Wahlkreis 4: Lichtenberg

Der Kiez gab Lichtenberg den Namen

30.03.2016, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding (1-5,13), Birgitt Eltzel (6-12)

Am 18. September wählen die Berliner das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordneten­versammlungen neu. LiMa+ und Bezirks-Journal stellen in einer Serie die Wahlkreise vor. Bis zum Wahltag und darüber hinaus berichten und informieren wir in der eigens eingerichteten Rubrik „Wahlen 2016“ über die jeweils sechs Wahlkreise in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg, über Entwicklungen sowie über die Kandidaten und Parteien. Wir schauen zurück auf Ergebnisse der vorangegangenen Wahlen und wagen einen Blick in die Zukunft. Wer in der Demokratie mitreden und mitbestimmen will, geht am 18. September wählen. Nachfolgend

Wahlkreis 4 Lichtenberg:
Lichtenberg

Lichtenberg darf durchaus als die Wiege des Bezirks bezeichnet werden. An der Möllendorffstraße befindet sich das 1907 errichtete Rathaus. 13 Jahre wurden von dort aus die Geschicke der einst eigenständigen Stadt Lichtenberg geleitet. In dem backsteinroten Bau legte der einstige Oberbürgermeister Oskar Ziethen den Grundstein für eine moderne, urbane Kommune mit einem Krankenhaus, Schulen und anderen Gemeinweseneinrichtungen. Viele der Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Bauten gibt es heute noch – neben dem nach Ziethen benannten Krankenhaus in der Fanningerstraße gehören dazu auch die Schule am Rathaus und das Rathaus selbst. Es wurde nach der Wende denkmalgerecht saniert und ist das politische Herz Lichtenbergs. Dort haben die Bezirksbürgermeisterin und die Bezirksstadträte ihren Sitz, zudem das Büro der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und die Fraktionen der BVV.

 

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Einst vor den Toren Berlins, heute mittendrin
Einst vor den Toren Berlins gelegen ist Lichtenberg heute mittendrin – und sehr facettenreich. Die Lücken, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat, wurden mit elfgeschossigen Wohnhäusern sowie Wohntürmen geschlossen. Dazwischen finden sich immer wieder Wohngebäude aus der Gründerzeit. Vom Rathaus gelangt man zu Fuß gut zu U- und S-Bahn sowie der Straßenbahn. In einer Viertelstunde ist man am Alexanderplatz. Von den rund 37.000 Menschen, die im Wahlkreis leben, ist jeder Dritte zwischen 27 und 45 Jahre alt.

Politisches und kulturelles Zentrum
Der Wahlkreis 4 zieht sich um das politische und kulturelle Zentrum des Bezirks: An der Parkaue haben das größte Kinder- und Jugendtheater an der Parkaue sowie „Das weite Theater“ eine Heimat gefunden. Rund um die Frankfurter Allee Nord bestimmt der einstige Hauptsitz des Ministeriums für Staatssicherheit das Bild im Kiez. Dort befindet sich unter anderem ein Stasimuseum. Viele Büros dienen inzwischen als Notunterkunft für geflüchtete Menschen.

Fabriken und Künstler
Wenige Hundert Meter weiter ist Lichtenberg industriell geprägt. Bis heute erhalten geblieben sind die zahlreichen Fabrikgebäude rund um die Josef-Orlopp-Straße, in denen sich gegenwärtig vor allem Kreative und Künstler ansiedeln. Viele der seit der Wende ungenutzten Brachflächen stehen kurz vor ihrer Entwicklung – darunter ist das 50.000 Quadratmeter große, einstige Konsumgelände. Eine Mischung aus Wohnen und Arbeit ist geplant. Dafür muss allerdings der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Investoren setzen an der Stelle auf die Landespolitik. Viel vor haben auch die Eigentümer des Areals der früheren Elektrokohle. Wo sich heute bereits einer der größten fernöstlichen Handelsstandorte befindet, sind ebenfalls Wohnungen und Hotels geplant. Zwischendrin finden sich immer wieder historische Zeugnisse – etwa die inzwischen stillgelegten Friedhöfe an der Ruschestraße und an der Gotlindestraße. Auf Letzterem wird bis heute liebevoll das Grab des einstigen Oberbürgermeisters Oskar Ziethen gepflegt.

Bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 holte Birgit Monteiro (SPD) das Direktmandat, blieb aber nur bis Anfang 2015 Abgeordnete – um Bezirksbürgermeisterin zu werden. Der Wechsel war notwendig, nachdem ihr Vorgänger Andreas Geisel in den Senat wechselte. Weiterhin viele Stimmen vereint DIE LINKE im Wahlkreis 4 auf sich – Monteiros damaliger Mitbewerber Sebastian Schlüsselburg tritt auch in diesem Jahr wieder an und hofft, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Die SPD schickt mit Christian Paulus einen eher bis dato unbekannten Bewerber ins Rennen. Es ist davon auszugehen, dass sich Paulus und Schlüsselburg ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern werden. Gut möglich ist auch, dass die Grünen und die CDU weitere Stimmen dazu gewinnen.

Die Direktkandidaten im Wahlkreis 4:
(Mit Ihrer Erststimme entscheiden Sie, welche Kandidatinnen und Kandidaten direkt in das Abgeordnetenhaus gewählt werden.)

Die LINKE: Sebastian Schlüsselburg

SPD: Christian Paulus

CDU: Christine Nünthel

Grüne: Antje Kapek

FDP: Jörg Paßow

Piraten: Christian Kohl

AfD: Marianne Kleinert

Wahlkreis 4 Lichtenberg:
Die Grenze verläuft ab Karl-Lade-Straße entlang der Bezirksgrenze zu Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg bis Bahngleisdreieck Nähe Wiesenweg – ab hier entlang den Bahngleisen bis S-Bahnhof Nöldnerplatz – ab S-Bahnhof Nöldnerplatz entlang den Bahngleisen bis S-/U-Bahnhof Lichtenberg – Gudrunstraße bis Parkplatz Gedenkstätte der Sozialisten – ab Parkplatz Gedenkstätte der Sozialisten entlang der Friedhofsgrenze bis Gotlindestraße – Gotlindestraße bis Siegfriedstraße – Siegfriedstraße bis Herzbergstraße – Herzbergstraße, Paul-Junius-Straße, Karl-Lade-Straße bis Bezirksgrenze zu Pankow.

 

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