Kinder lernen im Förderverein des Berliner Tierparks

Die Schüler-Akademie

14.12.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-8), Thomas Kötter (9-10)

Friedrichsfelde. Mehr als 4.000 Mitglieder hat der Förderverein von Tierpark und Zoo. Die Freunde der Hauptstadtzoos sorgen mit bürgerschaftlichem Engagement für die Entwicklung der Berliner Tiergärten. Sie sammeln nicht nur Spenden für die Einrichtungen, mit denen dort neue Projekte verwirklicht werden können, sondern kümmern sich auch um das Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin. Dort betreuen Ehrenamtliche den Museumsbetrieb und wirken bei Veranstaltungen mit. Die Wissensvermittlung zu Tierschutz- und Umweltthemen und die Betreuung von Besuchern gehört genauso zur Vereinstätigkeit wie der Einsatz für den Artenschutz. In regelmäßiger Folge berichten Freunde der Hauptstadtzoos und LiMa+ in einer Artikelserie über die facettenreiche Tätigkeit. Heute : Die Schüler-Akademie.

Entdeckungsreisen im Tierpark

Miriam will einmal Tierpflegerin werden. „Aber nicht bei den Raubtieren“, grenzt die Sechstklässlerin schnell ein. Hendrikje schwebt Veterinärmedizin vor, Spezialisierung auf Kardiologie. Ihre Freundin Julia könnte sich später eine berufliche Tätigkeit als Zahnärztin vorstellen. Doch Tiere mag sie ebenfalls. Deshalb besucht sie mit anderen Mädchen und Jungen aus Lichtenberger Grundschulen die Schüler-Akademie der Freunde der Hauptstadtzoos. Dort erwerben Schüler der Klassen 5 bis 7 Wissen über Tiere, Artenschutz und Umwelt. Insgesamt sechs Unterrichtsblöcke mit jeweils zehn Stunden am Nachmittag gibt es dabei. Nach Ende des jeweiligen Kurses erhalten die Kinder ein Teilnahmezertifikat und am Ende aller Kurse ein Diplom der Schüler-Akademie. Jede der insgesamt dreistündigen thematischen Nachmittagsveranstaltungen beginnt mit einer entsprechenden Entdeckungsreise im Tierpark. Danach wird das dabei Erfahrene im Schulungszentrum des Fördervereins, der früheren Tierparkschule, vertieft – multimedial mit Computer und Beamer, bei Mikroskopieren oder in Fragestunden.

Beobachtungen im Affenhaus

An diesem Dienstagnachmittag geht es zunächst ins Affenhaus, zu den Gibbons. Denn der Kurs, der jetzt kurz vor seinem Abschluss steht, befasst sich mit dem Thema Asien. Die Unterrichtsblöcke sind stets einem Kontinent und dessen Tierwelt gewidmet, erzählt Thomas Kötter, der Leiter der Schüler-Akademie. Schließlich will auch Tierparkdirektor Andreas Knieriem den mit 160 Hektar größten Landschaftstiergarten Europas zu einem geografischen Zoo umgestalten – Tiere sollen dort künftig in den Lebensräumen zu sehen sein, in denen sie auch in der freien Wildbahn vorkommen. Der Förderverein hat dieses Prinzip in seiner im Herbst 2014 gestarteten Schüler-Akademie übernommen.

Ehrenamtliches Engagement

Der 41-jährige Vermessungsingenieur Thomas Kötter leitet die Einrichtung ehrenamtlich. Zuvor hatte er sich in der Erwachsenen gewidmeten Akademie der Hauptstadtzoos des Fördervereins das fachliche Rüstzeug dafür geholt. Etwa zehn weitere Ehrenamtliche bilden den Pool der Dozenten. Eine davon ist Ute Schumann, die heute ihre erste Kursstunde gibt. Die frühere Verwaltungsfachwirtin ist seit kurzem im Vorruhestand und hatte eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gesucht. „Man kann selbst viel dazulernen und die Arbeit mit Kindern macht ja auch Spaß“, sagt sie.

Konzentriert bei der Sache

Obwohl schon ein ganzer Schulunterrichtstag hinter den Mädchen und Jungen liegt, sind diese diszipliniert und konzentriert bei der Sache. Sie haben ihre Unterrichtsmaterialien dabei – es gibt Informationsblätter, Tier-Steckbriefe, Kreuzworträtsel und ähnliches, auch kleine Aufgaben für zu Hause. Vor den Gehegen im Affenhaus holen die Kinder Fragebögen heraus. Wie viele Gibbons leben im Tierpark Berlin? Wodurch unterscheiden sie sich? Können Größe und Fellfarbe etwas über das Alter und das Geschlecht der Tiere aussagen? Aufmerksam beobachten Miriam, Hendrikje, Julia und die anderen das Treiben hinter den Glasscheiben. Doch es war schon Fütterungszeiten, die Gibbons sind träge, manche in schwer einsehbaren Verstecken verkrochen. Die Dscheladas nebenan sind lebhafter und ziehen die Blicke auf sich. Doch Blutbrustpaviane stammen aus Äthopien. Das liegt bekanntlich in Afrika und gehört eigentlich nicht zum Unterrichtsstoff des Tages. Dennoch wird auch vor dem Dschelada-Gehege verweilt. Das Affenhaus selbst interessiert die Kinder ebenfalls. Denn das wird gerade bei laufendem Betrieb umgestaltet. Wo früher weiße und hellbraune Fliesen dominierten und einen etwas sterilen Eindruck vermittelten, erinnert inzwischen schon viel an eine Wildnis: Baumstämme ragen in die Höhe, es gibt eine neue Farbgebung in Blau und viele Pflanzen im Raum für die Besucher. Selbst die Toiletten passen optisch dazu– gerade gestalten Graffiti-Sprayer an den Wänden dort einen Dschungel.

Exkursion zu den Großen Pandas

Nach kurzem Fußweg zum Schulungsgebäude steht nun die Theorie an. „Ist ein Affe mein Onkel?“ heißt es eingangs einer Computerpräsentation, die Ute Schumann vorbereitet hat. Und schon ist man drin im Fachsimpeln über Abstammung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, über die Evolution. „Wir wollen die Kinder an die wissenschaftliche Arbeit heranführen“, sagt Thomas Kötter. Es gehe bei der Schüler-Akademie nicht darum, Tiere zu streicheln, sondern ums Lernen auf interessante und kurzweilige Art, um das Begreifen von Zusammenhängen. Natürlich gibt es immer auch besondere Highlights. Die Schüler konnten so beispielsweise Tiere wie Alpalkas, Varis oder Mesopotamische Damhirsche füttern und mit Bartagame und Königspython auf Tuchfühlung gehen. Auch Ausflüge werden gemacht. Im diesjährigen Asienkurs führte eine Exkursion zu den Großen Pandas im Berliner Zoo.

Jahreskarte im Preis enthalten

Bis maximal 15 Kinder können jeweils in einem der Kurse der Schüler-Akademie lernen. Diese finden an Dienstag- und Donnerstagnachmittagen von 15 bis 18 Uhr statt. Laut Thomas Kötter kamen bisher vor allem Mädchen und Jungen aus Lichtenberg: „Aber wir sind natürlich für alle Interessierten offen.“ Die Teilnahme kostet pro Kind für die zehn Kursnachmittage 35 Euro. Darin enthalten ist eine Jahreskarte für den Tierpark. „Die nutzen die meisten natürlich auch außerhalb des Kurses“, sagt Thomas Kötter.

Die Schüler-Akademie findet über zwei Jahre verteilt in sechs Blöcken von jeweils zehn Nachmittagen statt, wobei nicht alle Blöcke besucht werden müssen.

Der neue Themenblock „Tierwelt Europas – wilde Tiere unseres Kontinents“ beginnt am 9. Januar bzw. 11. Januar 2018.

Anmeldungen per Telefon unter: 030-51 53 14 07 oder per E-Mail

Weitere Informationen hier…

 

 

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