Der störrische Esel

05.11.2017, Birgitt Eltzel

Zeichnung: Birgitt Eltzel

Wir Hundebesitzer kümmern uns nicht nur umsichtig um unsere Kleinen und Großen („Oh Gott, fast Minusgrade, wo ist eigentlich das Winterjäckchen? Die Nieren dürfen doch nicht kalt werden, sonst muss Bruno wieder so oft pullern!“; „Auf keinen Fall Getreide im Futter, Emma wird davon immer so zapplig.“). Wir sind auch ehrgeizig. Unsere Tiere heißen längst nicht mehr Bello, Struppi oder Fiffi, sondern tragen inzwischen Vornamen wie die Menschen. Schließlich gehören sie ebenso zur Familie wie Sohn und Tochter, Oma und Opa, Onkel und Tante. Und deshalb verlangen wir ihnen so einiges ab.

„Ich Robinson, Du Freitag!“

Sie sollen sich zunächst ansehnlich und sauber präsentieren. Möglichst tägliche intensive Fellpflege je nach Haarlänge ist deshalb Pflicht, der vierteljährliche Besuch beim Hundefriseur ebenfalls. Wenn der Speck auf den Rippen und am Bauch dicker wird als der Tierarzt für gut befindet, sind Diät und Sport dran. Dass drei Mal am Tag ordentlich spazieren gegangen wird, muss man wohl kaum betonen. Tut schließlich nicht nur dem Hund gut, reden wir uns ein während der Novemberregen vor sich hin nieselt. Noch viel wichtiger als Aussehen und Fitness ist jedoch der Gehorsam des Tieres. Schließlich sieht es nicht nur blöd aus, wenn der Hund seinen Halter an der Leine über Bürgersteig und Straße schleift. Es konterkariert auch das Verhältnis Mensch-Hund, das auf dem Prinzip „Ich Robinson, Du Freitag!“ beruht. Weil das manchmal aber nur theoretisch oder mit vielen Ecken und Kanten klappt, gehen Hund und Herrchen (in der Praxis meist Frauchen!) in die Hundeschule. Auch Terriermix Rudi hat mit mir in seiner Welpen- und Junghundezeit zwei Kurse besucht. Ergebnis: Wir haben bestanden, Note allerdings nur „Genügend“. Was wohl an fehlender Lust (Rudi) und viel zu häufig abwesender Konsequenz (Mensch) lag.

Nachsitzen bei Trainerin Heike

In unserem Hundeverein dürfen Rudi und ich nun nachsitzen. Beim Training mit der ewig geduldigen Lehrerin (Danke, Heike!) werden wir an das erinnert, was wir vergessen haben (oder noch nie konnten). Wir lernen aber auch noch viele neue Sachen wie beispielsweise das Ignorieren anderer Hunde, denen Rudi eigentlich viel lieber die Zähne zeigen würde. In der allerersten Gruppen-Stunde schon bewies er seinen Terrier-Sturkopf. Obwohl es mit dem Platzmachen zu Hause tadellos klappt, blieb er ungefähr eine Viertel Stunde störrisch stehen wie ein Esel („Ich soll mich hier zum Affen machen? Und das, wo Damen dabei sind?“). Wenn die Trainerin mich nicht nachdrücklich aufgefordert hätte, ebenso stur auf meinem Befehl zu beharren und diesen, egal wann, an Ort und Stelle durchzusetzen, ganz ehrlich, ich wäre schwach geworden: Macht er jetzt nicht Platz, dann macht er es eben ein anderes Mal. Das Problem befindet sich halt immer am hinteren Ende der Leine…

Raus in die Freiheit

Inzwischen haben wir trainiert. „Platz!“ klappt nun wirklich auf jedem Platz. Und in (fast) jeder Situation. Bei den nächsten Stunden lief dann auch alles ganz gut. Bis auf letztes Mal. Nach der Hälfte der Zeit wurde nämlich alles ohne Leine wiederholt. Vier Teilnehmer der fünfköpfigen Gruppe benahmen sich 1a. Rudi nutzte die Freiheit – und stürmte sofort zu den Agility-Geräten, später in den (Hunde-)Buddelkasten. Sport und Spiel machen schließlich mehr Spaß als die blöde Lernerei. Wir haben uns also mal wieder gründlich blamiert und nun etliche Hausaufgaben bekommen.

Kater Winnie staunt

Im Wohnzimmer sieht Kater Winnie uns bei den Gehorsamkeitsübungen mit großen Augen zu. Es scheint fast so, als schüttele er nachsichtig den Kopf. Na ja, das Katze-Mensch-Prinzip funktioniert schließlich auch anders. Freitag ist dabei immer nur einer: der Mensch.

 

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