Behandlungspfade in der Notaufnahme für schnelle, kurze Wege

Der richtige Weg von Anfang an

10.06.2017, Johannes Lehmann

Fotos: Volkmar Eltzel (1,4), KEH Johannes Lehmann (2-3). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Ein Rettungswagen der Feuerwehr hält vor dem Eingang zur Notaufnahme des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH). Eine 82jährige Frau wird in die Behandlungsräume gebracht. Sie wirkt aufgewühlt und misstrauisch. Aus Angst, Nachbarn wollten sie umbringen, hatte sie sich seit Tagen in der Wohnung eingeschlossen. Nach einer gründlichen internistischen Untersuchung ergeben die Laborergebnisse akutes Nierenversagen – verursacht durch Flüssigkeitsverlust. Bevor sie in die Innere Klinik aufgenommen wird, empfiehlt der Psychiater in der Notaufnahme ein beruhigendes Medikament für die nächsten Tage. Nach einer Woche ist sie körperlich und psychisch wieder beschwerdefrei.

Schnittstelle zwischen Praxis und Klinik

„Verhaltensauffällige Patienten werden häufig direkt in psychiatrische Abteilungen eingewiesen, Patienten mit akuten körperlichen Symptomen in die somatischen Bereiche“, sagt Dr. med. Rotraut Asche, Chefärztin der Zentralen Aufnahme und Diagnostik im KEH. „Aber Verhaltensauffälligkeiten oder Verwirrtheit können – etwa bei älteren Menschen – Ausdruck einer körperlichen Erkrankung sein. Andere Symptome können dagegen auf eine psychische Erkrankung, zum Beispiel eine Angststörung, hinweisen.“

Für Patienten ist eine gut funktionierende Schnittstelle zwischen Praxis und Klinik genauso von Bedeutung wie die medizinische Versorgungsqualität bei Notfällen. Seit 2010 arbeitet die „Zentrale Aufnahme und Diagnostik“ (ZAD) des KEH in neuen Räumen mit optimiertem Raumkonzept und verbunden mit der zentralen Bettenplanung. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Abteilungen und Berufsgruppen übergreift, wird eine umfassende Versorgung für Patienten und einweisende Ärzte geboten. Darüber hinaus engagiert sich die ZAD mit Vorträgen und Fortbildungsreihen und stellt das Behandlungsspektrum des KEH für niedergelassene Ärzte, Rettungsdienste und andere Einrichtungen vor.

Umwege werden vermieden

„Notaufnahmeärzte und Psychiater im KEH haben gemeinsam klinische Behandlungspfade entwickelt, so dass gerade verhaltensauffällige Patienten nicht vorschnell in die Psychiatrie gelangen“, fährt Frau Dr. Asche fort. Die interdisziplinäre Notaufnahme mit integrierter psychiatrischer Konsilversorgung (patientenbezogene Beratung) und – unter Einbeziehung der Geriatrie bei älteren Patientinnen und Patienten – hilft, Umwege zu vermeiden und schneller die richtige Fachadresse zu erreichen.

In der Zentralen Aufnahme und Diagnostik wurden alle bisherigen ambulanten Funktionen unter einem Dach zusammengefasst: die administrative Aufnahme, die Indikationssprechstunden der Fachabteilungen, die vorstationäre Behandlung einschließlich Sprechstunde der Anästhesie. Es wurde eine organisatorische und räumliche Struktur geschaffen, die den Patienten von der Indikationsstellung bis zur stationären Aufnahme oder Operation kurze Wege auf festgelegten Behandlungspfaden ermöglicht. Daran gekoppelt ist ein Belegungsmanagement, das zu einer optimalen Auslastung der Betten- und OP-Kapazitäten führt.

Neue Veranstaltungsreihe

Im Rahmen der neuen informativen Veranstaltungsreihe „KEH Montagsvisite“ stellt die Chefärztin der Notaufnahme, Dr. med. Rotraut Asche, am Montag, 12. Juni, ab 17 Uhr die „Notfallversorgung in Lichtenberg“ vor. Interessenten können sich im Haupthaus im Clubraum (Haus 22, 1. Obergeschoss) informieren lassen und erhalten Antworten auf ihre Fragen.

Nach der Sommerpause wird die „KEH Montagsvisite“ am Montag, 11. September, fortgesetzt. Dr. med. Jan Theil, Chefarzt der Inneren Klinik I, spricht dann zu Diagnostik und Behandlung der Schaufensterkrankheit. Die Informationsreihe für Patienten und Interessierte findet jeweils am 2. Montag des Monats statt, die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

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