gneisenaustraße und Yorckstraße statt.

Weitere Infos unter www.karneval-berlin.de

 

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