Gedankenbrösel zum Sonntag

Die Kurve kriegen

17.12.2017, Mike Abramovici

Foto: Mike Abramovici

„Ich kauf‘ mir was, kaufen macht soviel Spaß, ich könnte ständig kaufen geh’n. Kaufen ist wunderschön.“ So sang Herbert Grönemeyer schon 1983. Kaum macht man den Fernseher an, dreht das Radio auf, knallt einem Werbung das Gehör zu. In dieser Vorweihnachtszeit, die doch eigentlich fröhlich und besinnlich das Fest der Liebe einläuten soll, ist es ganz besonders heftig.

„Wocheneeeeeende!!!“

Wenn man den Ruf „Wocheneeeeeende!!!“ hört, müsste man eigentlich glauben, dass dieser ein ruhiges, friedliches Ende der Arbeitswoche signalisiert. Aber nein, Lidl ist dran. Und will mir das Bedürfnis suggerieren, möglichst auf der Stelle den Discounter aufzusuchen, um irgendeinen Quatsch zu erstehen, der jetzt preiswerter ist als noch vor zwei Tagen. Oder ein nerviges Kind brüllt mich an, dass ich doch unbedingt zu Netto gehen soll. Danach meint mir ein anderer Händler erklären zu müssen, dass ich doch nicht blöd sei.

Wir sollten sie alle beim Wort nehmen und zeigen wie geil Geiz sein kann. Nämlich, indem wir bei diesem ganzen Konsumkram mal eine Schraube runterdrehen. Denn wenn es stimmt, was kürzlich im Radio vermeldet wurde, sorgt jeder Deutsche durch sein Einkaufsverhalten dafür, dass durchschnittlich 60 Menschen weltweit für ihn unter sklavenähnlichen Bedingungen schuften müssen. Und das nur, damit wir auch weiterhin z. B. Schokolade billig kaufen können.

Wer soll das eigentlich alles kaufen?

Unser Konsumverhalten trägt dazu bei, dass unsere Welt insgesamt nicht schöner wird. Wir sollten endlich begreifen, dass ewiges Wachstum nicht funktioniert! Wir müssen uns langsam auf den Weg machen, alles zu hinterfragen. Wir können nicht ewig konsumieren – auch wenn Arbeitsplätze daran hängen. Man muss nicht alles neu kaufen, sondern kann wieder anfangen, Dinge zu reparieren oder reparieren zu lassen. Auch das schafft Arbeitsplätze.

Wie wäre es mal mit einem Test? Man gehe in einen Einkaufstempel hinein, schließe kurz die Augen, mache sie wieder auf und frage sich dann: Wer soll das eigentlich alles kaufen? Es wäre schön, wieder das hinzubekommen, was in allen Religionen gepredigt wird: Mit den Menschen teilen! Dann kehrt auch das Leuchten wieder in die Augen zurück. Es ist ja noch nicht alles verloren, nur die Kurve müssen wir endlich kriegen.

 

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