Hönower Weiherkette hat Probleme mit Wildwuchs

Die Gewässer trocknen aus

09.05.2017, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann (2-4, 7-10), Birgitt Eltzel (1, 5,6). Zum Vergrößern und für die Bildtexte bitte auf das Startbild klicken!

Hellersdorf. Die nördliche Grenze des Ortteils Hellersdorf wird durch die Hönower Weiherkette gebildet. Wald, Wiesen und zwölf Pfuhle und Weiher gehören zu dieser Region. Die grüne Landschaft zieht sich entlang der Landsberger Allee von der Stendaler Straße bis zur Mahlsdorfer Straße hin. Viele Hellersdorfer nutzen dieses Landschaftsschutzgebiet zur Erholung, gehen mit ihrem Hund Gassi oder treiben Sport. Die Schulen nutzen den Rundweg für den Sportunterricht, das Freilandlabor bietet regelmäßige Führungen an. Doch die Gewässerlandschaft ist bedroht.

Wege wachsen zu, in den Seen ist kaum noch Wasser

Denn rund um die Weiherkette gibt es zwei große Probleme. Die Flächen müssten regelmäßig gepflegt werden, doch dazu sieht sich das Grünflächenamt nicht in der Lage. Die Wege, die in den 1990er-Jahren angelegt worden sind, wachsen langsam zu. Bäume und Sträucher haben sich auf den Wiesenflächen breit gemacht, so dass diese in absehbarer Zeit zugewachsen sein werden. Das zweite Problem ist der Wasserhaushalt. Dort, wo vor einigen Jahren noch die Seen waren, Schwäne und Enten schwammen, erstreckt sich nur noch eine Sumpflandschaft. Es gibt kaum noch Wasser in den Seen.

Rinder sollen als Mähmaschinen dienen

Mit der Entwicklung in der Weiherkette beschäftigen sich seit zwei Jahren die Landschaftsplaner vom Büro Fugmann/Janotta. Ihre ersten Vorstellungen, das ganze Gebiet mit einem Zaun zu umgeben, damit dort eine Herde schottischer Hochlandrinder weiden kann, stieß auf heftigen Protest der Hellersdorfer – das war im Herbst 2015. Damals wurde geplant, schottische Hochlandrinder in der östlichen Weiherkette weiden zu lassen. Die Weidefläche sollten eingezäunt werden und damit sollten alle Wegeverbindungen abgeschnitten werden.

Planer überarbeiteten ihr Konzept

Das wollten die Einwohner nicht akzeptieren, bereits aufgestellte Zäune wurden zerstört, es gab heftige Proteste. Inzwischen haben die Landschaftsplaner ihre Idee weiter entwickelt. Die Kritiken wurden berücksichtigt. Nun sind vier Weideflächen für eine kleine Herde von vier bis fünf Rindern vorgesehen. Die Flächen sollen auch nicht für das ganze Jahr gesperrt werden, sondern nur so lange, wie die Rinder dort weiden. Jeweils drei der vier Flächen sollen so begehbar sein. Bedingung für die vier Weideflächen ist aber, dass sie jeweils einen direkten Zugang zum Wasser haben und solange die Rinder auf der Fläche sind, der Zaun geschlossen bleibt. Die Rinder sollen nicht nur die Wiesenfläche pflegen, sondern auch junge Triebe von Bäumen und Büschen fressen. Sonst wächst die Fläche in den nächsten Jahren ganz zu und verwandelt sich in einen Wald. Die Wiesen sollen aber als Lebensraum für viele Vögel und Insekten erhalten bleiben. Im Bezirk gibt es schon einige gute Beispiele. Rinder und Schafe weiden im Wuhletal und im Nachbarbezirk Lichtenberg. Diese Tiere werden entweder von der Agrarbörse oder der Naturschutzstation Malchow betreut.

Ideen in zwei Werkstattgesprächen gesammelt

Die Ideen aus zwei sogenannten Werkstattgesprächen wurden jetzt zusammengefasst. Danach sollen die Wege wieder in Ordnung gebracht und Bänke aufgestellt werden. An den Weihern werden Beobachtungspunkte angelegt, damit Naturfreude einen freien Blick in die Landschaft haben. Am Untersee und am Froschsee sollen natürliche Erhebungen zu Aussichtspunkten ausgebaut werden. Imker sollen gewonnen werden, mit ihren Bienen an die Weiher zu ziehen. Deshalb sollen auch Obstwiesen angelegt werden. Auch an die Kinder wurde gedacht, so könnten Naturspielplätze angelegt werden. Dafür sind fünf Orte vorgesehen, an denen die Kinder mit Steine oder Holz spielen können.

Zusätzliches Regenwasser einleiten?

Die größte Sorge in dem Landschaftsraum ist das fehlende Wasser. Damit beschäftigte sich die Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH. Prof. Heiko Sieker erklärte bei einem Forum, dass in den vergangenen vier Jahren viel zu wenig Regen gefallen ist. Alle Seen in der Weiherkette werden vom Grundwasser aus dem Barnim und vom Regenwasser gespeist. Infolge des jahrelang zu geringen Niederschlags ist der Beerenpfuhl bereits komplett ausgetrocknet. Auch in den anderen Pfuhlen gibt es kaum noch Wasser. Damit wachsen auch die Gewässer immer weiter zu und die Wasservögel verlieren nach und nach ihre Brutgebiete. Abhilfe könnte eine Verbindung zur Regenwasserkanalisation schaffen. Prof. Sieker unterbreitete den Vorschlag, die Regenwasserleitung in der Zerbster Straße zu kappen und das Wasser in den Pfuhl zu leiten. Auch das Regenwasser von der Landsberger Chaussee soll für einen besseren Wasserhaushalt sorgen. Allerdings muss dazu eine Schilfkläranlage gebaut werden, so wie sie sich seit vielen Jahren am Biesdorfer Baggersee bewährt hat.

Die Diskussion geht weiter

Die Diskussion um die Hönower Weiherkette wird weiter gehen. Nun werden alle Vorstellungen der Einwohner noch einmal gesichtet und abschließende Pläne erarbeitet. Sie sollen bei einem dritten Werkstattgespräch im Spätsommer vorgestellt werden.

Weitere Informationen:
http://www.fugmannjanotta.de

 

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Leserkommentare

  1. Wem ist unser territoriales Umweltklima was wert ?
  2. In den 80-ziger Jahren war ich stellvertretender Vorsitzender des
    WBA 305 Hellersdorf und darüber hinaus Flächennaturdenkmal-Betreuer des Schleipfuhls!
    Wir konnten uns leider nicht mit unseren Forderungen, in den noch nicht bebauten Rieselfeld-Bereichen, die Gräben und Wasserflächen zu erhalten.
    Wir wollten, dass die Dachentwässerungen der Neubauten in die Gräben und zu schaffende Regenrückhaltebecken einfließen und nicht völlig sinnlos in die Entwässerungskanäle einmünden.
    Diese verfehlte Baupolitik musste über kurz oder lang zum Austrocknen der Biotope führen.
    Der Kreppfuhl, an dem ich wohne, ist nach dem Tod der Eigner 2015, praktisch ausgetrocknet gewesen. Luftveränderungen waren für mich leidvoll bemerkbar, deshalb musste ich etwas tun. Ich pumpe jeden Tag mehr als 10 qm Wasser in den Kreppfuhl, um ihn zu erhalten.
    Das hat mich bisher mehr als 20.000,00 € gekostet, aber 2017 werden es unter 1.000,00 € Betriebskosten sein.

    Sind unseren VERANTWORTLICHEN 42 m Tiefbrunnen und
    Photovoltaik-Anlagen für eine gesunde Umwelt das Geld wert ?

    Frank Uelze von Balgstädt, aber UTOPISCHER SOZIALIST

    Schaut auf http://www.solidarisch.eu

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