Hund & Katz

Die Geiselhaft

21.01.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

„Das letzte Kind trägt Fell“, sagt der Volksmund. Und wie so oft hat er natürlich Recht. Denn Hund oder Katze kommen oft ins Haus, wenn die Sprösslinge ausgezogen sind. Zu groß war die Stille, etwas Leben muss her. Wir haben gleich zwei Fellkinder: Terriermischling Rudi aus dem Tierheim und Gershwin, genannt Winnie, mit langer Ahnentafel als Rassekatze.

Schon am Morgen beginnt’s

Und wie Kinder buhlen sie um unsere Aufmerksamkeit. Es beginnt schon morgens. Wenn wir gemütlich am Frühstückstisch unser Müsli oder frische Schrippen verspeisen, ärgert sich der Hund über Nicht-Beachtung. Da muss doch was zu machen sein! Er liegt auf der Lauer. Ist jemand so unvorsichtig, seinen Fuß aus dem Pantoffel zu nehmen, greift sich Rudi das Schuhwerk: „Gefangen, gefangen!“ Er streckt den Hintern hoch, Pantoffel im Maul: Seiner Meinung nach könnte jetzt ein tolles Spiel beginnen. „Was, Ihr wollt nicht?“ Er fängt an zu bellen: „Seht mal, was ich hier habe! Wollt Ihr mir das nicht wegnehmen?“ Eigentlich nicht, wir wollen nur Ruhe. Weil die aber erst eintritt, wenn wir das Tier in seine Schranken gewiesen haben, stehen wir auf. Eine tolle Jagd beginnt. Sieger sind natürlich die Menschen, nicht der vierbeinige Geiselnehmer. Aber stimmt das auch wirklich? Immerhin hat der Hund seinen Willen gekriegt. Was will man mehr, scheint er uns schelmisch zuzublinzeln ehe er sich für ein kleines Gesundheitsschläfchen auf dem weichen Teppich zusammenrollt.

Das neue Sitzmöbel ist der Katze zu verdanken

Kater Winnie hat währenddessen dreimal Ausgang und auch dreimal wieder Eingang verlangt. Und selbstverständlich bekommen. „Das nächste Mal stehen wir aber nicht mehr vom Tisch auf“, drohen wir ihm. Doch weil Katzenkrallen beim Rutschen über die gläserne Balkontür ein ziemlich fieses Geräusch hervorrufen, sind wir immer wieder schnell zu Diensten. Wenn wir keine Anstalten machen, den Wünschen des Katers gerecht zu werden und ihn links liegenlassen, hat er zudem ein ganz tolles Rezept: Er legt sich neben die Couch und zeigt seine scharfen Krallen:„ Ihr wisst, was das bedeutet.“ Das wissen wir leider nur zu gut. Dass überhaupt ein neues Sitzmöbel dort steht, ist schließlich auch nur dem Kater zu verdanken. Der hatte sich am Vorgängermodell des Sofas nicht nur die Krallen gewetzt sondern darin auch ein Nest gebaut. Diesmal passen wir auf.

Guten Appetit!

„Ist ja langweilig“, befindet er nach einer Minute. Der Kater marschiert ab zur Vase auf dem Sideboard, um etwas Wasser daraus zu schlecken. Doch das bekommt seinem Magen anscheinend gar nicht. Er mauzt kläglich , springt auf den Kaffeetisch und… spendiert uns dort die noch nicht verdauten Reste ihrer Morgenmahlzeit. Guten Appetit! Unser Frühstück ist beendet. Kinder, auch die mit Fell, können manchmal ganz schön anstrengend sein.

 

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