Dicht an dicht – Neubau grenzt an Wartehäuschen

Der schnellste Weg zum Bus

07.08.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Biesdorf-Nord. Wenn man genau hingeschaut hätte, hätte man es eigentlich schon auf den Plänen erkennen können, die die städtische Wohnungsbaugesellschaft Degewo im vergangenen Jahr Anwohnern vorstellte: Beim Weiterbau der Joachim-Ringelnatz-Siedlung an der Cecilienstraße wird ausgesprochen ökonomisch mit wirklich jedem einzelnen Zentimeter Bauland umgegangen. Denn genauso, wie auf der Zeichnung vermerkt (siehe Fotogalerie), wird gebaut – die seit Jahren aktive Bushaltestelle Cecilienstraße/Wuhle (Linien 191, 291) scheint beinahe in ein neu entstehendes Wohnhaus an der Cecilienstraße hineinzureichen. Die künftigen Mieter haben dann wohl den kürzesten Weg zum Bus in Berlin – das Wartehäuschen befindet sich höchstens eineinhalb Meter vor dem Gebäude.

Es kursieren schon Witze

In der bereits 1995 bezogenen Ringelnatz-Siedlung-Nord, die wegen ihrer markanten Tonnendächer den Spitznamen „Lokschuppen-Siedlung“ bekam, kursieren darüber schon Witze: Wer es eilig habe und im unteren Stockwerk des Neubaus wohne, könne auf dem Balkon schnell noch einen Kaffee trinken bis der Bus ankomme. Und sich dann, wenn dieser hält, rasch über die Brüstung schwingen. Auch die Wohnung ordentlich über die Eingangstür zu verlassen, müsse noch reichen, für die wenigen Meter zum Bus brauche man ja bloß Sekunden. Und hätten die Mieter mal Langeweile, könnten sie ja vom Balkon aus zuhören, was sich die Wartenden unten so erzählen. Sie wären dann bestens informiert über den Siedlungstratsch.

Zulässig, aber „etwas eng“

Die Degewo bezeichnete auf Anfrage von LiMa+ die Situation als „tatsächlich etwas eng“. Sprecherin Sabrina Gohlisch verwies auf eine Baugenehmigung für diese Lösung: „Abstandsflächenvorgaben aus dem Baurecht gibt es hierzu nicht.“ Gegenwärtig prüfe das Unternehmen jedoch „die Möglichkeit einer geringfügigen Umverlegung der Bushaltestelle“. In einer Antwort an das Stadtplanungsamt, bei dem LiM+ ebenfalls angefragt hatte, wird das Unternehmen noch etwas konkreter. Direkt hinter dem Wartehäuschen befinde sich ein Fahrradabstellraum, der in seiner Nutzung nicht beeinträchtig sei. Im direkten Anschlussbereich liege eines der Zimmer einer angrenzenden Dreiraum-Wohnung. Die mögliche Umverlegung der Haltestelle solle zu Degewo-Kosten erfolgen, der Straßenbau sei dabei nicht betroffen. Ein mitgeschickter Plan (siehe Fotogalerie) zeigt, wie das aussehen könnte – das Haltestellenhäuschen würde dann etwa zwei Meter weiter an den Rand der Busbucht verlegt.

BVG will Busbuchten künftig zurückbauen

Marzahn-Hellersdorfs Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU), auch verantwortlich für Tiefbau und Verkehr, verwies auf das erklärte langfristige Ziel der BVG, Busbuchten im Rahmen des ÖPNV-Beschleunigungsprogramms zurückzubauen und die Wartehäuschen unmittelbar an die Bordflucht der Hauptfahrbahn zu verlegen. Die Busse müssten dann nicht mehr darauf warten, wieder auf die Fahrspur einzubiegen. Außerdem kämen sich Wartende und Fußverkehr nicht mehr in die Quere. Wann die bauliche Veränderung der Busbucht an der Cecilienstraße/Wuhle allerdings erfolgen werde, sei durch die BVG „derzeit noch nicht zeitlich untersetzt“, so Martin.

299 neue Wohnungen bis Ende 2018

In der Joachim-Ringelnatz-Siedlung Süd sollen 299 Wohnungen in sieben vier- bis sechsgeschossigen Häusern entstehen. Die Sechsgeschosser werden an der Cecilienstraße platziert. Der Grundstein auf dem rund 18.000 Quadratmeter großen Gelände, auf dem bis Ende der 1990er-Jahre Laubenpieper ihre Parzellen hatten und das danach eine umzäunte Brache war, wurde im Januar 2017 gelegt. Das Degewo-Projekt hat ein Investitionsvolumen von 44 Millionen Euro. 110 Wohnungen sollen zu ca. 6,50 Euro nettokalt angeboten werden. Die Durchschnittsmiete im neuen Siedlungsteil soll etwa 8 Euro nettokalt betragen. Die Fertigstellung des neuen Siedlungsteils ist für Dezember 2018 geplant.

 

 

 

 

 

 

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